Arbeitsmarkt: Frauen werden immer noch massiv benachteiligt

Arbeitsmarkt: Frauen werden immer noch massiv benachteiligt

Sie sind besser ausgebildet, verdienen aber weniger als Männer. Sie arbeiten mehr als früher, aber häufiger Teilzeit. Beim Thema Frauen am Arbeitsmarkt geht zu wenig weiter, zeigen bisher unveröffentlichte Daten der Statistik Austria.

Sie können nicht einparken, gehen gerne shoppen und brauchen lange im Bad. Mit derartigen Klischees über Frauen werden ganze Comedy-Abende gestaltet. Beispiel gefällig? "Warum gibt es in Parkhäusern Frauenparkplätze? Damit die Frauen beim Parken nicht die Autos der Männer beschädigen." Ein richtiger Brüller. Erstaunlicherweise sorgt so etwas immer noch verlässlich für Schenkelklopfen. Zumindest bei einer gewissen Klientel.

Doch was ist eigentlich typisch Frau? Mit dem derzeit laufenden Frauenvolksbegehren, dem kürzlich begangenen Equal Pay Day und dem diese Woche stattfindenden Internationalem Frauentag gibt es genug aktuelle Anlässe, um sich wieder damit zu beschäftigen. Vor allem mit der Frage: Wie schlägt sich Frau am Arbeitsmarkt? Antworten liefern brandneue Zahlen der Statistik Austria, dem statistischen Amt der Republik, die profil vorliegen.

So viel kann getrost verraten werden: Die Realität ist weniger lustig als jeder Klamauk. Erika Musterfrau - die statistisch durchschnittliche Frau in Österreich - ist besser ausgebildet, verdient aber deutlich weniger als Max Mustermann. Sie arbeitet Teilzeit, bekommt eine geringere Pension und ist stark armutsgefährdet.

Beschämender Befund

Neu ist dieser Befund nicht, dafür aber umso beschämender. Mehr als 20 Jahre nach dem ersten Frauenvolksbegehren sind viele der damaligen Forderungen nach wie vor unerfüllt. Die Situation hat sich für den weiblichen Teil der Bevölkerung seither nur in Spurenelementen verbessert. Darauf kann man nicht oft genug hinweisen.

Wühlt man sich durch Studien und Statistiken, muss man eines erkennen: Frauen haben in vielen Bereichen aufgeholt, in manchen die Männer sogar überholt. Aber was Einkommen und materielle Absicherung betrifft, hat es ihnen nicht wahnsinnig viel gebracht.

Es ist Mitte der 1980er-Jahre, Duran Duran singen über die "Wild Boys", als die Frauen beginnen, den Männern davonzuziehen. Zumindest, was den Bildungsstand betrifft. Damals absolvierten je rund ein Viertel der jungen Frauen und Männer erfolgreich die Matura. Und heute? Im Schuljahr 2015/16 erlangten 47,4 Prozent der jungen Frauen, aber nur 33,1 Prozent der jungen Männer (bezogen auf den Durchschnitt der 18-bis 19-Jährigen) die akademische Reife, wie aus den jüngsten Daten der Statistik Austria hervorgeht. Das heißt, 57,8 Prozent aller Maturaabschlüsse wurden von jungen Frauen erworben.

Ähnlich die Situation an den Universitäten. Im Studienjahr 2000/01 überholten die Frauen, wenn auch knapp, erstmals die Männer. Inzwischen gehen 55,6 Prozent aller Studienabschlüsse auf das Konto des weiblichen Geschlechts.

Man sollte also meinen, es müsste schön langsam auch in Sachen Gehalt und Karriere mit den Männern gleichziehen. Mitnichten. Denn ihr ambitionierter Bildungsweg nützt den Frauen herzlich wenig. So übten 2016 8,1 Prozent der Männer, aber nur 3,7 Prozent der Frauen eine führende Tätigkeit aus. Selbst wenn sie über die gleichen Bildungsabschlüsse verfügen, waren Männer häufiger im Topmanagement zu finden. Selbst ein abgeschlossenes Studium bringt Frauen nicht nennenswert voran. Nur 7,9 Prozent der Hochschulabsolventinnen waren zuletzt in einer Führungsposition, unter den Männern waren es 21,2 Prozent. Dafür werden hochqualifizierte Frauen gerne mit mittleren Tätigkeiten betraut (23,8 Prozent), während nur 12,7 Prozent der ebenso gebildeten Männer unter ihrer Qualifikation arbeiten.

Traditionelle Frauenberufe oft unterbewertet

Und das, so sind sich Experten und Statistiker einig, liegt an der Berufswahl. Frauen entscheiden sich für schlechter bezahlte Jobs und Branchen mit weniger Aufstiegschancen. "Der Arbeitsmarkt ist horizontal und vertikal stark geteilt, nämlich in männliche und weibliche Bereiche", erklärt Tamara Geisberger, Projektleiterin für Verdienststruktur- und Gender-Statistik bei der Statistik Austria. Das zeigt sich bereits bei den Lehrberufen. Drei der zehn häufigsten Lehrabschlussprüfungen, nämlich Einzelhandel, Friseur, Bürokaufmann oder besser gesagt: -kauffrau , werden mit Anteilen zwischen 71 und 94 Prozent hauptsächlich von Mädchen abgelegt. Während Lehrberufe wie Metall-, Elektro-, Installations-oder Kraftfahrzeugtechnik fast ausschließlich von Burschen gewählt werden. Und auch bei der Studienwahl gibt es Fächer, die von Studentinnen dominiert werden (Veterinärmedizin, Geisteswissenschaften) und solche, in denen Studenten nahezu unter sich sind (Technik, Montanistik). Wer jedoch meint, Frauen seien an ihrer Situation selbst schuld, macht es sich zu leicht. Man muss nur auf die Gehaltstafeln in den Kollektivverträgen blicken, um zu erkennen, dass traditionelle Frauenberufe oft unterbewertet sind. Weshalb etwa ein Installateur deutlich mehr verdient als eine Friseurin, erschließt sich auch nicht auf den zweiten Blick.

Doch es gibt auch Positives zu vermelden: Innerhalb der letzten 20 Jahre kam es bei den Frauen zu einem deutlichen Anstieg der Erwerbstätigenquote. Während 1996 erst 58,3 Prozent aller 15-bis 64-jährigen Frauen einer Arbeit nachgingen, sind es heute 67,7 Prozent. Im EU-Vergleich ist nur in sieben Mitgliedsstaaten die Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt höher. Im Schnitt liegt sie bei 61,3 Prozent. Das große Aber: Nur etwas mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen österreichischen Frauen arbeiten Vollzeit. Die Teilzeitquote stieg seit 1996 von 27,7 Prozent auf aktuell 47,7 Prozent an. Das ist im EU-weiten Vergleich nahezu einzigartig hoch. Nur in den Niederlanden ist die Teilzeitquote der Frauen höher (76,6 Prozent), im Schnitt beträgt sie 32,6 Prozent.

Die Gründe, weshalb Frauen nicht das volle Stundenausmaß schuften, sind vielfältig.

Unfreiwillige Teilzeit

Weil sie sich mit Freundinnen am Nachmittag zum Kaffeetratsch treffen wollen, wird gern gemutmaßt. Tatsächlich geben aber nur 19 Prozent der teilzeiterwerbstätigen Frauen an, dass sie nicht Vollzeit arbeiten wollen - bei teilzeitbeschäftigten Männern hingegen sind es 23,5 Prozent. Und während sich 22,1 Prozent der Herren zum Zwecke der Weiterbildung in Teilzeit begegeben, tun dies Frauen hauptsächlich aufgrund von Kinderbetreuungspflichten oder Pflegeaufgaben (37,5 Prozent). In der Gruppe der 30-bis 44-Jährigen sind es sogar 67 Prozent.

Den Karriereverlauf von Vätern tangieren Kinder kaum. In jenen der Mütter schlagen sie jedoch tiefe Kerben. Arbeitsfreie Nachmittage oder lange Wochenenden haben nämlich ihren Preis. Dienstnehmer in Teilzeit werden seltener befördert und bekommen die uninteressanteren Aufgaben. Vor allem macht es sich jedoch in den Gehaltsunterschieden bemerkbar. Zugegeben, der sogenannte Gender Pay Gap ist im Zehn-Jahres-Vergleich rückläufig, wenn auch nur schwach. 1996 betrug die Differenz bei den Bruttojahreseinkommen zwischen Männern und Frauen 40,5 Prozent, aktuell liegt sie bei 37,9 Prozent. Bereinigt um Teilzeitbeschäftigte und Saisonarbeiter (etwa am Bau oder in der Gastronomie) verdienen Männer heute immer noch um 15,9 Prozent mehr als Frauen.

Die Forderung nach Teilzeitarbeit war zentral für das Frauenvolksbegehren von 1997. Nun erweist sie sich als Bumerang. Denn was Frauen aufgrund von reduzierten Arbeitsstunden verlieren, holen sie im Lauf ihrer Karriere nie wieder auf. Die geringen Versicherungsjahre drücken sich drastisch in den Pensionszahlen aus. Die mittlere Alterspension von Frauen (ohne zwischenstaatliche Teilleistungen und ohne Beamte) betrug im Jahr 2016 monatlich 920 Euro. Das ist nur knapp die Hälfte dessen, was Männern zur Verfügung steht.

Dass das Armutsrisiko von alleinlebenden Pensionistinnen (20 Prozent) deutlich höher ist als jenes alleinlebender Pensionisten (elf Prozent), vermag angesichts dessen nicht zu überraschen. Am stärksten gefährdet, unter die Armutsschwelle zu rutschen, sind mit 30 Prozent alleinerziehende Mütter.

Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß erklärte vergangene Woche, sie möchte sich dafür einsetzen, die Lohnschere zu verringern. Immerhin. Wie, lässt sie allerdings offen.