Ingrid Brodnig: Google, ein Opfer der EU?

Ingrid Brodnig: Google, ein Opfer der EU?

Ist es wirklich so absurd, dass Europa nun hart gegen Google vorgeht und dem Suchmaschinenbetreiber eine „Ermahnung“ wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken übermittelt hat? Befindet sich die EU-Kommission hier „neben der Spur“, wie Google behauptet?

Mitnichten. Im Verfahren gegen Google geht es um eine bedeutende Frage: Wer hat wie viel Macht im und über das Internet und wann wird diese Macht unbehaglich – auch für uns Konsumenten?

Google, ein digitaler Riese: Neun von zehn hiesigen Suchanfragen laufen über Google. Acht von zehn Smartphones weltweit haben das Google-Betriebssystem Android installiert, Samsung etwa kooperiert mit dem Konzern. Das iPhone von Apple mag das berühmteste Handy der Welt sein, es hat aber nur einen globalen Marktanteil von 15 Prozent.


Missbraucht ein Marktführer seine Macht?

Wenn einmal ein Anbieter so dominant ist wie Google, dann bleibt der Kommission nichts anderes übrig, als genau hinzuschauen. Als zuständige Wettbewerbsbehörde prüft sie im Anlassfall: Missbraucht ein Marktführer seine Macht?
Ein solches Vorgehen ist nicht „neben der Spur“, es folgt der Spur, welche die Gesetze vorgeben.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat Google nun ermahnt, weil die Suchmaschine bei den Ergebnissen eigene Dienste an vorderster Stelle auflistet. Laut der Kommission verschafft sich Google hier einen Vorteil.
Konkret geht es um „Google Shopping“, einen Preisvergleichsdienst, den Google noch nicht in Österreich, aber vielerorts anbietet. Google hat zehn Wochen Zeit, zu antworten.


Der Kunde muss gar nicht mehr das Google-Universum verlassen, wenn er mailen, surfen oder Termine planen will

Noch spektakulärer ist, dass die EU-Kommission ein weiteres Verfahren zum Betriebssystem Android startet. Auf vielen Android-Handys sind standardmäßig Google-Apps vorinstalliert – vom Mailprogramm (Gmail) bis zum Kalender (Google Calendar). Der Kunde muss gar nicht mehr das Google-Universum verlassen, wenn er mailen, surfen oder Termine planen will.

Klar könnte man dafür auch andere Apps herunterladen, viele tun das aber nicht.

Für die Kunden sind die vorinstallierten Apps praktisch. Sie liefern sich dabei jedoch einem einzelnen Unternehmen aus und immer mehr Daten an Google ab – der Konzern kann aus diesem Datenschatz noch bessere Produktideen generieren und noch mehr Abstand zur Konkurrenz gewinnen. Im schlimmsten Fall entsteht ein Internet, in dem man um einige große Konzerne kaum noch herumkommt.

Das sind zumindest die Sorgen der EU-Kommission, und es ist gut, dass sie diese prüft. Dafür ist sie schließlich – auch – da.

Google ist mit Sicherheit ein cleveres, ambitioniertes Unternehmen. Das Wettbewerbsverfahren muss klären, ob Google rein durch Innovationskraft wächst, das ist vollkommen legal. Oder aber, ob es seine Stellung als Marktführer tatsächlich ausnutzt – das wäre dann tatsächlich nicht mehr ganz so legal.