Lukaus Neugebauer vor dem KHK, vormals Novomatic-Forum

© Michael Rausch-Schott

Porträt
08/18/2021

Lukas Neugebauer, der neue Herr im Novomatic-Forum

Wie kommt ein gerade einmal 29-Jähriger zu so einem Deal? Und woher hat er das Geld?

von Christina Hiptmayr

Noch wirkt das Gebäude ziemlich verwaist. Das Foyer ist menschenleer, die Türen zum Festsaal sind verriegelt, selbst die Terrasse des neuen Gastro-Hotspots bleibt an diesem sommerlichen Vormittag unbesetzt. Lediglich ein Handwerker lässt sich im mit glänzenden Holzpaneelen ausgekleideten Treppenhaus blicken. Der Hausherr empfängt seine Gäste in der obersten Etage, dort, wo sich einst die Direktionsräume des ehemals staatlichen „Österreichischen Verkehrsbureaus“ befanden.

Seit Anfang des Jahres ist Lukas Neugebauer – beziehungsweise seine LNR- Unternehmensgruppe – Eigentümer des sogenannten Novomatic-Forums. Das zwischen Friedrichstraße, Operngasse und Naschmarkt gegenüber der Goldblatt-Kuppel der Secession situierte Gebäude ist eines der wenigen Wiener Relikte des Art déco. Mit dem Erwerb dieses Architekturjuwels hat sich der bis dato völlig Unbekannte ins Bewusstsein der heimischen Immo-Szene katapultiert. Und seither rätselt die Branche: Wer ist dieser Neugebauer überhaupt? Wie kommt der junge Immobilienentwickler zu so einem Deal? Und wie kann ein gerade einmal 29-Jähriger einen solchen finanziell stemmen?

Ein Faible für die Insignien der finanziellen Potenz

Den monumentalen Schreibtisch zieren gedrechselte Löwen, darauf ein astronomischer Globus in Schwarz-Gold, eine auf einer Vase reitende nackte Frauenfigur – in Neugebauers Büro herrscht ein wilder Stilmix. Raumgreifend im Auftreten, jovial im Ton, der Dialekt verrät ihn als „Zuagroasten“. Aufgewachsen ist Neugebauer in Wiener Neustadt. Nach der Matura studierte er an der dortigen Fachhochschule Wirtschaftsingenieurwesen. „Aber nur ein Semester, denn parallel dazu hab ich meine erste Firma, ein kleines Bauunternehmen, gegründet“, erzählt der Niederösterreicher. Als sich das zeitlich nicht mehr vereinbaren ließ, habe er sich auf die Selbstständigkeit konzentriert. Dawar er 18.

Ein wenig erinnert seine Geschichte an die des René Benko. Ebenso wie der Tiroler Immobilientycoon hat auch Neugebauer in jungen Jahren mit Dachbodenausbauten angefangen. Doch anders als Benko wurde Neugebauer die Berufswahl gleichsam in die Wiege gelegt: „Mein Vater war Bauunternehmer. Als er damit aufgehört hat, hatte er noch Aufträge für zwei Dachgeschoßausbauten in Wien. Das war überschaubar, da habe ich mir gedacht: Das probier ich.“ Die Anfangszeit war holprig, da habe er durchaus sein Lehrgeld gezahlt, erzählt Neugebauer.  „Wenn man als kleine Baufirma für Dritte baut, kann es leicht passieren, dass man auf dem Risiko sitzen bleibt“, so der Unternehmer. Deshalb begann er ab 2013, auch selbst Immobilien zu entwickeln. Zuerst in Randlagen in den Bundesländern, ehe er den Schritt in die Bundeshauptstadt wagte. Und langsam wurden die Projekte immer größer, auch dank einer stark boomenden Immobilienbranche. Dass der 29-Jährige in den vergangenen Jahren äußerst umtriebig war, zeigt ein Blick ins Firmenbuch: 34 aktive und 16 gelöschte Funktionen Neugebauers zählt es aktuell.

Eine davon ist die Geschäftsführung der LNR Zollergasse 31 Projektentwicklungs GmbH. Dahinter verbirgt sich das ehemalige Post- und Telegraphenamt im 7. Wiener Gemeindebezirk. Neugebauer erwarb die denkmalgeschützte Liegenschaft mit dem imposanten Uhrturm im Spätherbst 2019 um über 26 Millionen Euro von einer N.W. Moser Real Estate GmbH. „Ein absolut fairer Preis“, meint der Investor. Allerdings war das Objekt erst wenige Wochen zuvor von der BBB Immobiliengruppe – die im Einflussbereich des ehemaligen Chefs der 2008 spektakulär in die Pleite geschlitterten Stade Immobilien Holding stehen soll – um knapp 21 Millionen Euro an die Real Estate verkauft worden. Ein Preisanstieg um sechs Millionen Euro binnen gerade einmal eines Monats? Wie geht das? Hat Neugebauer viel zu viel bezahlt? „Aber nein“, sagt dieser. „Hintergrund der Transaktion war, dass ein Teil des Kaufpreises als Optionsentgelt zu deklarieren war und auf zwei Firmen aufgeteilt wurde, weswegen es  zusätzlich diese Zwischengesellschaft gab.“ Im Kaufvertrag ist dazu allerdings nichts vermerkt. 

Der Geschäftsführer der Real Estate, also der genannten Zwischengesellschaft, gehört heute zum LNR-Kernteam. Neugebauer dürfte sich also wirklich nicht geprellt fühlen. Sein Kaufpreis habe immer 26 Millionen Euro betragen, in diesem Sinne sei es kein rapider Preisanstieg gewesen, zeigt er sich mit dem Erwerb zufrieden: „4500 Quadratmeter Wohnfläche mitten im Siebten. Das ist ein Unikat.“ Auf alle Fälle ist es ein Prestigeobjekt, in das er in den nächsten Jahren 28 Luxuswohnungen bauen will.

Für die Insignien der finanziellen Potenz dürfte der Jungunternehmer generell einiges übrig haben: Am Handgelenk sorgt eine dicke Rolex für exakte Zeitmessung, der Hosenbund wird mittels eines Gürtels von Hermès an Ort und Stelle gehalten, am Parkplatz vor dem Novomatic-Forum reihen sich wie zu Zeiten des Glücksspielkonzerns Edelkarossen von BMW und Ferrari. „Viele meine Mitarbeiter kommen mit dem Auto“, erklärt Neugebauer. Am Bauwerk selbst hat er inzwischen seine Duftmarken gesetzt: Der Schriftzug des Glücksspielkonzerns ist längst entfernt. Stattdessen prangen die Buchstaben „KHK“ an der Front des 1922 bis 1923 nach den Plänen der Otto-Wagner-Schüler Hermann Aichinger und Heinrich Schmid gebauten Gebäudes. „Wir wollen hier einen Neustart“, sagt Neugebauer. Dass er die Fassade des nun „Kleines Haus der Kunst“ genannten Objekts weiß streichen ließ, hat ihm bereits einigen Ärger mit dem Bundesdenkmalamt eingebracht. „Mir ist die historische Substanz generell sehr wichtig, aber der originale Putz war hier ohnehin nicht mehr vorhanden“, rechtfertigt sich der junge Unternehmer.

"23 Millionen Euro sind zu hoch gegriffen"

Die Wiener Immo-Szene war einigermaßen überrascht, als im Februar dieses Jahres publik wurde, dass das Novomatic-Forum den Eigentümer gewechselt hatte. „Mir wurde es nicht angeboten, und vom Käufer habe ich nie zuvor gehört“, wundert sich ein namhafter Player. „Aber 23 Millionen Euro hätte ich ohnehin nicht dafür gezahlt, das ist viel zu hoch gegriffen“, so der Brancheninsider.

Das Objekt sei tatsächlich nicht wirklich am Markt gewesen, bestätigt Neugebauer. Er habe zuvor eine Liegenschaft der Novomatic in Oberwaltersdorf gekauft. Dabei sei man auch wegen des Forums ins Gespräch gekommen und schnell handelseins geworden. Der Kaufpreis sei jedenfalls durchaus im Rahmen gewesen. „Aber wenn man auf der Suche nach einem schnellen Renditeobjekt ist, gibt’s sicher bessere Möglichkeiten“, bekennt der LNR-Chef ein. Auch die finanzierende Raiffeisenlandesbank Oberösterreich sei anfangs ein bisschen skeptisch gewesen. Tatsächlich ergebe die Investition nur Sinn, wenn man die Immobilie auch selber nutze, sagt Neugebauer. Und so hat sein Unternehmen nun den Firmensitz in der obersten Etage. Die Maklerin Kristina Giacomelli, Neugebauers Lebensgefährtin und frischgebackene Mutter des gemeinsamen Kindes, residiert mit ihrem Unternehmen einen Stock tiefer. Im Erdgeschoss bespielt Szenewirt und Kanzlerfreund Martin Ho seit Mai mit seinem „404 – Don’t ask why“ die gastronomischen Flächen. Und ab September soll der von der Berliner Galerie König kuratierte Ausstellungsbetrieb starten. 

Gerüchte, wonach Ho oder andere den Kauf mitfinanziert hätten, weist Neugebauer zurück: „Martin Ho war mein Wunschpartner, seine Lokale sind Publikumsmagneten, aber wir haben ein reines Vermieter-Pächter-Verhältnis.“ Generell gebe es bei ihm keine Drittfinanziers. „Ich bin immer gerne Herr im eigenen Haus und Herr des eigenen Geldes. Da kann man die Entscheidungswege kurz halten.“ Fremdkapital komme nur in Form von Bankfinanzierungen infrage, Eigenkapital müsse in Form seines eigenen Geldes vorliegen. Eine Haltung, mit der er bisher recht gut gefahren sei. „Aktuell stehen wir bei einem Projektvolumen von über 400 Millionen Euro“, sagt Neugebauer. Und das Unternehmen soll weiter wachsen und in den nächsten zwei bis drei Jahren die Milliardenmarke knacken. Es gibt also noch einiges zu tun.

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