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Alles Erdgas oder was?

Die wirtschaftspolitische Causa Prima – erklärt in fünf Grafiken.

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Alle reden über Erdgas. Kein Wunder, macht uns der russische Überfall auf die Ukraine doch bewusst, wie abhängig wir von dem Rohstoff sind. Was beispielsweise Österreich betrifft, stammen 80 Prozent des hierzulande verbrauchten Erdgases aus Russland (in der ganzen EU ist der Anteil niedriger, aber immer noch beträchtlich). Erdgas wird unter anderem in Kraftwerken verheizt, um Elektrizität zu gewinnen. Noch wichtiger ist die Rolle in der Wärmeerzeugung: Österreichweit sorgen rund 900.000 Gasthermen dafür, dass es warm in Häusern, Wohnungen und Büros ist, knapp die Hälfte davon in Wien. Und überdies kommt Erdgas in vielen Industrien zum Einsatz, dort, wo es hohe Temperaturen für Fertigungsprozesse braucht.

Fünf Grafiken, welche die Rolle des Rohstoffs und die damit einhergehenden Probleme illustrieren:
 

Obenstehende Grafik beinhaltet alle Arten des Energieverbrauchs: ob es sich nun um Treibstoffe für Autos handelt, um Energie für Heizungen oder um Elektrizität. Es zeigt sich: Erdgas steckt fast hinter einem Viertel der in Österreich verbrauchen Energie.

Die beiden hauptsächlichen Verbraucher sind klar: sämtliche Haushalte, die mit Gas heizen; und – mehr noch – Industrie-Branchen, die hohe Temperaturen für ihre Prozesse benötigen.

Die Papierindustrie gefolgt von der Chemieindustrie braucht das meiste Gas in Österreichs Industrie. Gemeinsam sind die beiden Branchen für rund ein Zehntel des gesamten österreichischen Gasbedarfs verantwortlich.

Auch wenn das Gas aus Russland trotz Ukraine-Kriegs bisher ungehindert weiterfließt: Historisch beispiellose Preissteigerungen zeigen sich am Gasmarkt bereits seit vielen Monaten. Dafür verantwortlich sind der Wirtschafts-Boom nach der Corona-Krise, der mit hohem Energieverbrauch einhergeht – ebenso wie die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, die sich schon Monate vor Beginn der Invasion immer stärker aufgebaut haben. Entsprechend hat sich der Preis für Erdgas pro Megawattstunde in den vergangenen zwei Jahren ungefähr verfünfzehnfacht. Vielsagend ist auch der Blick auf den Gaspreisindex (ÖGPI), den die Österreichische Energieagentur berechnet. Das Basisjahr ist 2015 mit dem Wert 100 - im heurigen März erreicht der ÖGPI bereits den Wert 442.

Mehr zur Energiewende?

Wir müssen raus aus Gas, darin sind sich sämtliche Fachleute einig – und zwar aus gleich mehreren Gründen. Nicht nur gilt es, autoritär geführte Kriegsstaaten wie Russland nicht länger zu unterstützen. Sondern auch, sich von fossilen Energieträgern zu lösen, welche das Klima zerstören - und auf Erneuerbare Energien umzustellen. Aber wie kann das funktionieren? Um diese Frage geht es der aktuellen Folge von profil-Tauwetter, dem Podcast zur Klimakrise. Die Gäste von Christina Hiptmayr und mir sind diesmal Franz Angerer und Günter Pauritsch, Geschäftsführer und Energieökonomieexperte der Österreichischen Energieagentur (AEA) in Wien. Hören Sie rein!

Joseph Gepp