Die vertraulichen Aufsichtsratsprotokolle der Wienwert-Mutter WW Holding

Die vertraulichen Aufsichtsratsprotokolle der Wienwert-Mutter WW Holding

Gründer Bakirzoglu und Sedelmayer sollen der Gesellschaft über zwei Millionen Euro schulden – sie melden umfangreiche Gegenforderungen an – Investor will Sanierung finanzieren.

Wie profil in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, sollen die Gründer der Immobiliengruppe Wienwert erhebliche Schulden bei der zahlungsunfähigen Muttergesellschaft WW Holding haben. Das geht aus einem profil vorliegenden, vertraulichen Aufsichtsratsprotokoll vom 4. Jänner 2018 hervor: „Sedelmayer und Bakirzoglu bzw. deren verbundene Unternehmen schulden der Gesellschaft einen Betrag iHv rund EUR 2 Millionen (…). Bakirzoglu schuldet zusätzlich einen Betrag iHv rund EUR 500.000 für einen privaten Hausbau (…). Sedelmayer schuldet zusätzlich einen Betrag iHv rund EUR 100.000 für einen privaten Apartmentausbau (…)“. Bis zum heutigen Tage habe Vorstand Stefan Gruze seitens der Aktionäre „weder eine Zahlung, noch eine Stellungnahme zu den offenen und fälligen Zahlungen erhalten“. Die Nichtzahlung wiege umso schwerer, da die beiden „seit dem 01.04.2016 bis dato noch rund EUR 1,5 Millionen an (gerechtfertigten) Zahlungen aus dem Konzernverbund erhalten haben (…) und somit vorsätzlich und wissentlich die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft herbeiführen“.

Anwalt widerpsricht

Stefan Prochaska, Anwalt von Bakirzoglu und Sedelmayer, widerspricht auf profil-Anfrage: „Bereits im vergangenen Dezember haben meine Mandanten Herrn Gruze mündlich mitgeteilt, dass zu diesen Forderungen Gegenforderungen bestehen, die das Volumen ersterer deutlich übersteigen.“ Am 23. Jänner schrieb der Jurist an die WW Holding: „Nach Überprüfung (…) wurde festgestellt, dass gegenüber der WW Holding AG und der Wienwert AG Gegenforderungen im Ausmaß von rund EUR 3.992.796,02 bestehen. Darüber hinaus bestehen weitere Forderungen aus kurzfristigen Finanzvorlagen in Höhe von rund EUR 499.123,58.“

Indes könnte die strauchelnde WW Holding doch noch gerettet werden: „Ein deutscher Investor ist bereit, die Sanierung zu finanzieren“, erklärt Prochaska. Dieser würde der Gesellschaft zunächst acht Millionen Euro zur Verfügung stellen. Somit wären die nächsten fälligen Anleihen bedienbar. Die Tochtergesellschaft Wienwert AG soll eine Finanzspritze von fünf Millionen Euro erhalten. „Eine entsprechende Finanzierungsbestätigung liegt vor“, so Prochaska.