<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Lost in Translation

Neue Übersetzungstools überwinden Sprach- und Kulturbarrieren.

Neulich führte ich ein Interview auf Englisch. Nach der Bearbeitung schickte ich meinem Gesprächspartner, einem australischen Philosophen, die deutschsprachige Textfassung zur Autorisierung. Binnen 15 Minuten kam die Antwort. Zwar verstehe er kein Wort Deutsch, schrieb er. "But I ran it through Google Translate. It looks OK.“ Das Beispiel zeigt die ungeheuren Fortschritte bei der Übersetzungstechnologie. Noch vor wenigen Jahren lieferten einschlägige Programme bei komplexeren Texten in der Regel unverständlichen Kauderwelsch. Die Übersetzungen von Google Translate und anderen Diensten sind zwar immer noch ziemlich holprig und fehlerhaft, aber die Qualität reicht mittlerweile aus, um den Sinn eines Textes zu erfassen, und darauf kommt es in den meisten Fällen an. Der Google-Übersetzungsdienst beherrscht heute alle erdenklichen Sprachen, inklusive der Eingabe von Schriftzeichen - und liefert das Ergebnis praktisch sofort. Die nächste Herausforderung liegt in der Echtzeitübersetzung mündlicher Rede. Ein solches Tool hat Microsoft nun für seinen Kommunikationsdienst Skype vorgestellt. Bei einer öffentlichen Vorführung machte der "Skype Translator“, der auf Techniken des "maschinellen Lernens“ beruht, zwar noch viele Patzer. Aber die Star-Trek-Vision vom "universellen Übersetzer“ ist in greifbare Nähe gerückt. Gute Echtzeitübersetzung könnte in Zukunft helfen, Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden - und zugleich die Sprachenvielfalt zu bewahren. Dagegen ließe sich allenfalls einwenden, dass die Leute dann überhaupt keine Fremdsprachen mehr lernen. Aber das ist ein schwaches Argument gegen die völkerverbindende Wirkung eines "Universalübersetzers“ für jedermann. Gerade wir Europäer sollten an der Entwicklung dieser Technologien größtes Interesse haben. Sonst heißt die Einheitssprache eines Tages Englisch.

thomas.vasek@profil.at