Fridtjof Nansen: Polarforscher und Menschenfreund

Fridtjof Nansen

Fridtjof Nansen

Eine der größten und erfolgreichsten Polarexpeditionen endete am 20. August 1896, in der nordnorwegischen Stadt Tromsö. Fridtjof Nansen und sein Schiff "Fram" waren nach dreijähriger Drift über das Nordpolarmeer wieder in der Heimat eingetroffen.

Die Nächte wurden länger, der Eiswind des Polarmeeres bissiger. Es war Zeit für die beiden Männer auf Franz-Josef-Land, östlich von Spitzbergen am 80. Breitengrad gelegen, sich auf den langen Polarwinter einzurichten. Das war im Jahr 1985, und die beiden Männer waren der norwegische Polarforscher und spätere Diplomat und Menschenfreund Fridtjof Nansen (geboren am 10.10.1861) sowie sein Freund Hjalmar Johansen . Dreieinhalb Jahre zuvor waren sie mit dem Schiff "Fram" zum Nordpol aufgebrochen. Sie hatten ihn nicht erreicht, waren aber auf etwa 340 Kilometer herangekommen, näher als irgendjemand vor ihnen. Auch wissenschaftlich war ihre Reise ergebnisreich, aber das Überwintern in der Polarnacht, die sie wohlbehalten überstanden, gilt als ein ganz spezieller Erfolg der beiden.

Biografie über Fridtjof Nansen

Eine Schiffsplanke hatte Nansens Reise veranlaßt, ein Wrackteil der "Jeannette", die im Jahre 1881 vor der sibirischen Küste vom arktischen Eis zerstört worden war. Das Holzstück aber war in Grönland, also auf der anderen Seite des Nordpols, gefunden worden. Diesem Sachverhalt wollte Nansen mit seiner Expedition mit dem Schiff "Fram" nachgehen. Er nahm an, daß es eine Strömung von Sibirien quer über das arktische Meer bis nach Grönland geben müsse.

Franz Josef Land 1985 erreicht

Am 24. Juni 1893 verließ der 32jährige Nansen mit der "Fram" Oslo. Im Herbst des Jahres fror das Schiff mit seiner 13-köpfigen Besatzung vor der sibirischen Küste im meterdicken Packeis fest, verblieb darin drei Jahre und driftete erwartungsgemäß durch das Nordpolarmeer. Nansen verließ es am 14. März 1895, um mit seinem Gefährten zu Fuß das Eis bis zum Nordpol zu durchqueren.

Während die beiden zum Pol unterwegs waren, trieb die "Fram" auf unkalkulierbarem Kurse weiter nach Westen. Es war ihnen deshalb nicht möglich, auf das Schiff zurückzukehren. Nansen und Johansen erreichten nach monatelangem Marsch schließlich im August 1895 die Inselgruppe des Franz-Josef-Landes.

Einer der größten Nationalhelden Norwegens

Überlebt haben die Forscher hauptsächlich dank Nansens Erfahrung mit den grönländischen Inuit. Für die Überwinterung erlegten sie Eisbären, deren Fleisch, Speck und Felle ihnen so viel Nahrung, Licht und Wärme gaben, dass sie im nächsten Frühjahr Mühe hatten, ihre zehn Kilogramm schwerer gewordenen Körper wieder an den Marschrhythmus zu gewöhnen.

Am 17. Juni 1896 trafen Nansen und Johansen zufällig auf den englischen Forscher Frederick G. Jackson, der sie sicher nach Norwegen zurückbrachte. Bald darauf traf auch die "Fram" wieder in der Heimat ein. Nansen gilt seitdem als einer der größten Nationalhelden Norwegens. Mit seiner Reise wies er nicht nur die transpolare Strömung nach. Er konnte auch zeigen, daß das Nordpolarmeer bis über 4.000 Meter tief ist. Außerdem wurden lange meteorologische und geophysikalische Meßreihen gewonnen.