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Wissenschaft
06/18/2020

Mister Fakefield: Impfungen und Autismus

Wie die absurde und scheinbar unausrottbare Idee aufkam, dass Impfungen Autismus verursachen.

von Alwin Schönberger

Die Behauptung ist vielfach widerlegt und dennoch nicht aus der Welt zu schaffen: Die MMR-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln soll, so lautet der sich hartnäckig haltende Mythos, Autismus auslösen. Diese Schauergeschichte kursiert seit mehr als 20 Jahren, ist die wichtigste Munition vieler Impfgegner - und schlichtweg falsch, weil sie auf Wissenschaftsbetrug beruht.

1998 verfasste der britische Mediziner Andrew Wakefield, inzwischen oft "Fakefield" genannt, im Fachjournal "The Lancet" einen Artikel, in dem er einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus unterstellte. Die Publikation sorgte für gewaltigen Wirbel und ließ eine Welle der Impfpanik durch die Länder schwappen. Weil andere Forscher die Resultate nicht nachvollziehen oder reproduzieren konnten, prüften sie die Sachlage - und konnten keinerlei Hinweise auf Autismus durch Impfungen finden. Stattdessen stellte sich heraus, dass die Daten manipuliert waren und Zusammenhänge konstruiert wurden, wo keine waren. Schließlich kam auch noch ans Tageslicht, dass Wakefield erhebliche Summen von Anwälten kassiert hatte, die Familien vermeintlich impfgeschädigter Kinder vertraten. In der Folge zog "The Lancet" den Artikel zurück, und Wakefield verlor seine Zulassung als Arzt in England.

Seiner Karriere als Anführer internationaler Impfgegnerbewegungen tat dies keinen Abbruch: Bis heute schart er seine Anhänger wie Jünger um sich, die in sozialen Netzen unablässig die längst widerlegten Behauptungen trommeln. Er selbst produziert Filme wie "Vaxxed", die von der Fangemeinde zwar als mutige Aufklärungsstücke gepriesen werden, aber letztlich bloß Fake News darstellen. In den USA wurde Wakefield, wenig überraschend, von Präsident Donald Trump empfangen.

Wann immer die Warnung vor Autismus durch Impfungen auftaucht oder der angeblich die Augen öffnende Film "Vaxxed" empfohlen wird, gilt es zu bedenken: Es handelt sich um Angaben, die auf glatter Fälschung beruhen.