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Tröpfcheninspektion
08/06/2022

Was macht Schweiß zu solch einem beliebten Forschungsobjekt?

Schweiß ist mehr als die Kühlflüssigkeit unseres Körpers. Mal ist er ein miefiges Sekret, mal betört er unsere Sinne. [E-Paper]

Von Simon Koechlin

Europa stöhnt seit Wochen über Hitzewellen in Serie, in vielen Regionen leiden die Menschen unter den hohen Temperaturen – und deren typischen Begleiterscheinungen. Das T-Shirt klebt am Körper, unter den Achseln bilden sich Flecken, der Schweiß läuft. Und dafür können wir sogar dankbar sein: Denn Schwitzen ist überlebenswichtig. Es ist die Strategie des Körpers, um sich vor einer Überhitzung zu schützen.

Trotzdem hat der Mensch ein gespaltenes Verhältnis zum Schweiß: Mal ist er eine erotisch aufgeladene, mal eine abstoßende Körperflüssigkeit. Im Fitnesscenter ist das verschwitzte T-Shirt ein Zeichen von Kraft und Durchhaltewillen, im Vorstellungsgespräch eines von Schwäche, Nervosität und Unsicherheit. Wir bezahlen Geld, um in der Sauna schwitzen zu dürfen. Und ebenso für das klimatisierte Taxi, damit uns bei  einem Meeting keine Schweißtropfen in Verlegenheit bringen.

Gänzlich emotionslos betrachtet indes die Wissenschaft das Thema, wenngleich mit deutlich mehr Interesse, als man vielleicht erwarten würde: Fast 35.000 Fachartikel dazu weist allein die Medizindatenbank „Pubmed“ aus. Der Fokus der Forschenden reicht dabei von Untersuchungen der Schweißproduktion bei Athleten bis zur Frage, inwiefern Schweiß ein Indikator für die Gesundheit oder aber für Krankheiten wie Dermatitis sein kann.

Zwei bis fünf Millionen Schweißdrüsen besitzt jeder Mensch. Die meisten davon, auf dem ganzen Körper verteilt, sind sogenannte ekkrine Schweißdrüsen. Durch sie gelangt eine wässrig-salzige Flüssigkeit an die Hautoberfläche, wo sie verdunstet und uns abkühlt. Apokrine Schweißdrüsen hingegen finden sich nur an einigen behaarten Körperstellen, zum Beispiel unter den Achseln. Diese Duftdrüsen sondern ein öliges Sekret ab. Die Flüssigkeit selber ist zwar geruchlos, doch sie ist ein gefundenes Fressen für eine Vielzahl von Hautbakterien. Die Abfallprodukte dieses bakteriellen Abbauvorgangs ergeben das, was wir gemeinhin als Schweißgeruch bezeichnen.

Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Schweißgeruch. Allerdings gebe es geschlechtsspezifische Tendenzen, schreibt die kanadische Wissenschaftsjournalistin und Dozentin Sarah Everts in ihrem Buch „The Joy of Sweat“. Die Ausdünstungen von Männern sind öfter von einem Duftmolekül dominiert, das Everts als „ranzigen ziegenartigen Gestank mit einer Stinkkäse-Note“ beschreibt. Frauen riechen dagegen eher nach „einer Mischung aus reifen tropischen Früchten mit Zwiebelnote“.

So unangenehm uns Schweißgeruch heute werden kann: Ursprünglich diente er wohl als wichtiges Kommunikationsmittel.

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Die ganze Geschichte finden Sie in der profil-Ausgabe 32/2022 - hier als E-Paper.

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