Frankreichs "Spotlight": Missbrauch von Kirche systematisch vertuscht

Frankreichs "Spotlight": Missbrauch von Kirche systematisch vertuscht

Eine Gruppe französischer Investigativjournalisten legte systematischen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Frankreich offen.

Das französische investigativjournalistische Portal "Mediapart" legte am Dienstag einen großen Missbrauchsskandal in der französischen römisch-katholischen Kirche offen. 25 Bischöfe, von denen fünf noch heute im Amt sind, sollen über Jahrzehnte sexuellen Missbrauch durch 32 Priester systematisch gedeckt haben. 339 Kinder sollen diese seit den 1960-Jahren mindestens missbraucht haben.

Die katholische Kirche habe sie dabei gedeckt und durch Versetzungen versucht, die Taten zu vertuschen. Das Muster ist bereits aus dem Film "Spotlight" bekannt, der über einen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Boston berichtet: Sobald höhere Würdenträger von einem der Vorfälle erfahren hätten, hätten sie die Täter aufs Land oder ins Ausland geschickt. Dort sollen viele der Priester dann eine Bußzeit in einem Kloster verbracht haben. Anschließend seien sie in neue Pfarren geschickt worden, um jeden Skandal zu vermeiden.

Der bekannteste Beschuldigte in dem Fall ist der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, dem bereits im vergangenen Jahr die Vertuschung zahlreicher Fälle von Pädophilie vorgeworfen wurde. Er ist immer noch im Amt. Die Kirche verteidige sich mit dem Argument, die Fälle seien mittlerweile verjährt, so der beteiligte Journalist Mathieu Martinière am Dienstag im Arte Journal. Die Hälfte der nun aufgedeckten Fälle passierte aber nach dem Jahr 2000 und liege somit noch innerhalb der Verjährungsfrist.

Info: Verjährung bei sexuellem Missbrauch
Je nach schwere der Tat gibt es unterschiedliche Verjährungsfristen. In Österreich gilt nach dem Strafgesetzbuch für Verbrechen des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen eine Verjährungsfrist von 20 Jahren. Durch eine Verschärfung des Strafrechts im Jahr 2009 beginnt diese aber erst mit Vollendung des 28. Lebensjahres. Dies gilt allerdings nur für Taten, die ab dem 1. 10. 1978 begangen wurden. Mehr Infos finden Sie hier. Opferorganisationen wie der Weiße Ring helfen unabhängig von jeder Verjährungsfrist.