© Andrew Harnik / POOL / AFP

Ausland
12/15/2020

Joe Bidens Sohn im Visier

Mitten in der Übergangsphase nach der US-Wahl laufen die Ermittlungen gegen Joe Bidens Sohn Hunter an. Dem künftigen Präsidenten könnte das den Einstieg ins Amt gehörig erschweren.

von Siobhán Geets

In der makellosen Vita Joe Bidens wirkt sein Sohn Hunter schon lange wie ein Schandfleck. Biden, schwer getroffen vom frühen Tod seiner ersten Frau und der gemeinsamen kleinen Tochter, gilt als aufopfernder Familienvater, der seine Söhne Beau und Hunter allein großzog. Als Senator von Delaware pendelte er jeden Tag nach Washington und zurück, um abends zu Hause bei den Kindern zu sein. Die Biografie Hunters könnte unterschiedlicher kaum sein. Seine Drogen- und Alkoholsucht, zwei gescheiterte Ehen (unter anderem mit der Witwe seines Bruders Beau) und ein uneheliches Kind mit einer Stripperin brachten ihm immer wieder Negativschlagzeilen ein. Nun, knapp fünf Wochen nach den Präsidentschaftswahlen in den USA, wird schon wieder über den 50-Jährigen berichtet. Bundesstaatsanwälte in Delaware haben Ermittlungen gegen Hunter Biden wegen Steuervergehen aufgenommen. Dabei geht es unter anderem darum, ob er bei seinen Geschäften in der Ukraine und in China gegen Steuer- und Geldwäschegesetze verstoßen hat.

Im Wahlkampf hatte sich das Team des scheidenden Präsidenten Donald Trump auf Hunter gestürzt, um ihn als korrupt darzustellen - und damit auch seinem Vater zu schaden. Trump behauptete etwa, dass Joe Biden seinen Einfluss als Vizepräsident Barack Obamas genutzt hatte, um Korruptionsermittlungen gegen Hunter in der Ukraine zu stoppen.

Belege dafür gibt es zwar nicht, doch Trumps Anwalt Rudy Giuliani war offenbar über eine Reparaturwerkstatt an eine Kopie von Hunter Bidens Laptop gekommen, den das FBI Ende 2019 beschlagnahmt hatte. Giuliani leitete das Material an die "New York Post" weiter.

Daraufhin berichtete das Boulevardblatt im Oktober, dass Joe Biden in seiner Zeit als Vizepräsident den Berater jenes ukrainischen Energiekonzerns getroffen hätte, in dessen Aufsichtsrat Hunter Biden bis 2019 saß. Bidens Wahlkampfteam stritt das ab, wenn auch mit einem schwachen Dementi: Im Kalender des Präsidentschaftskandidaten scheine kein solches Treffen auf.

Hunter Biden ist zuversichtlich, dass auch er entlastet wird. "Ich nehme die Sache sehr ernst", schreibt er in einem Statement, "bin aber sicher, dass eine professionelle und unabhängige Untersuchung zeigen wird, dass ich meine Geschäfte legal und angemessen vollzogen habe."

Die Ermittlungen gegen Hunter Biden erschweren die ohnehin schon holprige Übergangsphase nach den US-Wahlen weiter. Das Konfliktpotenzial zwischen der neuen und der alten Administration, durch Trumps mangelnde Kooperationsbereitschaft und der Weigerung, seine Niederlage einzugestehen, ohnehin schon enorm, wird noch einmal größer.

Kommen genug Beweise gegen Hunter Biden zusammen, könnte eine der letzten Entscheidungen der Trump-Administration ausgerechnet den Sohn des neuen Präsidenten betreffen. In diesem Fall würde Joe Biden angelobt, während das Justizministerium gegen Hunter ermittelt - ein äußerst unangenehmes Szenario, an dem sich die Gegner des Demokraten genussvoll abarbeiten könnten.

 

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