profil-Morgenpost: Europäischer Gedenktag

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Heute ist der „Europäische Tag des Gedenkens an die Opfer von totalitären Diktaturen“.

Am 23. August jährt sich die Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes zum 80. Mal. Der Vertrag zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion hat den Weg für den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen geebnet: von Massenaussiedlungen über Sklavenarbeit und Kriegsverbrechen bis hin zum Holocaust und ethnischen Säuberungen. Polen verschwand für sechs Jahre von der Landkarte. Und während die Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS weitgehend erforscht wurden, sind die Verbrechen der sowjetischen Besatzer nur zum Teil bekannt. So wurden im Frühjahr 1940 in Katyn (heute Russland) mehr als 20.000 gefangene Polen (großteils Offiziere, aber auch Zivilisten) erschossen. Erst Michail Gorbatschow gab die Verantwortung der Sowjetunion für dieses Kriegsverbrechen zu. Der polnische Filmregisseur Andrzej Wajda (1926-2016) drehte über das nationale Trauma der Polen den Spielfilm „Katyn“.

Das „Europäische Netzwerk Erinnerung und Solidarität“ beteiligt sich wie jedes Jahr an den Veranstaltungen zum Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer totalitärer Regime. Auf www.enrs.eu kann man (in englischer Sprache) mehr über die Kampagnen dieses Netzwerks erfahren. Auch kurze Videos mit Überlebenden von politischer Gewalt kann man ansehen.

Vielleicht sollte der heutige Gedenktag auch dazu genützt werden, um die politischen Entwicklungen in manchen EU-Ländern zu beleuchten. Rechtspopulismus und Nationalismus nehmen weiter zu. In Italien greift Lega-Chef und Innenminister Matteo Salvini nach der Macht. Und in Ungarn hat Premierminister Viktor Orbán, der seinen Weg der „illiberalen Demokratie“ fortsetzt, am vergangenen Montag das Gedenken an das „Paneuropäische Picknick“ und den Abriss des Eisernen Vorhangs vor 30 Jahren dazu verwendet, den Bau neuer Grenzmauern zu preisen.

Einen interessanten Tag wünscht

Otmar Lahodynsky