Trump will Menschen Freiheit lassen

© APA - Austria Presse Agentur

Ausland
08/06/2020

profil-Morgenpost: The Day After

Liebe Leserin, lieber Leser!

von Rainer Nikowitz

Dass sich unsere Wahrnehmungsschwelle für gepflegten Irrsinn in den vergangenen Jahren deutlich verschoben hat, liegt nicht zuletzt an dem alltäglichen Wahnwitz, mit dem Donald Trump die Welt verlässlich beliefert. Meist sind ja die Volten von Agent Orange mittlerweile bloß noch ein kollektives Achselzucken wert. Nur, wenn sie selbst für seine Verhältnisse besonders hirnbefreit ausfallen – wie zum Beispiel bei der legendären Empfehlung, sich Desinfektionsmittel als Corona-Prophylaxe zu spritzen – schaffen sie es noch zum wirklichen Aufreger. Und langsam könnte man fast vergessen, dass es sich bei dem bösen Clown im Weißen Haus um den mächtigsten Menschen der Welt handelt – vor allem mit der durchaus realistischen Möglichkeit vor Augen, dass der Spuk nach der US-Wahl Anfang November hoffentlich vorbei ist.

Einer, der Trump sehr gut kennt, hält es aber wiederum für durchaus möglich, dass vier weitere Jahre des Irrlichterns folgen könnten – und zwar mit weitaus schlimmeren Konsequenzen als bisher: John Bolton, ehemaliger Sicherheitsberater des Weißen Hauses und spätestens seit seinem Trump-Enthüllungsbuch „Der Raum, in dem alles geschah“ Staatsfeind Nummer eins, traut den Umfragen nur bedingt. Und wenn Trump tatsächlich wiedergewählt werden sollte, müsste er weitaus weniger innenpolitische Rücksichten nehmen, meint Bolton im profil-Interview: „Das kann für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sehr gefährlich werden. Die zweite Amtszeit würde deutlich unberechenbarer sein als die erste.“

Hmm. Noch unberechenbarer? Dann wollen wir also noch inbrünstiger hoffen, dass Joe Biden gewinnt. Aber: Was dann? Das fragt sich nicht zuletzt unser Außenpolitik-Kapazunder Martin Staudinger im aktuellen Heft. Wenn Trump, Putin oder Erdogan fielen – wie wäre der Tag danach? Ich für meinen Teil kann das zwar natürlich nicht im Detail beantworten, bin mir aber zumindest in einem sicher: Jedenfalls besser als der davor.

Und genau das wünsche ich Ihnen auch im Hinblick auf Ihren heutigen Tag!

Rainer Nikowitz

PS: Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

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