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Club3
07/02/2022

Susanne Kraus-Winkler: "Neue Arbeitskräfte de facto nur aus Drittstaaten"

Im Club 3 spricht die neue Staatssekretärin für Tourismus über die vielfältigen Herausforderungen, welche die Branche zu gewärtigen hat.

von Christina Hiptmayr

Zweieinhalb Jahre Pandemie, ein beschleunigter Umbruch am Arbeitsmarkt, Ukraine-Krieg, Teuerung und die Frage der Verfügbarkeit von Energie: Susanne Kraus-Winkler hat die Agenden von Tourismus-Ministerin Elisabeth Köstinger in einer Zeit übernommen, in der die Baustellen für die Branche immer größer werden. „Wir stehen plötzlich vor Herausforderungen, die sich vorher so niemand vorstellen konnte“, sagt Susanne Kraus-Winkler im Club 3, der gemeinsamen TV-Sendung von profil, „Kurier“ und „Kronen Zeitung“.

Drängendstes Problem ist derzeit der Arbeitskräftemangel. Die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit 2008, der Beschäftigtenstand ist so hoch wie nie. „Wir bräuchten bis zu 35.000 Personen, aus der Gruppe der im Tourismus derzeit als arbeitslos gemeldeten Menschen ist aber nur ein kleiner Teil rekrutierbar“, so die Staatssekretärin. Zudem bleiben auch Tausende Arbeitskräfte aus Osteuropa aufgrund des sich immer mehr angleichenden Lohnniveaus aus. „Der gesamte europäische Arbeitsmarkt, nicht nur im Tourismus, sucht Mitarbeiter“, sagt Kraus-Winkler, „de facto können neue Arbeitskräfte nur aus Drittstaaten kommen.“ Schnelle Lösungen gäbe es da allerdings nicht.

Zudem ist auch der Tourismus massiv vom demografischen Wandel betroffen: „Wir sehen, dass die junge Generation eine völlig andere Erwartungshaltung an die Unternehmensführung, den Arbeitsplatz, die Arbeit und nicht zuletzt die Work-Life-Balance hat“, so Kraus-Winkler. „Hier stehen wir wirklich vor einem gesellschaftlichen Wandel.“ Das bedeute auch, dass sich Führungs- und Unternehmenskulturen stark verändern müssen, um die Erwartungen potenzieller Mitarbeiter erfüllen zu können. Bei den größeren Betrieben sei bereits ein Umdenken zu beobachten, die hohe Anzahl an Kleinstbetrieben hingegen tue sich dabei, auch mangels Ressourcen, schwer. „Der kleine Landgastronom im Osten Österreichs kann die Preise meist nicht so erhöhen, um die Gehaltsvorstellungen eines Kochs zu befriedigen. Er kann das Schnitzel nicht um 50 Euro verkaufen, das wird nicht funktionieren“, sagt Kraus-Winkler. Wie das Problem bei den kleinen Betrieben am besten zu lösen ist, darüber werde derzeit intensiv nachgedacht. Aber es stehe zu befürchten, so die Staatssekretärin, dass der eine oder andere Betrieb vom Markt gehen werde.

Trotz aller Widrigkeiten bricht Kraus-Winkler eine Lanze für die Branche: „Die Arbeit im Tourismus ist eine mit Menschen und für viele sehr erfüllend.“