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03/13/2021

Ladevorrang

Der Siegeszug der Elektroautos geht weiter. Ist es möglich und sinnvoll, die Energie für deren Betrieb dezentral zu erzeugen – etwa über die eigene Photovoltaikanlage?

von Robert Prazak

 

Jaguar macht es ab 2025, Volvo und Ford ab 2030, General Motors ab 2035, Audi spätestens 2035: Immer mehr Hersteller steigen auf Elektromobilität um und wollen nur noch Elektroautos bauen. Werden diese also früher als gedacht die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor von der Straße drängen? Allzu rasch dürfte das nicht geschehen, denn in Österreich ist gerade mal eines von hundert Autos mit Elektroantrieb unterwegs. Herkömmliche Pkw wird es noch viele Jahre geben, meint Georg Lettner vom Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der Technischen Universität Wien. „Sparsame Verbrennungsmotoren werden auch deshalb benötigt, weil in vielen Ländern die Infrastruktur für die E-Mobilität fehlt.“ Dennoch sei der Trend zum Elektrofahrzeug nicht aufzuhalten, speziell für Kurzstrecken. „Wer fährt schon spontan 400 Kilometer?“

Fahrzeuge mit Elektromotor stoßen im Betrieb keine Emissionen aus, doch in der Herstellung haben E-Autos im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren derzeit eine teils schlechtere Ökobilanz. Es kommt unter anderem auf deren Recycling an, vor allem aber auf den erneuerbaren Anteil des Stroms, erläutert Lettner. Eine Kernfrage bei der Elektromobilität lautet demnach: Woher kommt die Energie für die emissionsfrei fahrenden Autos? Wenn mit Kohlekraftwerken der Ausbau der E-Mobilität befeuert wird, wäre das kontraproduktiv. Wird hingegen saubere Energie verwendet, bringt der Umstieg tatsächlich etwas für den Klimaschutz. Es treffen hier gleich zwei Faktoren aufeinander, die die Energieversorgung der nahen Zukunft bestimmen werden: Einerseits der Ausbau der dezentralen, aber schwankenden Energiegewinnung, andererseits der rasch steigende Bedarf an Strom, vor allem für die Elektromobilität.

70 Prozent des Stroms aus privaten Photovoltaik-Anlagen wird von den Haushalten nicht selbst genutzt, sondern ins Netz eingespeist.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage nicht nur für Energieversorger und Autoindustrie, sondern auch für Privatpersonen und Unternehmen: Kann die saubere Energie für das Elektroauto nicht einfach jeder selbst erzeugen, beispielsweise über eine Photovoltaikanlage? „Die Technologie ist keine Hürde, denn man könnte auch normale Steckdosen nutzen“, sagt Lettner. Wird die Ladeinfrastruktur mit einem guten Energiemanagement kombiniert, geht das Laden sogar noch besser – das ist aber eine Kostenfrage. In der Praxis könnte es so ablaufen, dass man eine Mischung aus selbst erzeugtem Strom und Strom aus dem Netz nutzt. Es brauche ein Energiemanagementsystem bzw. Smart Home, sagt Oliver Schmerold, Direktor des Öamtc: „E-Fahrzeuge daheim zu laden ist nicht nur günstig und bequem, mit selbst produziertem Solarstrom ist man autark.“ Mittels einer Photovoltaikanlage könnten Ladekosten um rund die Hälfte gesenkt werden; für Nutzer von Firmenwagen kann die Abrechnung der Ladevorgänge zudem über das Unternehmen erfolgen. Der Öamtc selbst trage der Entwicklung im Bereich der E-Mobilität Rechnung, indem neben der Ausstattung der Stützpunkte in die Schulung des Personals investiert wird, sagt Schmerold. „Um unsere Mitglieder beim Umstieg auf E-Mobilität zu unterstützen, haben wir an ausgewählten Stützpunkten sowie in unseren Fahrtechnik-Zentren eine öffentliche Schnellladeinfrastruktur errichtet.“ Aktuell stünden österreichweit an rund 160 Standorten etwa 450 Ladepunkte zur Verfügung, Tendenz steigend. „Die Tarife sind fair, denn es wird nur die tatsächlich geladene Strommenge abgerechnet.“ Auch der Arbö passt seine Stützpunkte und Prüfzentren sowie die Ausbildung der Techniker an die E-Mobilität an, heißt es dort. Davon abgesehen: Eine aktuelle Studie aus Deutschland bestätigt, dass die Attraktivität von Elektroautos steigt, je mehr Ladepunkte es gibt: Laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung können vor allem Schnellladestationen zu einer „signifikanten Zunahme“ von E-Autos führen.

Zurück zum Laden daheim: Da gibt es durchaus Hürden, so ist die Integration über ein Photovoltaiksystem ohne Zwischenspeicher nur bedingt wirtschaftlich, da die Anlage nachts keinen Strom produziert. „Genau das ist aber üblicherweise die Zeit, in der das geparkte Fahrzeug lädt“, erklärt Schmerold. Die Lösung über einen Zwischenspeicher wäre für die Zukunft eine interessante Variante, die jedoch aus Kostengründen derzeit noch wenig attraktiv erscheint. Allerdings werden die Technologien ständig weiterentwickelt – und je mehr Elektroautos produziert werden, desto rascher werden Laden und Speichern der Energie verbessert.

4800 Ladepunkte für Elektroautos stehen derzeit in Österreich zur Verfügung.

Elektroautos können prinzipiell über Haushaltssteckdosen geladen werden, doch die Dauerbelastung beim Laden kann zu Problemen führen. Mit einer Wallbox (eine Wandladebox) wird die Sicherheit erhöht und die Ladezeit verringert. Idealerweise wird eine solche Ladestation in ein bereits erwähntes Energiemanagementsystem bzw. Smart-Home-System integriert – das macht es möglich, das Fahrzeug zum optimalen Zeitpunkt zu laden. Es gibt auch Komplettsysteme aus Photovoltaik-Anlage, Stromspeicher, Wallbox und Energiemanagementsystem. Bei der Planung ist laut Experten wichtig, dass der benötigte Strom für ein oder mehrere Elektroautos berücksichtigt wird – daran sollte unter anderem bei der Größe der Module und des Stromspeichers gedacht werden. Möglich ist zudem die nachträgliche Aufrüstung bestehender Anlagen mit einem Stromspeicher.

Sollte man mit einer Investition lieber warten, bis die Nutzung sauberer Energie für das eigene Elektroauto einfacher und günstiger wird? Keineswegs, meinen die Experten. Zudem gibt es attraktive Förderungen, nicht nur für Elektroautos, sondern auch für Photovoltaikanlagen und Wandladeboxen. Außerdem schreitet die Infrastruktur für Laden im öffentlichen Raum eher langsam voran, wie Erich Groiss, technischer Koordinator des Arbö, anmerkt. „Mit dem Tempo, mit dem die Elektromobilität voranschreitet, kann das Tempo des Ausbaus der Infrastruktur derzeit nicht mithalten.“ Ein Problem sind derzeit etwa unterschiedliche Abrechnungsmodelle, die noch dazu wenig transparent sind; außerdem können an vielen Ladepunkten derzeit nur ein oder zwei Autos gleichzeitig aufgeladen werden. Das Laden daheim sei jedenfalls möglich, zumal privater Strom in Österreich günstig ist.

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