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Advertorial
10/16/2021

Lebensmittelverschwendung: Das kann dagegen getan werden

Unser Umgang mit Lebensmitteln hat Einfluss auf den Klimawandel – in vielen Bereichen ist nun ein Umdenken gefordert.

von Robert Prazak

Die Banane hat braune Flecken, das Joghurt ist gestern abgelaufen, von der Familienpackung Rindfleisch bleibt etwas übrig – und schon landet Essen im Müll. Lebensmittel erfüllen aus unterschiedlichen Gründen oft nicht ihren eigentlichen Zweck. „Ein Drittel aller Lebensmittel werden entlang der Wertschöpfungskette entsorgt und landen daher nicht am Teller“, sagt Teresa Bauer, Expertin des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Das ist nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sondern wirkt sich auch auf das Klima aus, denn dadurch werden Ressourcen wie Wasser, Energie und Flächen vergeudet. Rund ein Fünftel der Treibhausgase in Österreich ist auf den Bereich der Ernährung zurückzuführen.

2,5 Milliarden Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll, schätzen Umweltorganisationen.

Woran liegt diese Verschwendung? Man denkt in erster Linie an weggeworfene Lebensmittel im Handel und in Privathaushalten, doch schon in der Produktion und in vielen weiteren Bereichen wie in der Gastronomie und der Gemeinschaftsverpflegung kommt es zu vermeidbarer Verschwendung im großen Ausmaß. Schätzungen der Umweltorganisation WWF zufolge sind etwa Verluste in der Landwirtschaft für rund vier Prozent der menschengemachten Emissionen verantwortlich. Insgesamt ist die Verringerung der Nahrungsmittelverschwendung sowohl im Handel und in Haushalten als auch entlang der Produktions- und Lieferketten ein konkretes Ziel der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, kurz SDG). 

Wo kann die Verschwendung vermieden werden? „Es gibt viele Faktoren, weil viele unterschiedliche Player involviert sind, es müsste in allen Bereichen etwas getan werden“, sagt Bauer. Seitens des Handels müsste man sich etwa die ästhetischen Qualitätsanforderungen bei Obst und Gemüse ansehen. Tatsächlich werden im Handel oft noch strengere Kriterien festgelegt, als die EU-Politik vorsieht: Wenn der Apfel nicht makellos strahlt, wird er gleich mal aussortiert. Und auch in den Haushalten werden Lebensmittel, die noch essbar sind, oftmals weggeworfen. Es liegt aber auch an der Einstellung gegenüber Lebensmitteln und Essen insgesamt, dass die Verschwendung achselzuckend hingenommen wird. Wir sind es heute eben gewohnt, dass Nahrung zu fast jeder Tages- und Nachtzeit zu günstigen Preisen verfügbar ist. „Die Wertschätzung von Lebensmitteln ist dadurch verloren gegangen“, meint Bauer. Wichtig wäre daher unter anderem mehr Bildung in diese Richtung in den Schulen, es brauche wieder einen stärkeren Bezug zu Lebensmitteln. „Es hat sich schon einiges getan, etwa Initiativen von Handelsketten oder Apps für die Vermeidung von Verschwendung.“

57 Prozent beträgt die Plastikquote bei Obst und Gemüse in Supermärkten, also der Anteil jener Produkte, die in Plastik verpackt sind – das zeigt eine Untersuchung des VKI, die im August durchgeführt wurde.

Und wie kann generell mehr Bewusstsein dafür geschaffen werden? Es brauche sowohl individuelle Bewusstseinsbildung für nachhaltigen Konsum als auch gesetzliche Rahmenbedingungen und Regulierungen, meint Markus Bürger vom Rat für Nachhaltige Entwicklung: „Etwa solche, die es verbieten, dass Waren, die in Ordnung sind, auf herkömmlichen Wegen entsorgt werden.“ Er erwähnt in diesem Zusammenhang die Allianz für Entwicklung und Klima in Österreich, die sich neben Klimaneutralität und nachhaltiger Lieferketten unter anderem mit Fragen der Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion auseinandersetzt.

70 Prozent der Österreicher wären bereit, sich nachhaltiger zu ernähren – das scheitert aber unter anderem an der fehlenden Kennzeichnung nachhaltiger Lebensmittel.

Ein weiterer Aspekt bei der Bereitstellung gesunder und nachhaltig erzeugter Lebensmittel ist die soziale Gerechtigkeit: Menschen mit geringen Einkommen können sich gesunde Lebensmittel oftmals nicht leisten. „Ernährung ist ein Grundbedürfnis beziehungsweise ein Grundrecht des Menschen und ein wichtiger Baustein sozialer und gesellschaftlicher Gerechtigkeit“, meint dazu Ramona Kordesch vom erwähnten Rat für Nachhaltige Entwicklung. Allerdings seien gesunde und nährstoffreiche Lebensmittel der traditionellen Lebensmittelindustrie noch immer zu teuer, als dass sie für die Masse der Geringverdienenden erschwinglich wären. „Die Stärkung der regionalen Produktion, der Wochenmärkte und des Ab-Hof-Verkaufs kann eine Alternative sein.“ Aber auch Eigeninitiative ist gefragt. Neue Wege des Anbaus wie die Güterteilung bei landwirtschaftlichen Flächen oder der Trend zum Food-Sharing sind laut der Expertin wichtige Alternativen.

  • Es beginnt bei der Einkaufsliste: Was brauche ich wirklich und wie viel?
  • Beim Einkauf nicht von Lockangeboten verleiten lassen – und niemals mit leerem Magen einkaufen gehen.
  • Wichtig ist die richtige Lagerung, unter anderem im Kühlschrank: So sollen Obst- und Gemüsesorten, die Reifegase abgeben, getrennt von anderen aufbewahrt werden. Dazu zählen etwa Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Tomaten.
  • Die ältesten Lebensmittel daheim zuerst essen und auch nach diesem Prinzip lagern.
  • „Zu Hause landen viele Lebensmittel im Müll, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch interpretiert wird“, sagt VKI-Expertin Teresa Bauer. Die meisten Lebensmittel sind auch danach noch genießbar. Aufpassen heißt es indes bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Frischfleisch oder Fisch – diese nur bis zum Verbrauchsdatum („Zu verbrauchen bis“) verwenden.
  • Reste können zu Speisen verarbeitet oder etwa verschenkt werden. Und wenn im Restaurant etwas übrig bleibt, kann dies mitgenommen werden.
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