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Was ist regenerative Landwirtschaft?

Darunter versteht man einen neuen Zugang zur Bodenbearbeitung, bei dem das Bodenleben berücksichtigt und einbezogen wird.

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von Robert Prazak

Im Vordergrund steht die Anreicherung des Bodens mit Humus, das ist die organische Bodensubstanz (organisch gebundener Kohlenstoff) – diese versorgt Pflanzen mit den nötigen Nährstoffen. So wie der menschliche Darm von der Gesundheit des Mikrobioms abhängt – also von der Gesamtheit der Bakterien – benötigt auch ein gesunder Boden solche Organismen. 

2,4 Milliarden Euro betrug der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Österreich im Jahr 2020 – ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2019.

Das Prinzip der regenerativen Landwirtschaft kommt ursprünglich aus den USA und wurde vor rund fünf Jahren unter anderem von Dietmar Näser nach Europa gebracht. Regenerativ erzeugte Lebensmittel sollen nährstoffreicher und somit gesünder sein, außerdem werden die Böden durch den Humus besser, die Biodiversität wird erhöht. Dauerhafte Begrünung und eine geringere Intensität der Bearbeitung – wozu herkömmliche Geräte meist weniger geeignet sind – sollen die Entwicklung des organischen Materials im Boden ermöglichen. Für die Landwirte selbst sind mehrere Schritte nötig, unter anderem Lockerung des Bodens sowie dauerhafte und vielfältige Begrünung. Angewendet wird zudem die sogenannte Flächenrotte, bei der eine Mischung unterschiedlicher Pflanzen angebaut und später zerkleinert wird; danach werden selbstvermehrte Bakterien aufgebraucht und es wird mit einer Bodenfräse gearbeitet. Die entstandene Grünmasse wird dünn mit Erde bedeckt, es kommt zur Fermentation.

23 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich arbeiten biologisch, sie bewirtschaften knapp 27 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche.

Immer mehr Landwirte interessieren sich für eine Umstellung. In Deutschland werden schätzungsweise rund 50.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche nach diesem Prinzip bearbeitet, für Österreich gibt es noch keine Zahlen. Denn die regenerative Landwirtschaft soll einerseits gesunde Lebensmittel hervorbringen, andererseits auch den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen – und die Bauern können damit verdienen. Denn wenn sie den Humusgehalt in ihren Ackern erhöhen, wird dadurch CO2 gebunden und es können entsprechende Zertifikate verkauft werden. Große Konzerne investieren bereits in entsprechende Projekte. Experten warnen Landwirte aber davor, nur wegen des Zertifikatehandels den Humusaufbau in Böden vorzutreiben – vielmehr sollte unter anderem die Erhöhung der Fruchtbarkeit im Vordergrund stehen. Bei Humuszertifikaten mangelt es zudem an Qualitätskriterien; ebenso gibt es für die regenerative Landwirtschaft noch keine Regeln. Das könnte sich mit steigender Popularität bzw. Nachfrage nach entsprechend erzeugten Lebensmitteln allerdings rasch ändern.

Bäume und Boden

Eine weitere Möglichkeit, in der Landwirtschaft etwas gegen den Klimawandel zu tun, sind Agroforste. Dabei werden Bäume und Sträucher auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gepflanzt – auf den ersten Blick ein Widerspruch, denn die herkömmliche Landwirtschaft will ja jeden Quadratmeter ausnutzen. Doch die Mischung von Pflanzen soll die Humusbildung verbessern und gegen Erosion schützen; außerdem könnten enorme Mengen an Treibhausgasemissionen eingespart werden. Noch fehlt es in Österreich aber an den rechtlichen Rahmenbedingungen und auch am breiten Verständnis, damit Agroforste wie in Frankreich vorangetrieben werden.