Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
06/02/2021

#brodnig: Achtung FOMO!

Auf sozialen Medien kann der Eindruck entstehen, wir hätten das Virus hinter uns gebracht. Nur ganz so weit sind wir nicht.

von Ingrid Brodnig


Ich denke, viele stecken gerade in einem Dilemma: Sie wollen einerseits auf ihre eigene Gesundheit achten und vermeiden, dass sie sich kurz vor ihrem Impftermin mit dem Coronavirus anstecken. Andererseits sehen sie ständig wunderschöne Bilder auf sozialen Medien. Facebook-Freunde sitzen an verregneten Tagen im Kaffeehaus und trinken genüsslich die Melange, manche posten sogar schon Bilder aus dem Urlaub. Solche Fotos und die freudigen Schilderungen lösen FOMO aus. Fear of Missing Out - also die Angst, etwas zu verpassen. Nach 15 Monaten Pandemie ist FOMO ein absolut nachvollziehbares Gefühl; tatsächlich konnte das gesellschaftliche und kulturelle Leben ja nur extrem begrenzt stattfinden. Auch scheinen sich einzelne Vertreter der Regierung derzeit übertrumpfen zu wollen, wer schneller weitere Lockerungen ankündigt. Die FOMO scheint auch die Politik erfasst zu haben.

Ich bin da etwas skeptischer. Viele hatten noch keine Impfung oder nur die erste Impfdosis - von einem starken Schutz ist man also noch entfernt. Die Gefahr ist, durch die Sehnsucht nach Normalität die nach wie vor sinnvollen Mittel zur Eindämmung des Virus, wie die FFP2-Maske oder Abstandhalten, zu vernachlässigen. Speziell viele Jüngere sind noch nicht oder nicht vollständig geimpft. Da erscheint mir das weitere Abrücken oder Hinterfragen von Sicherheitsauflagen nicht gerade fair gegenüber jenen, die keine oder nur wenige Antikörper gegen das Virus haben. Das mag auf Facebook weniger Likes kriegen, es mag auch politisch wenig populär sein, aber ich persönlich glaube: Wir haben auf ziemlich viel inmitten dieser Krise verzichtet, natürlich wollen alle in die Normalität zurück - aber auf den hoffentlich letzten Metern des Weges durch die Pandemie erscheint mir FOMO ein riskanter Berater.

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