Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
11/12/2020

#brodnig: Danke, Frau Spera!

Wieso es gut ist, wenn Prominente ernsthaft über das Coronavirus sprechen.

von Ingrid Brodnig

Neulich teilten einige meiner Facebook-Freunde einen Text: Danielle Spera, die Direktorin des jüdischen Museums und frühere "Zeit im Bild"-Moderatorin, erzählte über ihre Infektion mit dem Virus. Sie hatte vier Tage hohes Fieber und Schmerzen. Womit sie vor allem nicht gerechnet hatte: Sechs Wochen nach der eigentlichen Erkrankung musste sie wegen hohem Fieber, Lungenschmerzen und Atemnot ins Krankenhaus. Das erzählte sie dem Magazin "News" und sagte: "Bitte tun Sie alles, um diese Krankheit zu vermeiden."

Was ich an Speras Beitrag sehr gut finde: Sie spricht Spätfolgen des Virus an, die oft ausgeblendet werden. Und sie nutzt ihre Prominenz, um klarzumachen, dass man diese Krankheit ernstnehmen sollte.

Berühmtheiten wird besonderes Gehör in der Öffentlichkeit geschenkt, das sehe ich durchaus ambivalent : In einer perfekten Welt würden wir womöglich mehr den wissenschaftlichen Experten und weniger den Promis zuhören. Hinzu kommt, dass Stars oft zu Themengebieten gefragt werden, auf denen sie absolut keine Expertise, nicht einmal persönliche Erfahrung haben. Der Mehrwert solcher Interviews lässt sich hinterfragen. Und wirklich schlimm wird es, wenn Einzelne sogar ins Reich der Verschwörungsmythen abdriften und das lautstark kommunizieren. Ich denke da etwa an den Sänger Xavier Naidoo, den veganen Kochbuchautor Attila Hildmann oder den Schlagersänger Michael Wendler. Solche Ausreißer werden in der verschwörungsgläubigen Szene als Helden gefeiert - sie beflügeln diese Szene auch noch.

Man muss also sagen: Nicht jede bekannte Person geht mit ihrer Reichweite verantwortungsvoll um. Da schätze ich Personen wie Spera oder auch Moderatorin, Autorin und Schauspielerin Chris Lohner, die in einem ernsten Tonfall über das Coronavirus sprechen. Lohner zeigte auf Facebook Verständnis, dass Jüngere unter dem Lockdown leiden, dass zum Jungsein Ausgehen und Feiern gehören, aber sie bat Jüngere um Hilfe: "Haltet durch und feiert dann wieder, was das Zeug hält, wenn wir Corona im Griff haben." Wir leben offensichtlich in einer Welt, in der Prominente eine besondere Strahlkraft haben: Da bin ich zumindest froh über jene von ihnen, die als Leuchttürme der Vernunft - und nicht als verschwörungsaffine Krawallmacher - auftreten.

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