Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
07/07/2021

#brodnig: Zielscheibe Frau

Gerade auch im Internet sieht man: So gleichgestellt, wie oft suggeriert wird, sind wir Frauen längst nicht.

von Ingrid Brodnig

Wir sind häufig zu optimistisch, was die Gleichstellung von Frauen betrifft. Sicher: In großen Teilen der EU leben wir aus frauenpolitischer Sicht historisch gesehen in einer sehr guten Zeit. Feministinnen haben Rechte und Sicherheiten erkämpft – das reicht vom Wahlrecht bis zum Umstand, dass eine Frau nicht mehr ihren Ehemann um Erlaubnis fragen muss, ob sie arbeiten gehen darf.

Inzwischen machen Politikerinnen zwar nicht die Hälfte des Nationalrats aus, aber immerhin rund 40 Prozent (bei der FPÖ sind es 17 Prozent, bei den Grünen 58 Prozent Frauenanteil). Es gibt aber zwei Probleme: Selbst wenn Frauen an Sichtbarkeit und Bedeutung gewinnen, bedeutet das nicht, dass damit jeglicher Sexismus verschwindet. Gerade sichtbare, einflussreiche Frauen müssen damit rechnen, ein Feindbild zu sein. Zweitens ist es auch möglich, dass erkämpfte Rechte wieder zurückgefahren werden – wie in Polen: Anfang dieses Jahres trat dort ein Gesetz in Kraft, das Schwangerschaftsabbrüche in nahezu allen Fällen strafbar macht.

Es ist kein Naturgesetz, dass sich feministische Anliegen immer durchsetzen. Im Gegenteil: Es besteht immer auch die Gefahr eines Backlashs. Gemeinsam mit dem Thinktank Momentum Institut habe ich eine Umfrage unter weiblichen Nationalratsabgeordneten durchgeführt, 30 Prozent von ihnen nahmen teil. Wir sahen: Fast drei von vier der befragten Politikerinnen gaben an, dass sie „sexualisierten/frauenfeindlichen Hass“ erlebt haben  – vorrangig im Internet. Sie erhielten Nachrichten mit Worten wie „Schlampe“, „Hure“, „hysterisch“, mit sehr expliziten obszönen Botschaften oder gar Vergewaltigungsdrohungen. Und jede vierte Befragte gab an, dass sie „bestimmte Äußerungen schon mal nicht
öffentlich getätigt“ hat, weil sie ahnte, „dass entsprechende Reaktionen/Drohungen kommen“.

Es ist ein Alarmsignal, wenn selbst  Frauen in der Spitzenpolitik überlegen, ob sie sich in manchen Debatten überhaupt zu Wort melden, weil unter Umständen gehässige Wortmeldungen fallen. Gerade dieser sexistische Ton, den Frauen online erleben, birgt die Gefahr eines gesellschaftlichen Rückschritts: dass wir zwar die Sichtbarkeit von Frauen über Jahrzehnte hinweg erkämpft haben, aber jetzt ein Teil davon wieder mit purer Aggression und Sexismus zurückgedrängt wird.

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