Cheers to the Queen: Auf ein Bier mit den Monarchisten

DIe Autorin mit Dennis Muriu, Nick Startup und Martin Stuart in "The Queen’s Larder“

DIe Autorin mit Dennis Muriu, Nick Startup und Martin Stuart in "The Queen’s Larder“

Was die Untertanen in Londoner Pubs über ihre Monarchin denken.

In der Speisekammer der Königin stehen drei Herren und gönnen sich erst mal einen Schluck Bier. Dann wenden sie sich ernsten Angelegenheiten zu: dem 90. Geburtstag von Königin Elizabeth II. am 21. April. "Sie hat einen fabelhaften Job gemacht!“, meint Nick Startup so stolz, als hätte er etwas dazu beigetragen. Der 71-jährige Stuart Martin kann dem nur zustimmen: "Vor allem, wenn man bedenkt, dass alle zwölf Premierminister, die sie in ihrer Regentschaft beraten hat, Nichtsnutze waren.“

Die drei Untertanen stehen natürlich nicht in der echten Speisekammer der Königin, sondern im Pub gleichen Namens. "The Queen’s Larder“ gibt es seit über 200 Jahren am Königinnen-Platz im Londoner Stadtteil Bloomsbury. Das gemütliche Pub bekam seinen Namen unter Queen Charlotte, die hier angeblich für ihren Gemahl George III. Speisen und Medikamente einlagerte. Denn George III. war geistig nicht ganz auf der Höhe und seine Charlotte von Mecklenburg versuchte, ihn mithilfe deutschen Medizinwissens zu behandeln. Einst nannten die Engländer ihre Pubs nach Monarchen, um ihre Loyalität auszudrücken. Bis heute gibt es viele, die die Queen im Namen haben. profil hat sich an die Theken gestellt, um mit ihren Subjekten über Königin Elizabeth II. zu sprechen.

"Kate hat nicht die gleiche Klasse"

Stuart Martin war zwar nie in der echten königlichen Speisekammer, aber doch einmal bei der berühmten Gartenparty der Königin. Tausende Würdenträger dürfen einmal im Leben im Garten des Buckingham-Palastes Tee und Gurken-Sandwiches von königlichen Gnaden kosten. Die Queen zieht dabei wacker mit ihrer Entourage über die Kieswege. "Das fand ich schon sehr schön“, meint Herr Martin, der früher Elektrotechnik an der Universität in Leeds unterrichtet hat. The Queen, wie sie vom Volk schlicht genannt wird, steht für ihn über allen. Wenn er es sich aussuchen könnte, ob er mit der alten Dame, die seit 65 Jahren regiert, oder mit Prinzessin Catherine von Cambridge, der hübschen Frau von Prinz William, dinieren möchte, wen würde er wählen? "Das ist doch keine Frage, mit der Queen natürlich“, schnaubt der grauhaarige Monarchist: "Kate stammt aus der Mittelschicht, die hat nicht die gleiche Klasse.“

Gleich neben dem Regent’s Park, in dem einst die Royals Füchse jagten, steht immer noch das dazugehörige Jagdhaus. Heute ist die Gegend längst Londoner Innenstadt, aus der Labstelle für erschöpfte Aristokraten des 16. Jahrhunderts ist ein Gastro-Pub namens "Queen’s Head & Artichoke“ geworden. Die monarchistische Begeisterung hält sich hier in Grenzen. "Ich bin das Kind von Einwanderern“, sagt Gerard Brett, "mir ist der Geburtstag der Königin wirklich egal.“ Der 36-jährige IT-Berater findet es fragwürdig, dass jemand das Recht für sich in Anspruch nimmt, als königliche Hoheit behandelt zu werden: "Auf was hinauf? Blutsrecht?“ Sein Kumpel Vic de la Flor glaubt, dass die Briten nur deshalb schon so lange an den Royals festhalten, weil "die Monarchie sie an eine Zeit erinnert, in der das Vereinigte Königreich groß und mächtig war“. Heute aber, zuckt er mit den Schultern, "sind die Royals doch nur noch der Schatten einer Ära“.

"Mischung aus Pragmatismus und Trägheit"

Allerdings einer, der zur britischen Gegenwart gehört wie das Pint im Pub nach Dienstschluss. Die Mehrheit der Briten liebt die Queen und will die Monarchie keinesfalls abschaffen. "Warum das so ist?“, sinniert Marketingexperte Philipp am trendy Tresen von "Queen’s Head & Artichoke“: "Es ist eine Mischung aus Pragmatismus und Trägheit, unterfüttert mit der Tatsache, dass die britischen Royals zur Zeit auch nicht durch Grässlichkeit auffallen.“

Selbst bei den Ausländern im Pub kommt da schon fast so etwas wie Neid auf. "In Frankreich haben wir keine Königin und keine Religion. Darauf waren wir immer stolz“, überlegt Clemence Guibert. Sie ist aus Marseille nach London gekommen und arbeitet im hippen Ostlondoner Islington als Kellnerin in einem Pub namens "The Old Queen’s Head“. "Die Franzosen aber sind extrem intolerant geworden, die Stimmung ist so schlecht bei uns“, seufzt die 20-jährige Studentin und zündet sich eine Zigarette an. Das darf man auch im englischen Pub nur noch draußen vor der Tür. "Hier kommen mir die Leute viel höflicher und toleranter vor. Ich weiß nicht, ob das an der Queen liegt, aber vielleicht hat sie einen guten Einfluss auf ihre Untertanen.“