Königin der Macht: Helga Rabl-Stadler 

Helga Rabl-Stadler 2018 bei der Eröffnung vor versammelter Polit-Prominenz

© APA/FRANZ NEUMAYR/LEO

Gesellschaft
08/21/2021

Ein 17-Stunden Arbeitstag mit Helga Rabl-Stadler

Die scheidende Präsidentin zog 26 Jahre lang die Fäden der Salzburger Festspiele. [E-Paper]

von Angelika Hager

Es ist 8.30 Uhr und ihr Schlafdefizit gut getarnt. „Gabi, bitte heute die schnelle Tour, ja?“ – „Machen wir!“ Die schnelle Tour beinhaltet Waschen und Föhnen. Heute keine große Oper für die Frisur.

Die Beziehung zwischen der Präsidentin und der Friseuse ihres Herzens Gabriele Ehrenreiter geht bereits ins bewegte 42. Jahr: „Ich hab die Gabi schon gekannt, als sie noch Lehrling war.“ „Die Gabi“ schultert dankenswerterweise auch zu den unmöglichsten Zeiten die Rundbürste. Der kleine Frisiersalon Sturmayr am Rudolfskai ist unprätentiös und kein Catwalk für die Festival-Schickeria. Genau deswegen schätzt die Präsidentin den Laden, hier hat sie für 20 Minuten ein Rückzugs-efugium, ehe sie sich in den Terminirrsinn eines ganz normalen Festspieltags stürzt. Während des Föhnens wird telefoniert, schnell ein doppelter Espresso gekippt. Sätze wie „Bitte wir brauchen für die Russen Stehtische! Und auf jeden Fall kommunizieren: Es ist nur ein Empfang und keine Dernière“ oder „Wir müssen es bitte der Frau X mit entsprechender Liebe formulieren“ fallen. Der Umgang mit den Mitarbeiterinnen – nahezu durchgängig weiblich – des Präsidentinnenstabs zeichnet sich durch Augenhöhe und Respekt aus: „Ich bin eine, die durchaus auch Widerspruch duldet.“ Während des Rundbürsteneinsatzes wird am iPhone gewischt, Mails werden gescannt, ein wenig die Augen gen Himmel gekurbelt: „Manche Menschen glauben tatsächlich, ich müsse diese unendliche Leere in meinem Leben auch noch damit ausfüllen, dass ich für sie Kartenbüro spiele.“

„Die Helga hat einen unglaublichen Humor, der hat uns sofort verbunden“, erzählt Bettina Hering, seit fünf Jahren Schauspielchefin der Salzburger Festspiele. „Als sie und Markus Hinterhäuser mich zu einem ersten Beschnupperungsgespräch in ein Wiener Café luden, hat sie mir nahezu als ersten Satz gesagt: ‚Gell, Sie sind auch keine Dirndl-Trägerin?‘ Das war fast eine Art Ritterschlag.“ 

„Lachen ist für mich wie Urlaub“, sagt die Präsidentin. Der Tag, den wir miteinander verbringen, wird gegen halb zwei Uhr nachts enden. Vor dem Friseurbesuch hat sie noch schnell einen Arzttermin eingeschoben. Der Rücken macht ihr dieser Tage doch zu schaffen. Ihre gut getarnten Schmerzen domptiert sie gleich einer Feldmarschallin mit eiserner Disziplin, kein Satz der Klage fällt. Nur ein Mal, als sie zwischen der Audienz beim Maestro („Ich bin Mutilogin, denn unser Maestro Muti möchte vor jeder Probe persönlich begrüßt werden. Dafür bekam ich dann auch ein Keks!“) und einer Lagebesprechung mit dem Team ihr Büro kurz verlässt, ermahnt sie sich selbst mit dem Satz: „Nicht humpeln, Rabl!“ 

Lesen Sie jetzt weiter:

Die ganze Geschichte finden Sie in der profil-Ausgabe 34/2021 - hier als E-Paper.

Sie haben noch kein Abo? Testen Sie profil 4 Wochen kostenlos.

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.