Hanf im Glück: Das legale Milliardengeschäft mit Cannabis

Hanf im Glück: Das legale Milliardengeschäft mit Cannabis

In den Grauzonen des Suchtmittelgesetzes blüht der Handel mit Cannabis. Marihuana ist ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor - auch in Österreich. Schon bringt sich die heimische Szene für das Milliardengeschäft in Stellung.

Vor Toni Straka steht die Zukunft des Cannabis. Leider kann man sie noch nicht sehen; Straka hat sie trotzdem schon sehr genau vor Augen. Sie wird auf einem Betriebsgelände am Südrand von Wien stattfinden, wo die Laufhäuser stehen und die 24-Stunden-Hundewaschsalons. Die Halle gehörte früher einem Heizungshersteller. Acht Meter hoch, 1200 Quadratmeter Grundfläche, deckenhohe Schwerlastregale, leer und voller Hoffnung. "Das wird die größte Grasfabrik in Österreich", schwärmt Straka: "Dann reden wir nicht mehr von Kilos. Wir reden von Tonnen. Anbau im industriellen Maßstab. Großhandel!"

Toni Straka spricht schnell und assoziiert ein wenig sprunghaft, aber das ist verständlich. Es geht um alles und dabei immer auch um tausend Details: Suchtmittelgesetzesparagrafen, Biomasse und Nachhaltigkeit, Steuereinnahmen, die Pharmalobby, das Image, die Angst der Politiker und die interessante Frage, wie sich eine Branche gerade neu erfindet. Mit seinem dichten grauen Haar und dem markanten Kinn ginge Straka als Rainhard-Fendrich-Double durch, wenn das Hanfblatt am T-Shirt nicht wäre und der Verdampfer an der Halskette. Straka hat ein Bilderbuch-Hanfleben hinter sich: früh zu kiffen begonnen, als junger Erwachsener nach Indien, Haschisch als uralte Kulturpflanze und spirituelles Heilmittel kennengelernt; später selbst im Importgeschäft aktiv, einschlägige Vorstrafe, zwei Jahre bedingt; schließlich in eine tragfähige Gesetzeslücke eingestiegen, seither im Jungpflanzenbusiness. Nebenbei Hanf-Aktivismus, Medienarbeit, Flyer drucken, Bürgerbegehren einbringen, lästig sein.

Und jetzt: das Millionengeschäft.

"Im legalen Handel ist viel mehr zu holen als im illegalen"

Straka sucht noch nach einem Investor, der ihm seinen Großgrasanbau in der ehemaligen Heizungsfabrik finanziert - ein siebenstelliges Engagement wäre gefragt. Er könne sich seine Geldgeber mittlerweile in Ruhe aussuchen, sagt er. Straka fantasiert nicht. Das Marihuana-Business blüht tatsächlich. "In der Branche werden Renditen nicht in Prozenten, sondern in Vielfachen gemessen. Im legalen Handel ist viel mehr zu holen als im illegalen."

Cannabis ist erwachsen geworden und genau genommen eigentlich noch immer nicht legal - zumindest nicht in Österreich, wo man es aber nicht immer ganz genau nimmt. Das eröffnet unternehmerische Möglichkeiten. Zwischen den Zeilen des Suchtmittelgesetzes tun sich Marktlücken auf. Heute verstecken sich die Hanfhändler nicht mehr hinter Bob-Marley-Postern und Schirmkappen. Sie produzieren Lifestyle-Produkte in elegantem Design und mit zeitgeistiger Kundenansprache. Sie bieten Müslis an, Power-Riegel, Nahrungsergänzungsmittel, Fruchteissorten, Gesundheitstropfen und (halbwegs) legale Rauchwaren. Ihre Coffeeshops schauen aus wie Nespresso-Boutiquen. Sie sind keine Aktivisten mehr, sondern mittelständische Unternehmer.

Alexander Kristen zum Beispiel, CEO des Zierpflanzenproduzenten Flowery Field. Vor 13 Jahren begann Kristen, studierter Jurist, ehemaliger Spitzen-Volleyballer, mit einem Souterrainladen im 7. Wiener Bezirk und viel rechtlichem Ärger. Heute verkauft er in sechs Filialen in ganz Österreich wöchentlich 25.000 Stecklinge. Seine Cannabis-Jungpflanzen, die schillernde Sortenbezeichnungen wie "Pot of God", "Real Killer Skunk" oder "SuperSourDieselHaze" tragen, kosten knapp zehn Euro pro Stück.

Cannabis: Haben Sie schon mal einen Joint geraucht?

Die meisten von Kristens Stecklingen wachsen in Lagerhallen im Industriegebiet von Brunn am Gebirge, südlich der Wiener Stadtgrenze. Hanf ist ein Stadtrandphänomen. Kristen führt durch seinen Verkaufsladen, in dem auch Anzuchterde, Dünger und vollausgestattete Grow-Boxen erhältlich sind: kleine Zelte, in denen Cannabispflanzen unter kontrollierten Bedingungen in jeder beliebigen Umgebung aufgezogen werden können, selbst auf Dachböden oder in Kellerabteilen. Kristens Geschäftsmodell ist, laut einem Beschluss des Oberlandesgerichts Wien vom Dezember 2014, juristisch einwandfrei. Kristen darf aber keine Beratung zur Suchtmittelgewinnung abgeben. Er muss davon ausgehen, dass seine Kunden die Jungpflanzen nicht zur Marihuanaproduktion erwerben - wofür sonst, muss ihn nicht interessieren. Die hochgerüsteten Zuchtzelte dienen übrigens dazu, die Pflanzen durch künstliches Licht vom Blühen abzuhalten. Eine Hanfpflanze blüht erst, wenn die Tage kürzer werden. Und erst wenn eine Hanfpflanze blüht und die Blüte vom Stamm getrennt wird, wird sie illegal. Denn nur die Blüte taugt als Rauschmittel. Kristen verkauft kein Rauchzubehör, kein Zigarettenpapier, keine Grasmühlen, keine Bongs. "Das hier ist eine Gärtnerei mit Fachgebiet Cannabis", sagt Kristen. Wer im Cannabisgeschäft unterwegs ist, muss laut Gesetz um den heißen Brei herumreden.

Komplizierte Rechtslage

Laut Paragraf 27 Suchtmittelgesetz (SMG) macht sich strafbar, "wer vorschriftswidrig 1. Suchtgift erwirbt, besitzt, erzeugt, befördert, einführt, ausführt oder einem anderen anbietet, überlässt oder verschafft. 2. Opiummohn, den Kokastrauch oder die Cannabispflanze zum Zweck der Suchtgiftgewinnung anbaut (…)". In Kifferkreisen kann man ausgiebig darüber debattieren, wie sich ein Konsum - der ja nicht ausdrücklich verboten ist - durchziehen ließe, ohne gleichzeitig zu erwerben, besitzen, erzeugen etc. und unter welchen Umständen der Anbau einer Cannabispflanze der Suchtgiftgewinnung dient und bis zu welchem Punkt genau man noch von straflosem Zierpflanzenbeschau sprechen könnte.

Juristische Fachkenntnis kann die Lage leider noch weiter komplizieren. Es gibt nämlich auch im SMG ausreichend auslegungsbedürftige Ausnahmeregelungen sowie eine regelmäßig adaptierte Suchtgiftverordnung (SV), in der das Gesetz alltagstauglich gemacht wird. In Bezug auf Cannabis ist das SMG ein Gesetz, das dann am besten funktioniert, wenn möglichst viele Leute möglichst intensiv ignorieren, was jeder von ihnen weiß, nämlich dass sich kaum jemand an dieses Gesetz hält.

"Absurd" findet das auch Andreas Troger, der wohl mit einiger Sicherheit weiß, dass Hanfstecklinge in Österreich nicht nur zu Zierzwecken gekauft werden, auch wenn er es von Berufs wegen nicht wissen darf. Bundesweit werden über 250.000 Stück im Monat verkauft. Troger, Geschäftsführer der auf Stecklingsverkauf und Hanfspezialitäten (Müsli, Tee, Kekse, Pesto) spezialisierten Firma Hanfgarten und Teilhaber des deutschen Medizinal-Cannabis-Unternehmens Cannamedical, trägt im Alltag Jeans und weites T-Shirt, zu Geschäftsterminen Anzug und Krawatte. Er gehört zur neueren Generation der Cannabis-Unternehmer: schickes Design, hippe Kundenansprache, unverschämte Offenheit, gutes Produkt, gutes Geschäft. Troger missioniert nicht, er verkauft. "Am Anfang stand schon auch ein Stück Aktivismus. Man hat gesehen, welcher Bullshit über Cannabis medial verbreitet wurde - ich sage nur: Haschischspritzen. Das hat eine gewisse Trotzreaktion ausgelöst. Aber es gab sehr wohl auch den unternehmerischen Reiz. Es war abzusehen, dass sich das Geschäft gut entwickeln würde."

Als Geschäftspartner für kanadische und holländische Großproduzenten vertreibt Troger Gras in großem Stil nach Deutschland. Im März wurde dort die Abgabe von Marihuana in Apotheken liberalisiert. Seither können Cannabisblüten von deutschen Ärzten verschrieben werden. In Kanada ist Medizinalhanf schon seit 2001 zugänglich, 2018 wird die Droge dort auch für den Freizeitgebrauch legalisiert (mit strengen Jugendschutzbestimmungen). Das hat Cannabis zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor gemacht. Troger: "Die großen kanadischen Produzenten sind börsennotierte Unternehmen, die mit vielen Hundert Millionen Euro bewertet sind. Und natürlich ist Europa für sie ein Hoffnungsmarkt. Die Big Player sind schon längst in Deutschland aktiv."

Lizenzvergabeverfahren läuft

Noch wird der Bedarf dort per Import von der Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gedeckt; ab 2019 soll nach Möglichkeit nur noch deutsches Gras zum Einsatz kommen. Derzeit läuft ein Lizenzvergabeverfahren der zu diesem Zweck gegründeten Cannabis-Agentur; dass sich die Großkonzerne aus Nordamerika die wesentlichen Stücke vom deutschen Haschkuchen untereinander aufteilen werden, gilt in der Szene als ausgemachte Sache. Insgesamt geht es laut Ausschreibung um eine Liefermenge von zwei Tonnen pro Jahr, was nach viel klingt, aber nicht nur von Andreas Troger als "Witz" gehandelt wird. Bei einer laut Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) möglichen Höchstmenge von 100 Gramm pro Patient und Monat sind schon jetzt immer wieder Lieferengpässe zu verzeichnen, erzählt der Cannabis-Zwischenhändler aus Graz: "Das deutsche Betäubungsmittelgesetz ist leider nicht nur in dieser Hinsicht verbesserungswürdig."

Tatsächlich kam die deutsche Liberalisierungsgesetzgebung nach einem Höchstgerichtsurteil ein wenig überstürzt zustande. Rasch musste nach dem Präzedenzfall juristisches Neuland betreten und internationales Know-how gesammelt werden, unter anderem in einem der in Medizinalhanf-Fragen fortschrittlichsten Ländern Europas: Österreich.

Im Wiener Bezirk Donaustadt, wo der Blick sich weitet auf die Felder Niederösterreichs und wo die Straßen Blumennamen tragen, stehen, zwischen ausgedehnten Autoabstell- und Ackerflächen, vier Glashäuser mit nicht einsehbaren Seitenfenstern. Auf gut 2000 Quadratmetern wächst hier - streng nachhaltig, extrem naturnah, organic geradezu - das einzige zweifellos rechtmäßige Cannabis Österreichs. Angebaut wird es, wie der Paragraf 6a SMG vorsieht, von der bundeseigenen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), konkret von deren Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion, und zwar natürlich nicht zum Spaß, sondern "zwecks Gewinnung von Suchtgift für die Herstellung von Arzneimitteln sowie damit verbundene wissenschaftliche Zwecke".

Trotzdem ist das Staatsgras vor allem bei heimischen Kiffern mythenumwittert. Umso mehr bemühen sich Institutsleiter Bernhard Föger und sein Pressesprecher Roland Achatz um entspannte Transparenz. Seit sie im Fernsehen einmal als eine Art vollabgeriegeltes Fort Knox dargestellt wurden, lassen sie hin und wieder sogar Journalisten in ihre Produktionsanlagen. "Das sind Glashäuser auf dem Niveau von technischen Versuchslaboren", sagt Föger. Kein chemischer Pflanzenschutz, reine Nützlingswirtschaft, Tageslichteinsatz, 77 individuell und online ansteuerbare Pflanzeinheiten.

Peter Tosh - Legalize It

Spätestens seit der deutschen Legalisierungsbewegung ist Föger ein beliebter Ansprechpartner für Cannabis-Unternehmer aus aller Welt. "Es herrscht eine Goldgräberstimmung. Viele Glücksritter, aber auch seriöse Unternehmen bewegen sich in diesem Bereich. Wir sind von solchen und solchen um Kooperationen angefragt worden. Wir prüfen das noch, aber es muss für uns auch Sinn ergeben. Im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrags wäre eine Förderung von Wissenschaft und Forschung sinnvoll." Aktuell geht der Großteil des Wiener Grases an das pfälzische Pharmaunternehmen Bionorica, das damit den (auch in Österreich per Suchtgiftrezept verschriebenen) Wirkstoff Dronabinol herstellt, die pharmakologische Entsprechung des psychoaktiven Cannabinoids THC.

"It’s good for asthma", erklärte Peter Tosh 1976 in seiner Kifferhymne "Legalize It", außerdem "good for tuberculosis" und hilfreich gegen Grippe und Blutgerinnsel. Tosh war Reggae-Musiker, kein Arzt. Heute geht man davon aus, dass THC und der (nicht psychoaktive) Wirkstoff CBD Patienten mit Multipler Sklerose, Epilepsie, chronischen Schmerzen oder schwerer Übelkeit im Zuge einer Chemotherapie Linderung verschaffen kann. Die Forschungslage dazu ist nicht schlecht, aber auch nicht ganz eindeutig und bietet deshalb Anlass zu ausführlichen Debatten. Die "Süddeutsche Zeitung" fasste die Position der Befürworter so zusammen: "Nur ein Ganzkörperbad in der heiligen Quelle von Lourdes vermochte bis jetzt mehr." Hanf-Lobbyist Toni Straka drückt Interessenten auf Anfrage gern eine Liste mit 245 Krankheiten und Syndromen in die Hand, gegen die Cannabis wirke. Tatsächlich wird kein Mediziner die wohltätigen Effekte von Cannabis bestreiten, nur: wie genau, wogegen, für wen und warum, lässt sich noch nicht abschließend beantworten, weshalb die meisten Ärzte skeptisch bleiben.

Für Kurt Blaas, Allgemeinmediziner in Wien, gilt das nicht. Er setzt sich schon seit 1996 mit der medizinischen Wirkung von Cannabis auseinander, verschreibt es auch (in Form von Extrakten) und sagt: "Um den Hanf ist es gerade ganz wenig ruhig." Einschlägige Patientenbegehren wickelt Blaas inzwischen in Form von Massen-Informationsveranstaltungen ab. "Die kommen ja aus ganz Österreich. Irrsinn! Es kommt alles, von Polyneuropathien über Tourette, Multiple Sklerose, Kopfschmerz, Burn-out-Syndrom, Depression." Vieles davon ließe sich zumindest auf der Symptomebene gut mit Cannabisextrakten behandeln, aber natürlich müsse er immer wieder auch unrealistische Patientenwünsche abschmettern: "Viele versprechen sich prächtige Erfolge bei Tumorerkrankungen. Und es kommen immer mehr ältere Patienten mit fünf, sechs Diagnosen, die zehn Medikamente nehmen müssen, aber alles absetzen und durch Cannabispräparate ersetzen wollen. Die muss ich oft enttäuschen."

"Jede Aufklärungskampagne hilflos"

Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin an der Kepler-Uniklinik in Linz und Autor des Buches "Die Cannabis-Lüge", sieht nicht nur die falschen Hoffnungen kritisch, die an medizinisches Cannabis geknüpft werden. "Meine Befürchtung ist, dass Cannabis aus pseudomedizinischen Gründen legalisiert wird. Medizinisch kann mir kein Mensch erklären, warum ich Cannabisblüten in der Apotheke brauche. Uns stehen genügend Heilmittel mit synthetische Cannabinoiden zur Verfügung. Es widerspricht jeder sinnvollen Medizin, ein Medikament zu verabreichen, das nicht seriös dosiert werden kann. Die Wirkung der Pflanze hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab." Yazdi plädiert nicht für eine strengere Strafverfolgung von Gelegenheitskiffern, warnt aber vor einer Ausweitung der Zielgruppe: "Ich befürchte, dass damit die Verfügbarkeit explodiert und eine Marketingmaschinerie in Gang kommt, gegen die jede Aufklärungskampagne hilflos sein wird."

Diese Angst ist nicht unbegründet. Die Erfahrungen in den USA, wo Marihuana in acht Bundesstaaten inzwischen ganz legalisiert wurde (in 25 ist es als Heilmittel zugelassen), sind eindeutig. Das Marktforschungsinstitut Arcview beziffert den Gesamtmarkt in Nordamerika (inklusive Kanada) auf elf Milliarden Dollar im Jahr 2019 und 21,8 Milliarden im Jahr darauf. In Denver, Colorado, (Legalisierung 2014) ist der Kiffertourismus längst ein tragender Wirtschaftszweig. Es gibt "Cannabis Foodie Tours", Yogakurse mit Grasbegleitung, Rundreisen zu den schönsten Cannabis-Boutiquen, lizenzierte Kiffer-Taxis, Cannabis-Sommeliers, Reiseportale wie TravelTHC.com und Apps wie Leafly oder Weedmaps, die zu Marihuana-Sehenswürdigkeiten leiten. Lokale Zeitschriften beschäftigen Gras-Kritiker. Der "New York Times"-Reporter Alan Feuer wiederum machte sich in einer Reportage aus Denver echte Sorgen: "Was geschieht erst, wenn der vorpubertäre Cannabishandel plötzlich erwachsen wird? Wenn Philip Morris und Pfizer - die großen Jungs - hier ankommen und das Geschäft übernehmen?" Kann Werbung Millionen von neuen Kiffern erzeugen, so wie Werbung Millionen Filterkaffeetrinker zu Starbucks-Abhängern gemacht hat? Noch ist die US-Legalisierungsbewegung zu jung, um diese Frage eindeutig zu beantworten.

Für Österreich liegen die Fakten derweil am Tisch: Laut dem jüngsten Drogenbericht haben 20 bis 24 Prozent der Gesamtbevölkerung Konsumerfahrungen mit Cannabis. Allerdings konsumiert nur ein Bruchteil davon regelmäßig. In der Monatsprävalenz - also beim Konsum in den 30 Tagen vor der Erhebung - liegt der Wert zwischen drei und sechs Prozent, unter den 15- bis 24-Jährigen bei acht Prozent. Insgesamt wurden im Jahr 2015 etwa 2200 Personen wegen Cannabiskonsums von einer Suchthilfe-Einrichtung betreut, zugleich wurden 64 Spitalsbehandlungen wegen schädlichen Gebrauchs von Cannabis, 130 Fälle psychotischer Störungen durch Cannabinoide und 100 Fälle von Cannabisabhängigkeit gezählt. Insgesamt, so der Drogenbericht, "dürfte die Gruppe von Personen mit behandlungsrelevantem Cannabiskonsum nicht groß sein".

Anders formuliert: Cannabis ist im Alltag der breiten Bevölkerung angekommen. Auch das hat Peter Tosh vorausgesehen: "Doctors smoke it / Nurses smoke it / Judges smoke it / Even lawyers, too." Letztere haben gerade wieder viel zu tun. Es geht um einen Boom im Boom: Cannabidiol. Der zweite wichtige Wirkstoff im Cannabis fällt, da nicht psychoaktiv, nicht unter das Suchtmittelgesetz, die Pflanze, in der er vorkommt, allerdings schon, auch wenn ihr das THC weitgehend weggezüchtet wurde. Selbstverständlich gibt es dazu eine Ausnahmeregelung, die landwirtschaftliche Nutz- oder Faserhanferzeuger vor der Strafverfolgung schützen soll. In jüngster Zeit fühlen sich aber auch immer mehr Cannabis-Unternehmer, die CBD-Blüten anbieten, davon ausgenommen. Bekanntester Vertreter ist der Wiener Laden Magu, dessen Angebot im Frühjahr für mediale Aufmerksamkeit sorgte ("Legales Gras startet durch", titelte die "Krone", "Österreich" fand: "Mitten in Wien Cannabis legal!"), was das Gesundheitsministerium anregte, mit einer neu formulierten Suchtgiftverordnung klarzustellen, "dass die Ausnahmebestimmung weder die Verwertung der Blüten- und Fruchtstände zur Herstellung von Lebensmitteln, einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln, oder von kosmetischen Mitteln umfasst noch die Herstellung von Arzneimitteln".

Die Verordnung blieb koalitionsauflösungsbedingt in der Begutachtung stecken. Gesetz bleibt Gesetz. Und Geschäft bleibt Geschäft. Alles im grünen Bereich.