Männer fragen, Frauen antworten

„Kennt ihr eine Frau, die noch nie sexuell belästigt wurde?“

Frauen beantworten 65 Fragen von Männern. Geschlechter-Nachhilfe zum Internationalen Frauentag.

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Beim Reden kommen die Menschen zusammen, und wo sie zusammenkommen, da können sie einander auch verstehen. Oder es zumindest versuchen. Man sollte deshalb beim Miteinander-Reden nie auf das Einander-Zuhören vergessen, und genau darum soll es gehen: ums Fragen und Zuhören – und idealerweise auch ums Lernen.

Am 8. März wird der Internationale Frauentag begangen. Eingeführt wurde er schon im Jahr 1911, damals als sozialistischer Kampftag für die Emanzipation und Gleichberechtigung der Arbeiterinnen. In 29 Ländern – darunter Vietnam, Kasachstan, Burkina Faso und Deutschland (hier aber nur in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern) – handelt es sich um einen gesetzlichen Feiertag, in Österreich finden zu der Gelegenheit etliche größere und kleinere, öffentliche wie private Veranstaltungen statt, bei denen gewiss auch thematisiert wird, wie weit es mit der Gleichberechtigung in diesem Land eigentlich her ist, nämlich nicht ganz so weit, wie es wohl möglich wäre.

profil nimmt diesen Tag zum Anlass für ein Experiment: Männer fragen Frauen – und hören einfach nur zu. In diesem Sinn haben die Männer in der Redaktion im Kollektiv einen Fragenkatalog entworfen, den sie anschließend drei Frauen vorgelegt haben, die hier sozusagen stellvertretend antworten: Anna Thalhammer, Chefredakteurin des profil; Gesellschafts-Ressortleiterin und Autorin Angelika Hager; und die profil-Kolumnistin und Gründerin des Momentum Instituts Barbara Blaha. Es geht um den Stand des Feminismus im Jahr 2024, um Backlashes und gerechte Bezahlung, um Kinderbetreuung, Teilzeitfallen und politische Vorbilder, und immer wieder auch um Lebensrealitäten, von denen Männer nach wie vor zu wenig wissen.

1. Feiert ihr den Frauentag?

Hager: Widerwillig. Man fühlt sich dabei wie unter Artenschutz gestellt – und zwar ganz kurzfristig. Es gibt den Säbelzahntigertag, den Schnabeltiertag und den Frauentag. Und täglich grüßt das Murmeltier.

2. Was hindert Frauen daran, Karriere zu machen?

Blaha: Die Liste ist lang, sie lässt sich kurz zusammenfassen: Männer. Wir kennen die Gründe, warum Frauen im Berufsleben nicht weiterkommen: Sie machen immer noch den Großteil der unbezahlten Arbeit, sie sind mehrheitlich in deutlich schlechter bezahlten Branchen tätig. Und wir leben immer noch in einem Land, in dem sieben von zehn Kindern keinen Betreuungsplatz haben, der mit einem Vollzeitjob vereinbar ist.

3. Müssen Frauen fieser, egoistischer, rücksichtsloser, selbstbewusster sein, um im Beruf so weit zu kommen wie Männer?

Blaha: Sie müssen auf jeden Fall dreimal so viel arbeiten.

Hager: Aber Selbstbewusstsein ist in jedem Fall angezeigt, denn es ist klar, dass Frauen sich bei Lebensläufen oder Bewerbungen oft weit unter ihrem Wert verkaufen, während Männer Pfauenrad schlagend auch kleinste Erfolge riesengroß aufplustern.

4. Sind Frauen insgesamt zu zurückhaltend, wenn es darum geht, sich vorzudrängen, auf ein Podium zu setzen, einen Job zu übernehmen?

Blaha: Man bringt Frauen ein ganzes Leben lang bei, zurückhaltend zu sein, erklärt ihnen: Dräng dich nicht so vor, das ist unsympathisch, so sollst du nicht sein! Und dann heißt es: Kein Wunder, dass sie keine Karriere machen, wenn sie immer so zurückhaltend sind. Das ist perfide.

5. Kann man als Hausfrau und Mutter glücklich sein?

Thalhammer: Mit einer großen Erbschaft: ja.

6. Welche Strategien wenden Männer an, um Gleichstellung zu verhindern?

Thalhammer: Sie haben sehr gute Netzwerke, die auch weniger talentierte Männer nach oben tragen. Männer halten sich seit 2000 Jahren gegenseitig die Steigbügel.

Blaha: Ein wesentlicher Faktor ist aber auch: Männer brauchen keine große Strategie, sie müssen einfach gar nichts tun, um die Gleichstellung zu verhindern. Weil sich dann eben auch nichts ändert.

7. Haben sich Quoten bewährt?

Alle: Ja.

8. In welchen Bereichen sollten weitere verpflichtende Quoten eingeführt werden?

Blaha: Gegenfrage: In welchen Bereichen wollen wir keine Gleichstellung?