© APA - Austria Presse Agentur

Gesellschaft
07/22/2020

profil-Morgenpost: Schlachtstau und Nordfleisch

Guten Morgen!

von Franziska Dzugan

Es gibt Wörter, die mir den Schlaf rauben. „Schlachtstau“ ist so eines. Es bezeichnet jenen Zustand, in dem sich 400.000 Schweine in Deutschland derzeit befinden. Wegen der Corona-bedingten Sperre des riesigen Fleischkonzerns Tönnis herrscht noch mehr Gedränge in den ohnehin unsäglichen Tierfabriken, die das tägliche Schnitzel auf den Tisch bringen. Soll man den armen Geschöpfen nun wünschen, dass sie möglichst schnell in einen Lastwagen gepfercht und zur Schlachtbank geführt werden? Oder dass sie ihr düsteres Leben noch ein wenig weiterfristen dürfen, ohne freilich je die Sonne, einen Strohhalm oder eine ordentliche Suhle genossen zu haben?

„Ich mache alles – außer Fleisch“, diesen Satz bekomme er öfter zu hören, verriet ein Mitarbeiter des Arbeitsmarktservice kürzlich in profil. Edith Meinhart beschreibt die unwürdigen Bedingungen, unter denen Menschen in Österreichs Schlachthöfen schuften. Corona-Ausbrüche inklusive.

Dass ausgerechnet Kentucky Fried Chicken mir den Morgen retten würde, war freilich mehr als überraschend. Die berühmten Chicken Nuggets des US-amerikanischen Hendlbraters sollen künftig aus dem 3D-Drucker kommen – ohne je ein Huhn gesehen zu haben. Die Masse aus pflanzlichen Stoffen, Hühnerzellen aus dem Labor und Gewürzen schmeckt angeblich wie das tierische Pendant; ab Herbst gibt es Kostproben.

Fleisch war auch ein Thema zwischen dem deutschen Modemacher Karl Lagerfeld und dem auf nackte Frauenkörper spezialisierten Fotografen Helmut Newton. Bei einem Spaziergang auf der Hamburger Hafenmeile soll Newton von einem Firmenschild entzückt gewesen sein: „Nordfleisch“, so Newton, fasse seine Arbeit formidabel zusammen. Ende der Woche läuft ein Film über den 2004 verstorbenen Fotokünstler an. Anlass genug für Stefan Grissemann und Wolfgang Paterno, sich dem Provokateur aus Berlin, der stets heftigen Sexismusvorwürfen ausgesetzt war, zu widmen. „Er war ein bisschen pervers“, so wie sie selbst ja auch, sagt etwa Grace Jones.

In diesem Sinne, einen schönen, vielleicht fleischlosen Mittwoch!

Franziska Dzugan

PS: Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie sich von einem Newsletter auf jeden Fall erwarten? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.