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Gesellschaft
01/28/2021

Wie Joe Biden und andere gegen ihr Stottern kämpften

Der neue US-Präsident Joe Biden reiht sich in die lange Liste berühmter Stotterer, die ihre Sprachprobleme überwinden konnten, ein.

von Angelika Hager

In der Schule nannten sie ihn "Stotterkopf" und riefen ihm auf dem Pausenhof "H-H-H-H-ey, B-B-B-i-den!" nach. "Ich habe früh gelernt, mich zur Wehr zu setzen", bekannte der damalige Vizepräsident Joe Biden bei einer Rede vor der "National Stuttering Association" 2016. Wie viele andere, für die Konsonanten zu echten Schreckgespenstern werden können, musste der 46. US-Präsident früh lernen, mit Spott umzugehen und Strategien gegen seine Ängste zu entwickeln. Er stellte sich vor den Spiegel und rezitierte Gedichte von W. H. Auden und Ralph Waldo Emerson. Über den Rhythmus der Verse habe er auch zu einem eigenen Sprachrhythmus gefunden.

80.000 Betroffene in Österreich

Geschätzt leiden rund 80.000 Österreicher an einer solchen Sprechstörung, die sich nicht nur durch Wiederholungen von Konsonanten, sondern auch durch extrem lang gezogene Selbstlaute äußern kann. Die WHO schätzt, dass jedes 25. Kind mit der Angst lebt, sich beim Sprechen durch dieses Defizit zu blamieren. Die Schauspielerin Emily Blunt berichtete jüngst in einem Interview, dass sie sich als Kind geweigert hatte, Gedichte vorzulesen und im Klassenzimmer nicht einmal ihren Namen sagen wollte, weil sie sich vor dem Gelächter der anderen fürchtete. Dank der Schauspielerei schaffte es Blunt, sich "vom Status einer Außenseiterin" zu befreien.

Viele berühmte Stotterer

Die Liste berühmter Stotterer, die sich ihrer Schwäche stellten, ist lang: Marilyn Monroe, Bruce Willis, Samuel Jackson, Ed Sheeran und natürlich der britische König George VI.,Vater der heutigen Königin von England, der nach der Abdankung seines Bruders Edward VIII. quasi über Nacht auf den Thron rückte. "Bertie", wie er in der Familie genannt wurde, litt seit seiner Kindheit an scheinbar unheilbaren Stotterattacken, die er mit der Hilfe eines Logopäden bewältigte - nachzusehen in dem Oscar-gekrönten Film "The King's Speech" mit Colin Firth im Part des geforderten Königs. Wie sehr Defizite oder Schwächen Menschen auch zu Höchstleistungen treiben können, hat der Wiener Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler bei seiner Entdeckung des Minderwertigkeitskomplexes herausgefunden. Adlers Paradebeispiel für diese Kraft ist der altgriechische Redekünstler Demosthenes, der seinen Sprachfehler durch lautes Reden mit Steinen im Mund zum Verschwinden bringen konnte.

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