Amtsbekannte Neonazis als Ordner bei FP-Veranstaltungen

Neuerdings tauchen bei Veranstaltungen von Heinz-Christian Strache gewalttätige Neonazis auf, die sich als Ordnerdienst der FPÖ gerieren.

Erinnert sich noch jemand an die vollmundige Ankündigung von Heinz-Christian Strache, er wolle die FPÖ vom rechten Rand säubern? Oder an die Erregung, als der ORF bekennende Skinheads bei einer Wahlkampfveranstaltung der Freiheitlichen filmte?

Strache wird sie nicht los, die Neonazis und Skinheads, die sich von seinen Veranstaltungen offenbar angezogen fühlen wie die Motten vom Licht. Zuletzt in Stammersdorf, beim alljährlichen Weinfest. Die Freiheitlichen hatten am Sonntagnachmittag vergangener Woche in die Bacchus-Schenke, ein Heurigenlokal in Stammersdorf, geladen, als Anhänger der Sozialistischen Jugend auftauchten, um Aufkleber und Flugzettel gegen die Strache-Partei zu verteilen. Sofort traten mehrere kahl geschorene Anhänger der FPÖ aus dem Hinterzimmer auf den Vorplatz, die sich als Ordnerdienst aufspielten und die Jugendlichen bedrohten: „Ihr werdet schon sehen, wir kriegen euch noch, wir passen euch bei eurer Haustür ab.“ Schließlich wurde sogar Polizei zum Schutz der ­Gegendemonstranten dorthin beordert.

Man könnte dies nun als einen jener Kollateralschäden abtun, die sich in Wahlkämpfen eben zwischen rechts und links ereignen. Doch einer der sich als Ordner aufspielenden Männer, der die gegnerischen Jugendlichen wegzurempeln versuchte, trug stolz ein FPÖ-T-Shirt und ist ein stadtbekannter Skinhead, nicht nur von seiner Gesinnung her rechts außen angesiedelt, sondern auch gewaltbereit, wie er bereits mehrmals gezeigt hat.

Gregor T. ist einer der Mitbegründer des österreichischen Neonazi- und Skinhead-Netzwerks „Blood & Honour“, das in Fußballfanclubs und bei Neonazi-Rockkonzerten gewalttätige Randale macht – dem Verfassungsschutz wohlbekannt. Gregor T. ist deshalb schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.

Grenzüberschreitung.
In den vergangenen Jahren hatte man den Skinhead gemeinsam mit Burschenschaftern beim berüchtigten Heldengedenken am Heldenplatz beobachten können, bei ­Ehrungen für den ehemaligen NS-Fiegerhelden Walter Nowotny am Wiener Zentralfriedhof, an denen sich auch immer wieder Freiheitliche beteiligen, oder bei der berüchtigten „Aktionsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AFP), der in Verfassungsschutzberichten eine „ausgeprägte Affinität zum Nationalsozialismus“ attestiert wird. So verwischt sich der rechte mit dem rechtsradikalen Rand.

Ein gewisser Richard Melisch etwa, ein Mann mit ziemlich krausen Ideen, der einer zionistischen Weltverschwörung auf der Spur sein will, die in Europa durch exzessive Einwanderung eine minderbemittelte „hellbraune Rasse“ zu etablieren plane, ist ein gefragter Referent und Publizist im rechtsradikalen Milieu, treibt sich aber auch bei den Freiheitlichen herum: bei den Freiheitlichen Senioren, bei der Bezirkspartei Josefstadt. Oder eben bei Seminaren der AFP.

Als Melisch einst im Vereinskeller der Freiheitlichen Jugend referierte, wurde sein Auftritt von Johann Gudenus, damals noch Vorsitzender der Freiheitlichen Jugend, als Aufklärung über den „israelischen Staatsterrorismus“ beworben. Johann Gudenus ist schon Nummer zwei auf der Liste für die Wiener Landtagswahlen. Der Spross einer rechtsnationalen FPÖ-Familie mit Sympathien für Holocaust-Leugner, ist selbst von einer Gesinnung, die ihn immer wieder einschlägigen Kreisen zutreibt. Vor einem ­knappen Jahr war auch Gudenus als Referent bei der AFP eingeladen, nebst einem amtsbekannten Schweizer Holocaust-Leugner.

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands kritisiert diese personellen und ideologischen Berührungspunkte zwischen FPÖ und Neonazi-Szene schon seit Längerem. „Eine neue Qualität wäre darin zu sehen, wenn Neonazis mit Ordnerdienstaufgaben für freiheitliche Wahlveranstaltungen betraut werden“, sagt der Rechtsextremismus­experte Heribert Schiedel.

Eine Anfrage an die FPÖ-Bundespressestelle, ob es sich bei dem Skinhead aus dem Neonazi-Milieu um einen offiziellen, von der Partei bestellten Saalschützer oder um einen selbst ernannten Ordner handelt, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.