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12/12/2011

profil-Rückblick

Jahrestag. 13. Dezember 1981: Verhängung des Kriegsrechts in Polen

von Otmar Lahodynsky

Es passierte in einer bitterkalten Nacht auf Sonntag. Auf Befehl von General Wojciech Jaruzelski, der Premierminister, Verteidigungsminister und Chef der polnischen KP war, rückten im ganzen Land Armeeeinheiten und Sonderpolizei aus. Die komplette Führung der „Solidarität“, darunter ihr Führer Lech Walesa, wurde in Internierungslager gebracht, tausende Oppositionelle landeten im Gefängnis. In einer Kohlenzeche bei Katowice leisteten Bergarbeiter Widerstand. Es kam zu neun Todesopfern.

In Polen herrschte fortan das Kriegsrecht, das alle von der „Solidarnosc“ erkämpften Freiheiten, darunter auch unabhängige Medien, jäh beenden sollte. Die Zensur wurde, auch für ausländische Korrespondenten, eingeführt. Nur im Untergrund wurden weiter Flugblätter und Schriften gedruckt.

Es war wohl das letzte Mal, das mitten in Europa ein ganzes Land von allen Kommunikationswegen abgeschnitten wurde. Alle Telefon- und Telexleitungen waren gekappt worden. Niemand durfte mehr einreisen. Meine Artikel und Fotos schmuggelte ich daher über Ausreisende außer Landes.

Ein Foto schoss ich vom Balkon eines Wohnhauses in der Nähe der Solidarnosc-Zentrale in der Mokotowska-Straße. Das Gebäude war von der Miliz durchsucht und verwüstet worden. Am frühen Morgen hatte ich dort noch die letzten Verlautbarungen der „Solidarnosc“ aus dem für profil-reservierten Hängeordner geholt. Dann riegelte die Sonderpolizei ZOMO die Straße ab. Davor versammelte sich eine ständig anwachsende Menschenmenge, die die polnische Nationalhymne „Noch ist Polen nicht verloren...“ anstimmte. Es war eine gespenstische Szene, die ich von oben mit meiner Kamera festhielt.

Polen versank für mehrere Jahre in eine tiefe, wirtschaftliche und gesellschaftliche Depression. Erst 1989, als die polnische KP keinen Ausweg mehr aus der Wirtschaftskrise wusste, wurde bei Verhandlungen mit der Opposition eine friedliche Teilung der politischen Macht ausgehandelt. Lech Walesa, der Friedensnobelpreisträger, wurde zum Staatspräsidenten gewählt.

Jaruzelski hatte sein Vorgehen stets damit verteidigt, dass er einen Einmarsch von Warschauer Pakt-Truppen verhindern wollte und der Einsatz der polnischen Armee das kleinere Übel gewesen sei. Gegen den krebskranken Politiker läuft noch immer ein Strafprozess.