Steiermark: Dem Adel verpflichtet

Mit Landesgeldern und ÖVP-Connections schuf Andrea Herberstein ein florierendes Mischunternehmen aus Tiergarten, Schlosspark und Kunstsammlung. Nun ist sie von ihrem Lebensstil eingeholt worden.

Die Salzburger Festspielprominenz war empört. „Halte durch, das geht vorbei“, munterte Wüstenrot-Generaldirektorin Susanne Riess-Passer bei der Premierenfeier von „La Traviata“ ihre Freundin Andrea Herberstein auf. Starbariton Thomas Hampson, der eben erst in der Rolle des Germont geglänzt hatte, soll Journalisten laut einem Zeitungsbericht sogar unfein den Mittelfinger gezeigt haben. Er sitze zwar im Beirat der „Herberstein Tier- und Naturpark Schloss Herberstein OEG“, doch habe er keinen Cent aus öffentlichen Geldern für seine Dienste bezogen, erklärte der Opernstar gereizt.

Seine langjährige Verlobte Andrea Herberstein („Zum Heiraten haben wir leider noch keine Zeit gefunden“, sagte Hampson vor 13 Jahren), die ihrerseits die Hampson-Stiftung leitet, lässt ohnehin am liebsten ihre Anwälte sprechen, gern auch mal auf dem Klagswege. Vor wenigen Wochen haben die Herbersteins sogar ihren größten Gönner, das Land Steiermark, vor Gericht bemüht, weil die Prüfer des Landesrechnungshofes es gewagt hatten, in dem undurchsichtigen Gestrüpp von Millionenförderungen des Landes für den Tierpark Herberstein auch die Buchhaltung zu durchleuchten, wodurch sich die Herbersteins in ihrer Privatsphäre arg belästigt fühlten. Mithilfe eines „überschießenden Rechnungshofberichts“ wolle man sie als „unverschämte Nutznießer“ verunglimpfen, heißt es in der Klagsschrift.

Die gräfliche Familie ist der Ansicht, es gehe niemanden etwas an, wie viel Geld sie von ihren Firmenkonten beheben und was sie damit tun. Formal gehört die OEG Andrea Herbersteins Kindern: Maximilian, Catherine und Felicitas. Das Land Steiermark ist seit Juli 2002 als stiller Teilhaber mit einer Einlage von 2,9 Millionen Euro beteiligt, die im Jahr 2004 noch einmal um eine Million Euro aufgestockt wurde.

Herbe Kritik. Um des lieben Friedens willen hat der steirische Rechnungshof bisher nur die Geschäftsgebarung aus dem Jahr 2001 in seinem Rohbericht niedergelegt. Dabei stellte sich heraus, dass die Herberstein-Kinder allein in diesem Jahr 307.511 Euro für private Zwecke vom Firmenkonto behoben und etwa ein Drittel davon ihrer Mutter zukommen ließen und dass die vom Land gesponserte Firma sowohl für die 600 Quadratmeter große Zimmerflucht, die Andrea Herberstein bewohnt, als auch für die Betriebskosten eines weiteren privaten Wohnhauses in Graz aufkam. Der Rechnungshof kritisiert, dass die Herbersteins im selben Jahr mit Verweis auf die schwierige finanzielle Lage des Tierparks – die Firma hatte 84.000 Euro Verlust geschrieben – weitere Subventionen erwirkten. In der Krisensitzung der Landesregierung am vergangenen Dienstag soll Landesrechnungshofdirektor Johannes Andrieu bestätigt haben, dass es auch in den Jahren nach 2001 private Entnahmen in ähnlicher Größenordnung gab, was allerdings in einer OEG nicht verboten ist – nur moralisch bedenklich angesichts der massiven Förderungen.

Insgesamt sind in den vergangenen zwölf Jahren 8,6 Millionen Euro an Steuergeldern an die Herbersteins geflossen, knapp sechs Millionen davon kamen aus ÖVP-geführten Ressorts. Damit wurden die ausgedehnten Ländereien rund um den Stubenbergsee, das Renaissanceschloss, der historische Garten und der Tierpark (Eintritt 15 Euro) instand gehalten sowie das Gironcoli-Museum gebaut.

Seit die Herbersteins weitere, angeblich zugesagte Förderungen in der Höhe von 5,8 Millionen Euro beim Land einklagen wollen, ist selbst Landeschefin Waltraud Klasnic schwer verbittert. Man sei, sagt sie jetzt, keineswegs so dick befreundet gewesen, wie immer behauptet werde.

Der Nachdruck, mit dem Andrea Herberstein, eine äußerst selbstbewusst auftretende Dame von Welt, auf ihre vermeintlichen Subventionsrechte pocht, gründet in der Tradition der steirischen Volkspartei und der unseligen steirischen Proporzmentalität, die auch von der SPÖ gepflegt wird.

Die berühmte steirische Breite, in der Landeshauptmann Josef Krainer Hausherren und Hausmeister, Industriearbeiter und Großgrundbesitzer, Intellektuelle und ehemalige Nazis um sich scharte, konnte sich nur mithilfe von Förderungen an diese und jene so prächtig entwickeln. Krainers Nachfolgerin Waltraud Klasnic wurde in diesem Milieu politisch sozialisiert. Zudem war sie immer sehr empfänglich für die Probleme von Frauen, die sich allein durchschlagen müssen, möglicherweise auch verführt vom Glanz des Adels, der ihr, einem Kind aus einfachsten Verhältnissen, nun auf Augenhöhe gegenübertrat.

Schwieriges Privatleben. Schwere Zeiten hat die ebenso ehrgeizige wie durchsetzungskräftige Andrea Herberstein durchaus erlebt. 1973, im Alter von 20 Jahren, hatte sie den Grafen Johann Otto Herberstein bei einem Empfang der Salzburger Festspiele kennen gelernt und überstürzt geheiratet. Ihr gesellschaftliches Leben nahm einen rasanten Aufschwung. Bald war sie in der Grazer Burg ein gern gesehener Gast, Krainer betraute sie mit der Organisation des klassischen Musikfestivals „Styriarte“.

Nur das Privatleben gestaltete sich schwieriger als erwartet. Der Familiendünkel der Herbersteins machte Andrea zu schaffen, der Gatte hatte ein Alkoholproblem. Andrea Herberstein zog drei Kinder groß und versuchte, das vernachlässigte Gut Herberstein mit öffentlichen Mitteln wieder auf Vordermann zu bringen. 1986 war ihr Glücksjahr. Sie brachte die Landesausstellung „Brücke und Bollwerk“ nach Schloss Herberstein, das dafür gründlich renoviert wurde, und lernte ihren heutigen Lebenspartner Thomas Hampson kennen. Ein Jahr später reichte sie die Scheidung ein. Ein siebenjähriger Rosenkrieg mit rund 90 Prozessen folgte.

Der Cousin des mittlerweile verstorbenen Ex-Gatten, Georg Herberstein, der noch auf Schloss Herberstein aufgewachsen ist, erzählt, er habe der zugeheirateten Cousine „als Einziger in der Familie damals geholfen, aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen“. Gedankt worden sei es ihm nicht. „Als alles erledigt war, hat sie mich nicht mehr gekannt und jeden Kontakt abgebrochen“, sagt der 71-Jährige. Nach seinem Dafürhalten ist Andrea Herberstein eine Frau, „die Förderungen des Landes lukriert, um ihren sehr aufwändigen Lebensstil zu halten, eine peinliche Performance als Gräfin zur Schau stellt und eine jahrhundertealte Tradition mutwillig zerstört“.

In seinem Testament vom 3.3.1988 hatte Otto Herberstein seine jüngste Tochter als Universalerbin eingesetzt und den beiden anderen Kindern jeweils Legate in der Höhe von rund einer Million Schilling vermacht. Allen dreien trug er „bei sonstigem Verlust ihrer Ansprüche“ auf, „dafür zu sorgen, dass meine geschiedene Frau Andrea (…) von der Verwaltung meines Vermögens ferngehalten wird“.

Wohl auch deshalb kam es zur der eigenartigen Firmenkonstruktion, in der die Kinder Gesellschafter sind (der Sohn lebt in England, die Töchter in Wien) und die Mutter als Schlossherrin auftritt. Hausanwalt Hans Kortschak betont auch gern, dass seiner Mandantin „dort kein Ziegel, nichts gehört“. Im Grundbuch sind für die Tierpark OEG mittlerweile Pfandrechte über vier Millionen Euro eingetragen. Der Reichtum der Herbersteins basiert heute auf der Kunstsammlung Herberstein OEG, deren Wert von Experten auf Millionenhöhe geschätzt wird. Andrea Herberstein ist Mitbesitzerin.

In den vergangenen Jahren hat sich Andrea Herberstein mit Charity-Aktionen und Auftritten in der Gesellschaft einen Namen gemacht, unter anderem als bestgekleidete Österreicherin in der Konkurrenz „Edelklassiker“. Auch als Gast bei politischen Feiern war sie gern gesehen. Standesdünkel ist ihr nicht ganz fremd. Von einem Journalisten einmal als Ex-Gräfin bezeichnet, reagierte sie mit wütenden Anrufen. Nicht wegen ihr selbst sei es, sagte sie, sondern wegen „der Leute rund um das Gut Herberstein, die sich schon so an diese Anrede gewöhnt haben“.

Von Christa Zöchling