Unternehmer Michael Tojner

Tojner vs. Raiffeisen: Der vergessene Millionen-Prozess

Michael Tojner wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe in Zusammenhang mit dem Land Burgenland und hat eine Raiffeisen-Firma vor das Handelsgericht Wien gezerrt. Es geht um Immobiliengutachten und die Frage, für wen diese eigentlich erstellt wurden.

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„Behandeln Sie mich wie einen Zweijährigen, und erklären Sie es mir!“ Wenn ein Richter das zu einer Anwältin sagt, lässt sich daraus wohl zweierlei schließen: Wahrscheinlich ist alles sehr kompliziert – auch wenn die Anwältin meint, es wäre ohnehin „evident“. Und es ist offenbar noch Überzeugungsarbeit notwendig, will man das Verfahren auch gewinnen.

Schauplatz der beschriebenen richterlichen Skepsis war ein Verhandlungssaal des Handelsgerichts Wien Ende April dieses Jahres. Anlass: eine Tagsatzung im Zuge eines praktisch in Vergessenheit geratenen Millionen-Prozesses. Die Verfahrensbeteiligten könnten kaum prominenter sein: Kläger sind der Milliardär und Investor Michael Tojner sowie zwei Firmen aus seinem Umfeld. Beklagt ist ein Unternehmen aus dem weitverzweigten Raiffeisen-Beteiligungsimperium, die Raiffeisen Immobilien Vermittlung Ges.m.b.H., samt einem Mitarbeiter. Es geht nicht um Kleingeld: Der Streitwert ist mit 1.175.843,94 Euro beziffert. Unter anderem fordert die Tojner-Seite rund 676.000 Euro Schadenersatz. Dazu kommt ein sogenanntes Feststellungsbegehren für allfällige darüber hinausgehende Schäden, die man noch nicht konkret festschreibt – laut Klage sei aber „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ von einem mehrstelligen Millionenbetrag auszugehen.

Causa Wohnbaufirmen

Tojner gegen Raiffeisen – was hat es mit diesem Giganten-Match vor Gericht auf sich? In gewisser Weise handelt es sich wohl um eine Art Stellvertreterkrieg. Tojner wurde 2019 vom Land Burgenland angezeigt. Seither stehen gegen den Investor schwere Vorwürfe in Zusammenhang mit mehreren gemeinnützigen Wohnbaufirmen im Raum, die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt. Das Land soll – so der Verdacht – um Millionen betrogen worden sein, als die Wohnbaufirmen einige Jahre zuvor den Status der Gemeinnützigkeit verloren hatten. In so einem Fall wird nämlich eine Abschlagszahlung an das Land fällig, die sich – stark vereinfacht gesagt – am Wert der Immobilien orientiert. Dieser Wert soll laut Verdachtslage viel zu niedrig dargestellt worden sein, das Burgenland wäre damit um Millionen umgefallen. Verstecktes Mastermind hinter Aktion, so der Vorwurf: Tojner. Der Unternehmer hat sämtliche Vorwürfe immer bestritten und wehrt sich mit rechtlichen Mitteln: einerseits im Rahmen des Ermittlungsverfahrens der WKStA mit Eingaben und Anträgen, andererseits versucht er sein Glück aber auch vor verschiedenen Gerichten.

Stefan Melichar

Stefan Melichar

ist Chefreporter bei profil. Der Investigativ- und Wirtschaftsjournalist ist Mitglied beim International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2022 wurde er mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis ausgezeichnet.