INTERVIEW: VOLKSTHEATER-DIREKTOR KAY VOGES

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Kultur
01/11/2021

Corona-Kulturpolitik: "Schlag ins Gesicht"

Die kulturpolitische Ratlosigkeit der Bundesregierung bringt Österreichs Kunstszene ins Schlingern. Die Planungsunsicherheit in den Institutionen sorgt für Nervosität, Wut und Frustration.

von Stefan Grissemann

 

Der Druck erhöht sich, fast schon im Stundentakt; man kann das spüren und hören, wenn man mit den Menschen spricht, die in Österreich große und kleinere Kulturinstitutionen leiten, sich dabei bemühen, Schritt zu halten mit täglich neuen widersprüchlichen Ansagen, jähen Verordnungen und viel zu früh ventilierten Ideen. Das Projekt des „Freitestens“, das gleich wieder abgeblasen wurde, war in den vergangenen Tagen nur der Gipfel einer nervösen Corona-Kulturpolitik, die im verzweifelten Versuch, pragmatische Lösungen für ihren Sektor zu finden, die Limits ihrer Kapazitäten erstaunlich früh erreicht hat. In der Kommunikation mit Kultur-Führungspersönlichkeiten bleibt man zu oft auf halbem Weg stehen. Es werden Dinge verordnet, die weder zu Ende gedacht, noch zu Ende erklärt werden. Der Doppelschritt aus Ankündigungspolitik und Widerruf ist für die Branche jedenfalls stark verunsichernd. Die Energie, die man eigentlich dazu nützen könnte, um gute Kulturarbeit zu machen, muss man dieser Tage dazu aufbringen, zu akzeptieren, dass man keine Kulturarbeit machen kann.

Wenigstens die Museen sollen, so der interne Letztstand im Tauziehen um die Kulturöffnungen, nun doch gemeinsam mit dem Handel am 25. Jänner wieder zugänglich sein – wenn nicht doch noch eine weitere Verlängerung des Lockdowns beschlossen wird. Das Kulturministerium und seine Krisenstaatsekretärin Andrea Mayer drängen offenbar heftig darauf, dass ihre Weisungen in den Institutionen unverzüglich administriert und praktische Lösungen gefunden werden, um möglichst schnell den Eindruck zu erwecken, dass „Normalität“ auch im Kunstbereich wieder möglich sei. Aber dabei spätestens um 20 Uhr zuhause sein, denn das Virus hat offenkundig abends größere Chancen auf Verbreitung. Gegen solche leicht irrationalen Positionen formiert sich in der Kulturszene nun Widerstand.

Im Folgenden finden Sie die vollständigen Statements der für die Geschichte von profil interviewten Kultur-Führungspersönlichkeiten.

Martin Kušej, Direktor des Burgtheaters:

„Streaming von Theateraufzeichnungen haben wir weitestgehend vermieden. Theater ist ein besonderes Medium, das im Moment stattfindet, das geht beim klassischen Streaming verloren. Ebenso der gemeinsame Atem und die gemeinsame Energie zwischen Bühne / Schauspielern und Zuschauerraum. Ich finde das eine unzulässige Gleichsetzung zwischen analogem und digitalem Erleben. Und einen Ausverkauf in unserem Kerngeschäft. Wir haben daher das Regieduo Dead Centre gebeten, eine digitale Inszenierung mit Michael Maertens zu erarbeiten, das Publikum kann ihn dabei noch bis 16. Jänner live im Kasino erleben und trotzdem zu Hause bleiben.“

„Zur Wiedereröffnung des normalen Spielbetriebs benötigen wir grundsätzlich eine Vorlaufzeit von etwa sechs Wochen. Darauf hatten wir bereits mehrfach, zuletzt Mitte Dezember, hingewiesen. Nach der Regierungspressekonferenz am 18. Dezember 2020 und Rücksprache mit dem Kulturstaatssekretariat hatten wir mit viel Anstrengung Vorstellungen ab dem 22. Jänner 2021 in all unseren Spielstätten geplant. Wir haben Verabredungen mit Regieteams getroffen, Reisen aus dem Ausland gebucht, erste Vorabinformationen an unsere Abonnentinnen und Abonnenten geschickt. Und jetzt ist von heute auf morgen alles Makulatur. Diese Kalt-Warm-Dusche haben wir jetzt mehrfach durchgestanden – jetzt reicht es. Ohne planbare Perspektive können wir da nicht mehr mitspielen.“

„Im Notprogramm sind wir seit Mitte März 2020, mal mehr, mal weniger. Sollte eine Öffnung ab dem 29. Jänner möglich sein, werden wir für das letzte Jänner-Wochenende die disponierten Vorstellungen für diese Tage unverändert zeigen können. Sollte der Lockdown bis über diese Tage verlängert werden, müssten wir mit einer Premierenverschiebung den Februar-Plan komplett überarbeiten. Eine Vorstellung lässt sich nach so langer Zeit nicht aus dem Stand spielen, wir brauchen hierfür eine Wiederaufnahmeprobe bzw. vor einer Premiere unter Umständen mehrere Proben. Auch beginnt der Vorverkauf für unsere Abonnementinnen und Abonnenten normalerweise etwa zweieinhalb Wochen vor dem nächsten Monat. Und wie sollen wir die Voraussetzungen für den Besuch kommunizieren, wenn wir sie selbst nicht kennen? Hinter den Bühnen des Burgtheaters arbeiten hunderte Menschen, die mittlerweile auf dem Zahnfleisch gehen. Natürlich gibt es viele, denen es schlechter geht. Für uns ist das ,Notprogramm Kurzarbeit’ ein Rettungsanker – wir sollten diejenigen nicht vergessen, die nicht einmal das haben.“

„Mit dem Kulturstaatssekretariat sind wir im Austausch, wir erklären die Schwierigkeiten, die uns die kurzfristigen Entscheidungen und damit kurzen Planungshorizonte bereiten. Durch die ständige Überarbeitung der Planungen entstehen Kosten wie Reisen und die Unterbringung für Regieteams, Ausfallhonorare für Gastschauspieler*innen, Personalkosten für die Einteilung für einen ausgeweiteten Probenbetrieb und Spielbetrieb, Kosten für Informationsmaterial für das Publikum. Dem stehen Einnahmeverluste durch eine weitere Schließung gegenüber. Bei einer 50 %-Belegung in den ersten Monaten der Spielzeit hatten wir statt ca. einer Million lediglich 500.000 Euro pro Monat eingenommen. Bei Schließung fallen diese ebenfalls weg. Wir haben eine entsprechende Sonderförderung für die Einnahmeausfälle für 2020 vom Staatssekretariat zugesprochen bekommen. Neben den Einnahmeausfällen müssen sonstige Einnahmenausfälle kompensiert werden (Gastspiele, Sponsoring, Lokalverpachtung...); neben der Sonderförderung helfen uns bei der Kompensation Minderausgaben (Publikumsdienst etc.) bzw. die Kurzarbeit.“

„Dass eine solche Pandemie für die Handelnden der Politik eine enorme Herausforderung darstellt, ist völlig verständlich. Warum man gar nicht auf die Strukturen und Abläufe des Kulturbereichs eingeht, ist für mich nicht nachvollziehbar. In anderen Ländern gab es klare Entscheidungen, die Theater vor März nicht zu öffnen. Das ist bitter, aber damit kann man planen und arbeiten. Das ständige Hin und Her bringt unseren Theaterbetrieb an die Grenze der Belastbarkeit.“

profil: Wäre am Burgtheater der Zuschauerzutritt nur mit frischem COV-Negativ-Attest überhaupt administrierbar? Ist das wünschenswert?

„Bisher kennen wir keinerlei Rahmenbedingungen: Benötigt man einen negativen Antigen-Schnell- oder PCR-Test? Gibt es ausreichend kostenlose Testkapazitäten? Und welche Anforderungen muss der Test erfüllen? Ab welchem Alter wäre ein solcher Test vorzulegen? Wer bezahlt das alles? Auf welcher Grundlage sind wir berechtigt, unser Publikum nach einem Testnachweis zu fragen? Niemand hat Lust, im Theater den Kontrolleur zu spielen. Ich muss aber zugeben, das mittlerweile derartig viele Menschen unsere freie Gesellschaft für private Sperenzchen und Wichtigtuereien, aber auch für fragwürdige Propaganda missbrauchen, dass es schwer fällt, vertrauensvoll miteinander umzugehen.“

 

„Es ist klar und erwiesen, dass wir zum Schutz unseres Publikums u. a. mit der Maskenpflicht, den außerordentlich guten Lüftungssystemen in all unseren vier Spielstätten, den Abstandsregeln und dem Besucherleitsystem ein strenges Präventionskonzept umgesetzt haben. Bisher ist im gesamten deutschsprachigen Raum kein Ansteckungsfall im Zuschauerraum bekannt.“

profil: Betont die Viruskrise nicht auch die tiefen Gräben einer bereits stark gespaltenen Gesellschaft (hier Kultur, dort Handel/Gastro/Skisportfreunde)?

„Ich lasse keinesfalls zu, dass wir da gegeneinander ausgespielt werden. Ich bin leidenschaftlicher Genießer des gastronomischen Angebots dieser Stadt und wäre ohne Pandemie auch sicherlich als Skifahrer unterwegs. Die Gräben entstehen erst, wenn man willkürlich so unterschiedliche Bedingungen für den Besuch im einen oder anderen Bereich schafft. Im Übrigen werden dadurch die Nachvollziehbarkeit und Sinnhaftigkeit der Maßnahmen wie der Testungen untergraben und die Leugner werden gar noch gestärkt.“

Nicht nur Burgtheater-Direktor Kusej kritisiert den Kultur-Lockdown

Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums:

profil: Wie schnell könnte man Ihren Betrieb wieder hochfahren?

„Nicht von einem Tag auf den anderen. Ich muss ja neben vielen anderen organisatorischen Abläufen auch erst das Personal wieder aktivieren. Das braucht bis zu einer Woche.“

„Kommunikation funktioniert nur, wenn beide Seiten sich bemühen. Für uns war es wichtig, der Kulturpolitik klarzumachen, dass wir anders planen als etwa Theater, Oper und Kinos, auch dass wir als Bildungseinrichtungen mit Paintballhallen, Sexclubs und anderen ,Freizeiteinrichtungen’ nicht viel zu tun haben.“

„Wir haben eine weitgehende Verlustabdeckung für 2020 bekommen. Für 2021 gibt es noch keine Vereinbarungen. Wir brauchen da aber sehr bald Planungssicherheit und Klarheit, weil z.B. Leihgaben und internationale Kooperationen davon betroffen sind.“

„Die Museen hatten alles getan, um ihren Gästen Sicherheit zu gewährleisten. Aber das wurde überhaupt nicht berücksichtigt. Dass wir als Begleiter durch die Krise gar nicht wahrgenommen werden, hat mich schon entsetzt.“

„Diese Unverlässlichkeit in der Planung ist sehr frustrierend. Man bekommt aber Übung darin. 2020 hat uns alle gelehrt, sehr flexibel zu sein und nicht die Nerven wegzuschmeißen. Für die Bühnenkunst ist es natürlich noch schwieriger als für Museen. Wir können immer auf Dauerausstellungen ausweichen, das macht es für uns ein bisschen angenehmer. Aber unsere ,Beethoven-bewegt’-Ausstellung hat auch mehrfach gelitten. Sie war schon fürs Frühjahr 2020 geplant, als uns das Virus kalt erwischte, aber die Schau konnte mühevoll in den Herbst verschoben werden. Dann wurde sie aber noch zweimal von Lockdowns getroffen, und nun fällt auch die finale Woche flach, die ab dem 18. Jänner drin gewesen wäre. Wir stehen für alle Maßnahmen zur Verfügung, hätten uns auch am Freitesten beteiligt. Wir taten alles, was man tun kann. Vergebens. Nun geht es nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern auch um die Motivation aller Mitarbeiter. Es zehrt.“

Bogdan Roščić, Direktor der Wiener Staatsoper:

„Wir machen auch Streaming, und die Rückmeldungen ausgehungerter Opernfreunde sind enthusiastisch. Durch das gute alte lineare Fernsehen, das sich in diesem Moment als unverzichtbare Plattform erweist, wird die Staatsoper am Ende dieser Misere mehrere Millionen Menschen erreicht haben, statt einfach geschlossen zu sein. Ein zukunftsfähiges Modell ist das aber nicht, weder ökonomisch noch künstlerisch. Jede Vorstellung vor leerem Saal demonstriert, wie viel verlorengeht, wenn der Moment nicht geteilt werden kann. Daher wollen wir so bald spielen, wie es sinnvoll möglich ist. Von heute auf morgen geht das jedoch nicht zuverlässig, und wenn die Fristen und Vorwarnzeiten weiter derart schrumpfen, wird es wohl zu vielen unnötigen Schließtagen kommen.“

 „Wir haben gerade wieder alles über den Haufen geworfen und einen Plan zusammengebracht, mit dem wir ab 25. Jänner bis Ende Februar alle Szenarien bewältigen könnten – bis hin zu vollem Programm. Aber ich glaube nicht, dass sich diese Methode beliebig lange fortsetzen lässt."

profil: Wäre an der Staatsoper Zuschauerzutritt nur mit frischem COV-Negativ-Attest administrierbar? 

„Natürlich wäre es administrierbar. Aber für mich sind all diese Fragen letztlich nur wie das berühmte Re-Arrangieren der Liegestühle auf dem Deck der Titanic. Was mich wirklich interessiert ist dies: Wann werden sich meine Familie und meine Kolleginnen und Kollegen impfen lassen können, und wie wird man mit der bei diesem Thema stattfindenden Spaltung der Gesellschaft in rationale und irrationale Gruppen umgehen?“

profil: Sollte man Kulturorte, an denen strenge Sicherheitskonzepte makellos umgesetzt werden, längst wieder zum Besuch freigegeben haben?

„Der Grat zwischen verantwortungslosem Leugnen der Schwere der Situation und dem berechtigten Anmelden realer Unterschiede in Sachen Corona-Sicherheit ist schmal. Man soll sich auf ihm sehr vorsichtig bewegen. Aber: Es muss möglich sein, statt der Rasenmäher-Methode auf objektive Unterschiede zu schauen. Warum sollen besonders sichere Orte nicht früher zugänglich werden?“

profil: Vertieft der Sarkasmus, mit dem Sie bisweilen Regierung und kulturelle Mitbewerber attackieren, nicht noch die Gräben einer bereits stark gespaltenen Gesellschaft?

„Es ist etwas sehr Österreichisches, immer jenen, die auf das Vorhandensein eines Grabens hinweisen, das Vertiefen von Gräben vorzuwerfen. Gräben verhindert man dadurch, dass Fakten zählen bei der Bewertung der Corona-Gefahr und nicht die Lautstärke der Lobby, die man hat – oder, im Fall der Kultur, eben nicht hat.“

Kay Voges, Direktor des Wiener Volkstheaters:

„Es ist extrem anstrengend. Seit zehn Monaten planen, verschieben und verwerfen wir. Die Probensituation ist auch nicht zufriedenstellend. Nun stehen trotzdem sechs Produktionen fix und fertig zur Premiere bereit, dazu haben wir Corona-taugliche kleine Formate entwickelt, die bei grünem Licht noch schneller einsatzbereit wären."

„Als die Nachricht kam, man könne ab 18. Januar die Theater für 500 freigetestete Zuschauer bis maximal 19.30 Uhr öffnen,  ist das Fass übergelaufen. Das war wirklich ein Schlag ins Gesicht, denn diese Maßnahmen sind für uns nicht umsetzbar. Soll die Kultur denn als Werbeinstrument für Testungen herhalten? Ich freue mich darüber, dass die Freitestungen erst mal vom Tisch sind. Aber die gleiche Herausforderung scheint unter dem Label ,Eintrittstest’ wieder auf uns zuzukommen.  Wer, wie, wo sollen Tests kontrolliert werden? Wie sinnvoll sind diese Tests? Ich halte das auch verfassungstechnisch für extrem fragwürdig, der Zugang zu Kulturinstitutionen wird durch diese Maßnahmen erschwert. Wir haben, wie alle anderen Kulturinstitutionen auch, funktionierende Hygienekonzepte erarbeitet, bei denen der Besuch für alle sicher ist.“

„Wir sind in einer extrem misslichen Lage. Was mich am meisten zermürbt ist die Perspektivlosigkeit. Wir haben keinerlei Planungssicherheit. Wir müssen ohnehin auf die jeweils nächste Regierungspressekonferenz warten, um darauf reagieren zu können.“

profil: Wie schnell könnte man öffnen?

„Sechs Wochen Vorlaufzeit wären am Sprechtheater normal. Gut, jetzt herrscht Alarmbereitschaft, und wir kriegen das vielleicht in vier Wochen hin. Aber alles unterhalb dessen wäre absurd.“

„Das ist auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, es kostet ja eine Menge Geld und braucht viel Personal, ein Haus wie das Volkstheater zu öffnen. Diesen 850-Plätze-Saal können wir nicht für 50 oder 100 Leute verfügbar machen. Deshalb haben wir kleinere, der Situation angepasste Formate entwickelt, die uns ermöglichen trotzdem zu öffnen. Den großen Saal werden wir erst ab einer gewissen Anzahl an Besuchern öffnen, damit sich das ansatzweise ökonomisch und auch emotional lohnt.“

„Die Sanierungsarbeiten waren teilweise erheblich beeinträchtigt durch das Virus, was dann auch die Probenarbeiten, die seit 1. November laufen, erschwert hat. Es gab Ausfälle und Lieferengpässe, Verzögerungen und Mehrkosten.“

„Der Frust und die Sehnsucht bei unseren Mitarbeitenden sind extrem. Theater ist eine Kommunikationskunst, sie entsteht Abend für Abend live, im Austausch mit den Leuten im Zuschauerraum. Die Ungewissheit ist eine Strapaze. Und wir wollen nicht mehr permanent ins Graue hinein arbeiten, brauchen ein Ziel, das es einigermaßen hoffnungsfroh anzusteuern gilt."

„Das Krisenmanagement wird von oben herab betrieben. Es ist autoritär und chaotisch. Mich wundert die Rhetorik der Politik sehr: Da ist von Babyelefanten und Ampeltagen die Rede, das Virus kommt mit dem Auto angefahren, und um 20 Uhr seid ihr bitte alle zuhause. Muss so mit uns geredet werden?“

„Ich glaube, wenn die Geschäfte wieder öffnen, sollten zumindest die Museen aufsperren, weil sie meiner Meinung nach wesentlich sicherer sind als Supermärkte oder Einkaufzentren. Veranstaltungen sind eine andere Sache. Das wird möglicherweise noch etwas dauern, auch wenn ich das nicht hoffe. Andere Länder haben sämtliche Veranstaltungen schon bis Ostern hin gecancelt, viele Theater haben ihren Betrieb komplett stillgelegt. Da nützt der Blick in die Nachbarländer; Österreich ist ja keine Insel, wo man sich freigetestet gut bewegen kann, wir sind Teil Europas. Das Virus hält sich nicht an Grenzen.“

Linz-Ansicht an der Donau mit den Ars Electronica Center und dem Lentos Kunstmuseum

Hemma Schmutz, Direktorin des Linzer Lentos-Museums:

„Es ist uns gelungen, unsere teure Schau zur Arbeit des Schweizer Fotorealisten Franz Gertsch um fast zwei Monate, bis Mitte April zu verlängern, das heißt aber auch, dass wir 2021 eine große Ausstellung weniger machen werden. Viele internationale Leihgeber reagieren, seit die Krise ausgebrochen ist, sehr verständnisvoll auf das Ansinnen, Werke länger als ursprünglich geplant präsentieren zu können.“

„Durch Umsatzkompensation sowie Abbau von Urlauben und Zeitguthaben kamen wir gut über die Runden. Für Veranstaltungen ist allerdings keinerlei Planbarkeit gegeben, deshalb halten wir uns diesbezüglich mit Ankündigungen sehr zurück.“

„Wir können im Bedarfsfall das Haus auch ohne großen Aufwand wieder öffnen. Kurzarbeit kam für uns nicht in Frage, denn als städtische Einrichtung  arbeiten wir großteils mit so genannten ,zugewiesenen MitarbeiterInnen’, die direkt beim Magistrat beschäftigt sind.“

"Wir sind in gutem Austausch mit der zuständigen Politik. Die Stadt Linz wird uns zudem nun mit lang anstehenden baulichen Investitionen unterstützen. Und wir kümmern uns in der Schließzeit eben um unsere Sammlung, haben den Shop umgebaut; wir haben auch ohne Ausstellungsbetrieb gut zu tun.“

 „Am Lentos ist die gegenwärtige Situation weniger dramatisch, weil wir lange nicht so stark vom Tourismus abhängen wie viele der großen Wiener Kunstinstitutionen.“

profil: Eintritt nur mit Attest?

„Das wäre organisatorisch machbar, aber ich halte es für wenig sinnvoll. Ich denke, die Menschen würden im Ernstfall eher daheim bleiben, als sich kurzfristig, nur für einen Museumsbesuch testen zu lassen.“

„Wenn jetzt alle zu beklagen beginnen, dass ihre jeweiligen Partikularinteressen zu kurz kämen, wird man keine vernünftigen Entscheidungen fällen können. Andererseits kann ich aber auch nicht nachvollziehen, dass bestimmte Interessen dann eben doch bedient werden und lange Schlangen vor den Skiliften offenbar machbar sind. Da fühlt man sich als Kunstschaffende schon schlechter gestellt.“

Michael Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums:

„Während die kommerziellen Kinos derzeit überhaupt nicht planen können, weil ihnen schlicht die Ware fehlt, haben wir immerhin den Vorteil, dass wir jederzeit aufsperren und Filmprogramme zeigen könnten, die wir aus unserer eigenen Sammlung kompilieren. Wir könnten innerhalb von 48 Stunden einen Spielplan herstellen. Aber die Geduld unseres Publikums und die Flexibilität, die wir uns ohnehin selbst auferlegt haben, werden weiterhin auf eine harte Probe gestellt durch das politische Chaos – etwa jenes, das sich um das ,Freitesten’ oder neuerdings auch um die ,Eintrittstests’ entwickelt hat. Da wurde uns ein weiteres Ei gelegt. Die Mischung aus chaotischer Ankündigungspolitik und verzweifeltem neuerlichen Rückzug ist für uns alle zutiefst verunsichernd.“

„Dabei spielen wir mit, versuchen so ökonomisch und effizient wie möglich zu agieren, sehen Maßnahmen und Lockdown ein, machen alles Corona-sicher und für den Spielbetrieb bereit. Und dann wird all dies durch politischen Aktionismus einfach wieder umgeworfen. Aber es sind ja nicht die Kulturinstitutionen, die wirklich draufzahlen, sondern das Publikum. Das Filmmuseum kommt auch im Lockdown weiterhin seinen Aufgaben nach, wir machen eben Online-Schulprogramme und forschen, wir digitalisieren die Sammlung und veröffentlichen Bücher. Der wichtigen Aufgabe, Kulturprogramm für unser Publikum zu machen, können wir jedoch nicht nachkommen. Die politischen Entscheidungen der letzten Monate sind, was die Planungssicherheit betrifft, absolut kontraproduktiv gewesen.“

profil: Gibt es Botschaften oder konkrete Ansagen seitens der Bundespolitik, was das Filmmuseum betrifft?

„Nein. Uns geht es da wie auch den meisten meiner KollegInnen aus dem Musik- oder Theaterbereich: Es sieht es so aus, als würden alle Entscheidungen sehr kurzfristig getroffen und kommuniziert werden. Ich habe das Gefühl, dass auch die Beamten, die diese Dekrete umsetzen müssen, vieles erst aus den Medien erfahren. Wir werden seitens des Bundes nicht konsultiert. Wir werden über Entscheidungen informiert, und man drückt uns sein Mitgefühl aus, aber nennenswerte Debatten, gar ein gemeinsames Brainstorming gibt es nicht. In Oper, Theater und Museen ist das offenbar nicht viel anders. Diese Regierung hat ein massives Problem mit Partizipation und kollektiver Entscheidungsfindung. Das ist das alte österreichische Misstrauen gegen die Idee eines mündigen Bürgertums. Der Bürger muss bevormundet werden, denn entweder versteht er nichts von der Sache, oder er ist aufsässig. Diese Haltung der Kultur gegenüber ist mittlerweile echt frustrierend.“

„Mit der Stadt Wien haben wir 2020 nur gute Erfahrungen gemacht, nur positive Signale aus dem Kulturamt erhalten; dort hat man uns tatsächlich auch um unsere Meinung gebeten und darum, Ideen beizutragen oder Sorgen zu äußern.“

profil: Gibt es Kompensation für den Umsatzentfall?

„Wir haben bis jetzt nicht einen Cent gesehen – obwohl wir 2020 einen erklecklichen Einnahmenverlust gemacht und viel Geld für Sicherheitskonzepte ausgegeben haben. Wir konnten vieles kompensieren, es ist daher bei uns nur ein Ärgernis, nicht unmittelbar bedrohlich. Wir sind ein nichtkommerzieller und subventionierter Betrieb, er darf mehr kosten, als er einnimmt. Aber es fehlen nun rund 80.000 Euro. Und die Hilfstöpfe sind leider so gestaltet, dass sie Vereine wie uns in bestimmten Fällen nicht erreichen. Da fehlt – zum Beispiel beim NPO-Unterstützungsfonds – die Treffsicherheit. Wir haben auch alle Anträge auf Umsatzersatz fristgerecht eingebracht; bisher habe ich lediglich die Nachricht, dass die Anträge eingegangen seien. Manche der Bundes-Instrumente sind stumpf. Da müsste stark nachgearbeitet werden.“

„Aber mit den Twitter-Hassblasen möchte man auch nichts zu tun haben. Diese Lagerbildung behagt mir überhaupt nicht, die von der Regierung in gewisser Weise aber befeuert wird: Das Aufrechnen zwischen Stadt und Land, Adlerrunde und Wien, Gastro und Kunst, Skifahren und Kultur wird von ihr einfach toleriert. Kommentare à la ,Die Kulturverliebten’ beispielsweise höre ich in Bezug auf die Wintersportfreunde nicht. Aber ich will auch nicht im Eck der Ski-Hasser stehen. Diese Polarisierung zuzulassen halte ich für sehr bedenklich. Die Potenziale der Zivilgesellschaft bleiben so weiter ungenützt.

profil: Bitte um einen Zukunftsblick.

„Die Fragen lauten: Wird ein Attest oder ähnliches nötig sein, um Kulturveranstaltungen zu besuchen? Wie soll das administriert werden? Und wer haftet im Fall von Infektionen wofür? Und bleibt es bei der 20-Uhr-Deadline? Solange diese Dinge nicht geklärt sind, kann man nicht planen. Persönlich wäre ich nicht überrascht, wenn sich die Kulturöffnung noch in den Februar hinein verschöbe.“

Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber, Leiter des Grazer Filmfestivals Diagonale:

Höglinger: „Emotional ist diese Situation durchaus belastend. Man steht unbewusst immer mit einem Fuß auf der Bremse, obwohl wir mitten in der heiße Phase der Festivalvorbereitung sind. Unser Wunsch geht natürlich in Richtung Präsenzfestival mit strengem Sicherheitskonzept. Die Perspektive fehlt uns ein Stückweit, aber wir setzen auf die Möglichkeit, mit einem guten Sicherheitskonzept aus einer schwierigen Situation das Beste zu machen.“ 

 profil: Eine Verschiebung wäre schwierig?

Schernhuber: „Dafür spräche vieles, aber die Diagonale ist sehr genau in den Kulturkalender eingepasst. Und es wäre natürlich eine große Kostenfrage, vom Personal bis zu den Hotelpreisen. Wir sind erst seit wenigen Wochen finanziell wieder einigermaßen sicher, nachdem uns die Refundierung eines Teils der Kosten für das ausgefallene Edition 2020 zugesichert worden sind.“

Höglinger: „Die Gefahr, die sich allerdings durch Verschiebungen auch anderer Veranstaltungen logisch ergibt, wäre eine extreme kulturelle Ereignisballung ab dem Frühsommer; wenn man es drastisch formulieren will: Eine Art gegenseitiger Kannibalisierung wäre zu erwarten.“ 

Schernhuber: „Ein reines Online-Festival kommt schon deshalb nicht in Frage, weil viele Filmschaffende das gar nicht wollen und auch die Strukturen des österreichischen Films bisweilen konservativ, auf analogen Kinobetrieb ausgerichtet sind.“

profil: Wie läuft die Kommunikation mit der Politik?

Schernhuber:: „Es wäre gut, wenn man die Kulturszene ernster nehmen würde. Man fühlt sich oft wie ein Ball in einem größeren politischen Spiel. Wir vermissen übergeordnete Zielvorgaben. Man kriegt aber immer nur punktuelle Hinweise, und auch die ändern sich im Wochentakt. Unser Festival hat natürlich viele Berührungspunkte zu Hotellerie, Gastronomie und Tourismus. Mit der Mehrgleisigkeit, was die Maßnahmen angeht, ist aktuell schwer umzugehen. Die Bereiche werden gegeneinander ausgespielt. Man muss aber anerkennen, dass im Vergleich zum Frühling 2020 vieles auch besser geworden ist, etwa die Förderungssituation. Es gibt jetzt mehr Sonderförderungen und Tools, um etwa einen Umsatzentfall abzufangen.“ 

 Höglinger: „Wir versuchen uns gegenseitig zu motivieren, auch ein Team trotz allem einzustimmen auf einen Festivalbetrieb, der weiterhin sehr unsicher ist.“

Thomas D. Trummer & Werner Döring, Direktor und Geschäftsführer des Kunsthauses Bregenz:

„Wir haben die Ausstellung Seasonal Greetings von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl im Dezember eröffnet – ein vielbeachteter Erfolg. Die Schließung durch den Lockdown ist schmerzlich, auch weil die Tage zwischen den Jahren traditionell zu den besucherstärksten zählen. Die Ausstellung ist bis zum 14. März vorgesehen. An diesem Plan möchten wir festhalten, zumal Knebl & Scheirl auf die derzeitige Situation reagieren, das Lebensgefühl, die Probleme von Isolation und Erstarrung thematisieren. Im Erdgeschoß befindet sich – wie profil bereits berichtet hat – eine begehbare Installation, die auf Das Eismeer von Caspar David Friedrich Bezug nimmt. Statt des im Eis gekenterten Schiffs sind dort ein weiches Plüschsofa und einige Leuchter aus den 1960er Jahren zu sehen. Ein Versuch, sich am Eis zu wärmen, aber auch Heimeligkeit unter Lustern, die wie Schneekristalle und im heutigen Blick wie eine Karikatur des Corona-Virus aussehen.“

„Als zweite Ausstellung 2021 bereiten wir eine Ausstellung von Pamela Rosenkranz vor. Die Bedingungen sind durch die eingeschränkten Reisemöglichkeiten und logistische Probleme in der Produktion erschwert. Das Kunsthaus Bregenz lebt von maßgeschneiderten Projekten. Künstler*innen planen meist einmalige Raumerlebnisse, die speziell für das KUB entworfen werden. So ist es auch bei der Ausstellung von Pamela Rosenkranz. Ich freue mich sehr auf ein außergewöhnliches Projekt, durchdachte Beobachtungen münden in sinnliche Räume. Die Atmosphäre von Peter Zumthor wird noch gesteigert. Es wird ein Erlebnis! Die Ausstellung von Pamela Rosenkranz ist vom 27. März bis zum 4. Juli vorgesehen.“

„Flexibilität ist mehr denn je gefordert. Wir hatten im vergangenen Jahr eine sehr erfolgreiche Serie von Ausstellungen. Unvergessliche Zeit, die im Juni 2020 unmittelbar auf den Beginn der Krise reagiert hat und über den Sommer lief, zeigte nur Arbeiten, die während Lockdown und Quarantäne entstanden sind. Wir sind überzeugt, dass diese Gegenwart – so schwer sie als Bürde und Last gesellschaftlich, politisch und im Alltag erlebt wird - künstlerisch produktiv ist. Das lässt sich an der Praxis vieler Künstler*innen beobachten. Darum sollten wir Künstler*innen und der Kunst gerade jetzt so viele Chancen wie möglich zu geben, die Themen der Gegenwart ansprechen.“

„Das Auf und Ab macht eine Planung schwierig, es gibt viele Unwägbarkeiten, allenfalls notwendige Verschiebungen, aber auch finanzielle Fragen (z.B. diese: Wer bezahlt bereits gebuchte Transportkapazität, wenn diese verschoben werden muss? Wer übernimmt Flugbuchungskosten, allfällige Honoraransprüche etc.?). Das Kunsthaus Bregenz lebt von dem Engagement der Künstler*innen, die aus allen Erdteilen anreisen, mehrmals im Vorfeld und auch etliche Tage während des Aufbaus hier verbringen. Nur so sind die außergewöhnlichen und unverwechselbaren Ausstellungen möglich, für die das KUB weltbekannt ist. Sind Reisen langfristig eingeschränkt, so werden wir gezwungen werden, auf Fertigware umzusteigen, wie viele Museen das jetzt schon machen, das heißt, auf Werke zu bauen, die von einem Museum ins andere geliefert werden oder einfach im Depot lagern.“

profil: Ist man mit der zuständigen Politik in kontinuierlichem Gespräch?

„Ja. Wir sehen in der Politik das Bemühen, die Situation soweit als möglich zu entschärfen. Doch müssten notwendige Maßnahmen infolge Covid-19 ,ausgewogen’ sein, damit diese verstanden und als gerecht empfunden werden. Freitesten im Gastrobereich gilt für eine Woche, im Kulturbereich 48 Stunden – und dies obwohl die Infektionsgefahr aufgrund der Präventionskonzepte deutlich geringer sein dürfte? Noch schwieriger als die momentane Lage sind wohl die Verteilungskämpfe, die nach der Krise kommen werden. Sie werden zeigen, was die politisch Verantwortlichen wirklich wollen.“

„Die Kurzarbeit war und ist ein Mittel, um anfallende Kosten im Personalbereich zu senken. Trotzdem sind Einnahmeneinbußen etwa bei den Eintrittsentgelten, im Sponsoring etc. unausweichlich und werden uns schaden. Die prognostizierten Einbußen bei den Eigenerlösen liegen für 2021 bei rund 25 Prozent, derzeit bei 100 Prozent. Es erfolgt seitens der Bundesregierung aktuell für den Zeitraum des Lockdowns eine Kompensation von 50 Prozent. Für das Jahr 2021 werden die Einnahmen um rund acht Prozent rückläufig sein (minus drei Prozent bei den Landessubventionen, minus 25 Prozent bei den Eigenerlösen). Für uns ist dies schwer verständlich und nicht nachvollziehbar, dass die ,Investition in die Zukunft’ im Kulturbereich rückläufig ist.“

„Wir benötigen klare Bedingungen, transparent kommuniziert, bei welchen Inzidenzzahlen / Fallzahlen / Intensivbettenkapazitäten der Kulturbereich öffnen darf und welche Bedingungen (Präventionskonzepte, Masken tragen, Freitesten, Impfpflicht?) einzuhalten sind. Dabei brauchen nicht nur Institutionen Perspektiven, auch die Künstler*innen und nicht zuletzt das Publikum. Denn wir brauchen die Kunst, gerade in der Krise.“

profil: Was wird die Krise kosten?

„Viel, aber das alles wird uns auch etwas bringen: Wir werden den Wert der Kunst noch mehr schätzen lernen.“

 Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems:

„Wir haben zum Glück unser Ausstellungsprogramm schon im Frühjahr 2020 umgestellt, als die Corona-Pandemie begann. Uns war klar, das zieht sich länger. So haben wir eine Ausstellung Ende der Zeitzeugenschaft? verlängert, die Folgeausstellung Die letzten Europäer dann erst im Herbst eröffnet und gleich für ein ganzes Jahr geplant. Natürlich hoffen wir jetzt darauf, dass wir irgendwann wieder aufsperren dürfen. Aber das Ausstellungsprojekt hat einen längeren Atem. Die nächste Ausstellung beginnt dann erst im Oktober und wird sich mit dem ersten ,gemischten’ jüdisch-christlichen Viertel von Hohenems beschäftigen, wo im 19. Jahrhundert eher ärmere Menschen lebten: Am Rand.“

profil: Kann man derzeit überhaupt planen?

„Mit hoher Frustrationstoleranz schon – und, was die Ausstellungen angeht, eben längerfristig. Das bei uns ja immer sehr intensive und inhaltlich konzentrierte Begleitprogramm wird in den nächsten Monaten wohl vor allem online stattfinden. Das bietet immerhin auch den Vorteil, ein Publikum weit weg zu erreichen, das der Community des Museums entspricht, die international ist und zu der viele Menschen zwischen Wien, Zürich, Berlin etc. angehören, die auf diese Weise sogar mehr teilnehmen können als sonst. Planen heißt leider auch: absagen. Unsere Sommeruniversität, die immer ein Höhepunkt des Jahres darstellt und jeden Sommer 70 Studierende und Referent*innen aus vielen Ländern zusammenbringt wohl zum zweiten Mal in Folge ausfällt. Andererseits planen wir nun verstärkt Aktivitäten outdoor. Das Museum macht dies seit vielen Jahren, und diese Erfahrung hilft uns nun sehr. Von Outdoor-Workshops und Stadtspaziergängen  bis zu Stadtteilfesten. Was nun dazu kommt ist die Planung eines Radwanderwegs vom Bodensee bis zum Rätikon zum Thema Flucht und Grenze - was angesichts unserer geografischen Lage und der Geschichte der Region naheliegt.“

profil: Sind Sie in produktivem Austausch mit der zuständigen Politik?

„Ja, das sind wir, sowohl auf Stadt-, Landes- und Bundesebene. Aber wir spüren auch eine gewisse Hilflosigkeit in der Politik gegenüber einer Situation, die sich eben nicht planen lässt. Aber die Politik hat jedenfalls erkennen lassen, dass die Unterstützung des Museums nicht nachlassen wird. Vom Bund kamen sogar noch positivere Signale.“

profil: Ist für Umsatzkompensation gesorgt?

„Ja, wir nutzen alle zur Verfügung gestellten Hilfen, von der Kurzarbeit bis zur NPO-Förderung und zur Förderung von Umsatzentgang.“

„Natürlich würden wir uns als Museum wünschen, wenn die Maßnahmen in Kultur- und Wirtschaft etwas zielgenauer an der tatsächlichen virologischen Gefährdung orientiert wären. Auf die Idee, das ,Freitesten“ für Besucher von Restaurants (Test gilt eine Woche) gegenüber dem Besuch von Museen (Test gilt nur 48 Stunden) zu begünstigen, muss man wirklich erst einmal kommen. Umgekehrt hätte es vielleicht fachlich einen gewissen Sinn ergeben. Aber diese Absurdität ist jetzt offenbar wieder vom Tisch.“

profil: Was wird das alles kosten?

Wer soll das wissen? Für ein Museum, dessen Programm fast vollständig durch Eigeneinnahmen (vor allem Förderungen durch Stiftungen, Spenden, Sponsoring etc.) finanziert wird, ist die wirtschaftliche Entwicklung nach der Pandemie sicherlich ein sensibles Umfeld. In den Zeiten des ersten Lockdowns war allerdings aus der Community viel Rückhalt zu spüren, die sich in spontaner Spendenbereitschaft äußerte. Das war schon ermutigend.“

 

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