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#2020
12/17/2020

Best of Film 2020

Es war nicht alles schlecht: Die sehr subjektiven 2020er–Highlights der profil-Redaktion. (Im Bild: „I’m Thinking of Ending Things“)

von Stefan Grissemann

1. „I’m Thinking of Ending Things“ (Regie: Charlie Kaufman)

Beunruhigendes Existenzrätsel, zugleich ein Road – Movie, das sich quer durch die Zeit und ein winterlich – unwirtliches Amerika fräst: eine poetische Analyse der Problemfelder Beziehung, Familie und Alterung. Charlie Kaufmans erst vierte Regiearbeit in 30 Berufsjahren ist eine der seltenen Netflix – Produktionen, die auf konventionelles Erzählen gut verzichten kann.

2. „Über die Unendlichkeit“ (Regie: Roy Andersson)

Und noch eine Exkursion ins Zwischenreich der Menschen – und also Zombieforschung: Der schwedische Meistermelancholiker Andersson führt in außerordentlich artifiziellen Bildern vor, wie fehlbar, exzellent und lächerlich wir alle sind.

3. „The Assistant“ (Regie: Kitty Green)

Sexuelle Ausbeutung und männliche Machtspiele im Filmproduktionsbüro, gesehen aus der Perspektive einer jungen, zwischen Anpassung und Auflehnung schwankenden Assistentin: präzises Protokoll der Arbeitsabläufe in einem verrotteten Kinokulturbetrieb, inspiriert vom Fall Weinstein, aber auf diesen keineswegs beschränkt.

4. „Never Rarely Sometimes Always“ (Regie: Eliza Hittman)

Ein introvertiertes Mädchen macht sich, begleitet von seiner Cousine, auf die Reise nach New York, um heimlich abzutreiben. Eine Virtuosin des gegenwärtigen US – Independentfilms zeigt ihre hohe Inszenierungsklasse.

5. „Le Daim“ (Regie: Quentin Dupieux)

Eine teure Fransenlederjacke nimmt Kontakt zu ihrem durchgedrehten Besitzer auf. Sie will die Einzige für ihn bleiben. Französische Killerkomödie der bizarrsten Art.

6. „Bacurau“ (Regie: Kleber Mendonça Filho, Juliano Dornelles)

Die Reichen kommen, um euch zur Strecke zu bringen. Mit eurer Gegenwehr rechnen sie indes nicht. Dörfliche Folklore – und Splatter – Dystopie aus Brasilien, mit (grob geschätzt) tausend ungeahnten Wendungen.

7. „Exil“ (Regie: Visar Morino)

Der Pharmaingenieur aus dem Kosovo fühlt sich systematisch benachteiligt. Deutsche Psychostudie zum Zusammenhang von sozialer Ächtung und ungesund wachsender Paranoia.

8. „Zombi Child“ (Regie: Bertrand Bonello)

Die untoten Ausläufer des Kolonialismus: Voodoo – Arthouse – Fantasy aus Frankreich.

9. „This Must Be Heaven“ (Regie: Elia Suleiman)

Filigraner Slapstick: Ein palästinensischer Filmemacher denkt über Israel, sein Metier und das Erbe Jacques Tatis nach.

10. „Undine“ (Regie: Christian Petzold)

Tödliche Unterwasserliebe, Stadtforschung und Mythospflege in hauchzartem Melodramenfrost. Die Berliner Schule ist von Schließungen weiterhin nicht bedroht.

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