Autor Wolf Haas

Autor Wolf Haas: "Mein lieber Schwan"

© Gerry Nitsch

Literatur
03/22/2022

"Müll" von Wolf Haas: Brenner-Revue Nummer neun

Wolf Haas und sein neuer Krimi "Müll".

von Wolfgang Paterno

Die Brenner-Bücher von Wolf Haas tönen seit der ersten Lieferung "Auferstehung der Toten" (1996) in einer Art sich gegenseitig ergänzendem Erzähldoppelklang: Brenner-Jargon trifft auf dramaturgisch überspannte Plots-was eine Literatur hoher (zuweilen überspannter) Pointen-Dichte und bizarrer Szenen ergibt. "Ob du es glaubst oder nicht"; "ganz ding"; "Mein lieber Schwan"; "Ja was glaubst du", "Aber interessant ist das schon": So lauten einige der Schreib-USPs des Salzburger Autors, die so nur in Brenner-Bänden zu finden sind.

Den klassischen Eröffnungssatz "Jetzt ist schon wieder was passiert" hat Haas mit dem siebten Brenner-Krimi entsorgt. Aber keine Angst: "Müll", der neue und neunte Brenner, klingt ein wenig wie eine willkommene Raubkopie der bisherigen Saga inklusive hoher Evergreen-Dichte: "Der Brenner natürlich Panik gekriegt, frage nicht."

"Müll" dürfte es gar nicht geben, so oft hat Haas, Jahrgang 1960, seinen Polizisten außer Dienst bereits in Erzählpension geschickt. Gut, dass es "Müll" dennoch gibt, setzt der Roman den in Orange gewandeten Mistplatzmitarbeitern der Wiener Magistratsabteilung 48 doch ein längst überfälliges, kleines Literaturmonument. Brenner, der gefühlt in den Neunzigern stecken geblieben ist, muss sich diesmal als 48er mit Leichenteilen und geschredderten Festplatten herumärgern, um einigermaßen den Durchblick unter Halbblinden zu bewahren, natürlich unter Wahrung eines gewissen "Miststolzes".

Einzige Gefahr: Brenner darf nicht Brunetti werden. Donna Leons Ermittler hält inzwischen bei 31 Bänden.