Interview

Stefanie Sargnagel: „Ich bin nicht mehr der neueste Scheiß“

Die Wiener Autorin und Cartoonistin Stefanie Sargnagel reiste ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und musste dort erkennen, dass sie kein Talent zum Schusswaffengebrauch hat und Humor schlecht lehrbar ist. Ein Gespräch über Amerika und idiotische Touristen.

Drucken

Schriftgröße

Frau Sargnagel, im Vorjahr hielten Sie in den USA einen Creative-Writing-Kurs ab. Wie war das Leben unter Waffen?
Sargnagel
Gewöhnungsbedürftig. Mein erstes Waffenverbotsschild in einem Restaurant empfand ich noch als sehr irritierend, bald wurde aber klar, dass Waffen hier gesellschaftlicher Standard sind. Ich suche die Nähe zu Verrückten, scheue keine Eskalation auf offener Straße. In Amerika sucht man aber manchmal lieber das Weite. Für einen TV-Beitrag musste ich selbst einmal schießen, weil Schnittbilder aufgenommen werden sollten. Schon sehr verrückt, so eine Tötungsmaschine in Händen zu halten. Nicht zu vergessen der total verrückte Machtrausch, den Waffen auslösen.
Mit was für einer Waffe schossen Sie?
Sargnagel
In einem Schießkeller mit einer Handfeuerwaffe. Das Abdrücken selbst war eine Riesenhemmung. Gleichzeitig kann man mit so einem Gerät innerhalb von Sekunden sein ganzes Umfeld beseitigen. Schießen macht was mit einem. Man kennt es auch aus Filmen und Serien. Männer mit Waffen sind darin immer so coole Typen. Waffen bleiben Tötungsgeräte, die man in der Tasche spazieren führt.
Ihr neues Buch „Iowa“ erzählt ausführlich von Ihrer gemeinsam mit der deutschen Musikerin und Autorin Christiane Rösinger unternommenen Reise in den Mittleren Westen der USA. Sie berichten, dass sie am Ende in einer Schießbude mit Lasergewehr auf Häschen und Füchse geschossen haben. Wie war Ihre Trefferquote?
Sargnagel
Schlecht. Ich habe kein Talent dazu. Bei feinmotorischen Sachen war ich noch nie besonders gut.
Wolfgang   Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.