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Meinung
01/23/2021

Elfriede Hammerl: Geschäftsmodell

Warum die Jägerin des goldenen Greises ein Ärgernis für Frauen ist.

von Elfriede Hammerl

Lassen Sie uns einmal über ein Geschäftsmodell reden, das von Zeit zu Zeit in den Fokus des öffentlichen Interesses rückt und eine alte Volksweisheit zu bestätigen scheint, die da lautet: Frauen können sich doch einen reichen Mann angeln, und dann sind sie alle Sorgen los.

Das Geschäftsmodell geht so: Eine sehr junge Frau mit betörend schlichter beruflicher Ausbildung begibt sich, wie auch immer, in die Nähe eines supersuperreichen alten Mannes und schafft es, womit auch immer, ihn an sich zu fesseln (vielleicht ein Ergebnis harter Arbeit – wollen wir ihr zugestehen, dass sie sich geplagt hat) und, wenn nötig, von der Seite einer verblühten Gefährtin zu pflücken. Danach Hochzeit, tschinderassa, die alte Alte (und häufig auch die Kinder aus der Verbindung mit dieser) sind Geschichte. Fortan regiert die Neue den Greis, den sie so erfolgreich an den, äh, sagen wir: Hörnern gepackt hat, und die Yellow Press schreibt was von großer Liebe. Hart schuftende Sexarbeiterinnen in aller Welt wischen sich eine Träne aus den Augen. Ob aus neidischem Frust oder mit der unerschütterlichen Hoffnung auf eine ähnliche persönliche Zukunft, erfahren wir nicht.

Ein paar Jahre später ist die nunmehrige Gattin oder Witwe des Herrn über ein milliardenschweres Imperium von mehr oder weniger dubioser Provenienz eine von allen Seiten hofierte Repräsentantin der Happy Few, Business Woman, Aufsichtsratsmitglied, Turnierreiterin, Ehrenpräsidentin, Kunstsammlerin, Tierschützerin, Jägerin, Festspielbesucherin und was weiß ich sonst noch. Politisch ist sie meist rechts von Dschingis Khan verankert, wie auch nicht, Goldgräberinnen träumen nicht von einer besseren Welt, sondern glauben an den gerechtfertigten Sieg räuberischer Instinkte.

Na und? Jede nach ihrem Gusto. Wir leben in einem freien Land.

Eh. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass derlei Karrieren schon ein Schlag ins Gesicht aller Geschlechtsgenossinnen sind, die es ohne Geschlechtseinsatz zu Ansehen bringen wollen, eine herbe Enttäuschung für kluge, eigenständige, tüchtige junge Frauen, die sich eigentlich in einer Welt sehen möchten, wo nicht skrupellose alte Männer Status, Wohlstand und Macht nach ihrem persönlichen Gutdünken an willige Gespielinnen verteilen und unwilligen Frauen – mit Vorbildwirkung – den Respekt verweigern.

Dass die in die Jahre gekommenen Milliardäre, die wir hier nicht ungezogen Geldsäcke nennen wollen, obwohl sie genau das für die Jägerinnen des goldenen Greises sind, dass also diese schlauen Herren so oft auf Damen abfahren, die ihre Zeit nicht mit dem Erwerb akademischer oder wenigstens sonst halbwegs nennenswerter Abschlüsse verplempert haben, mag auf den ersten Blick verblüffen, erklärt sich aber vielleicht damit, dass das Zusammenraffen schwindelerregender Vermögen nicht unbedingt auf einen Feingeist verweist, der nach kultivierten Gesprächen dürstet. Die schlauen Herren haben es feierabends möglicherweise gern einfach.

Ich gebe zu, dass ich hier auf Vermutungen angewiesen bin, denn meine Erfahrungen im Umgang mit milliardenschweren Zauseln gehen gegen null, aber vieles, Sie stimmen mir hoffentlich zu, deutet darauf hin, dass ich richtig liege mit meiner nicht allzu kühnen These.

Die Goldgräberinnen jedenfalls bringen Frauen in Verruf. Nur zu bereitwillig führt eine missgünstige Öffentlichkeit – missgünstig nicht gegen die Goldgräberinnen, sondern gegen Frauen im Allgemeinen – ihr Verhalten auf eine imaginierte feminine Hamsternatur zurück, derzufolge die Paarungsbereitschaft der Frau vor allem vom ökonomischen Interesse bestimmt wird. So san s’ angeblich, die Weiber.

Tatsächlich gibt es das Phänomen, dass Zaster im Hintergrund das Begehren ungemein steigert, auch unter Männern, weswegen Erbinnen oder betuchte (Scheidungs-)Witwen umschwärmte Lustobjekte sind, egal wie anziehend sie auf den ersten Blick scheinen mögen.

Manchmal findet auf diese Weise verarmte männliche Aristokratie wundersam zu weiblichem Mäzenatentum, aber immer wieder einmal kommen dabei auch Bewerber aus den unteren Rängen der gesellschaftlichen Hierarchie zum Zug, der fesche Fitnesscoach zum Beispiel oder der muskulöse Bodyguard.

Dass aufstiegsorientierte junge Männer Töchter aus (einfluss-)reicher Familie interessanter finden als die schönen Kinder des Proletariats, ist sogar ziemlich häufig der Fall, und selbst jugendliche Rebellen stellen sich nicht ungern der Aufgabe, das Generaldirektorentöchterl von der Schändlichkeit des väterlichen Mammons zu überzeugen, während sie Papis Hausbar plündern.

Trotzdem heißt es nicht: So san s’, die Männer. Die Paarungsvorlieben einiger  diskreditieren nicht das ganze Geschlecht. Männer als Masse gelten nicht als potenzielle Mitgiftjäger, niemand sagt, auch nicht augenzwinkernd, zu einem heranwachsenden jungen Mann: Kannst ja reich heiraten! Dieses Geschäftsmodell wird nur jungen Mädchen nahegelegt, wie unappetitlich und letztlich unrealistisch es auch ist. Die Moral daraus? Na, gar keine.

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