© Walter Wobrazek

Meinung
04/13/2017

Rainer Nikowitz: Alles neu macht der Mai

Nach dem Karfreitag naht auch für eine andere Glaubensgemeinschaft der Tag, an dem gerne gekreuzigt wird: 1. Mai, Golgota Wien, Rathausplatz.

von Rainer Nikowitz

Kern: Freundschaft! Faymann: Du mi a.

Kern: Geh! Du wirst mir do net am End immer no bös sein! Wir san doch schließlich a große Familie. Faymann: Wenn des Hauptmerkmal von ana Familie is, dass ma si’s net aussuchen kann – dann ja.

Kern: I wollt di was fragen wegen dem 1. Mai. Faymann: I hab mir ja denkt, i geh da in a net ganz unbürgerliches Drei-Hauben-Lokal und lass mi von ana Masse von Werktätigen bedienen. Und naa, du bist net eingladen.

Kern: Du weißt, was i mein: Rathausplatz. Es ist mei erstes Mal. Faymann: I würd dir ja wahnsinnig gern sagen, dass es net weh tut, Schatz. Aber …

Kern: Du bist a große Hilfe. Faymann: Außerdem bin i mir ziemlich sicher, dass es keine Slim-Fit­Nelken gibt.

Kern: Vielleicht war des do net so a Spitzenidee, grad di zu fragen. Faymann: Naa, in echt glaub i ja eh, dass des voll super wird. Angeblich wird’s am Rathausplatz heuer auch wieder ganz viele „Werner, der Kurs stimmt“-Schilder geben.

Kern: Christian. I heiß Christian. Faymann: I weiß. Drum sag i ja.

Kern: Was soll des heißen? Faymann: Dass desmal eher des „Team Haltung“ damit wacheln wird.

Kern: Zwischen unsern linken Flügel und mi passt ka Löschblattl! Faymann: Weißt no, warum mi de letztes Jahr vom Platz pfiffen ham?

Kern: Wegen deinem Rechtsruck. Faymann: Und woraus hat der bestanden? Aus einem Türl mit Seitenteilen. Für so an Rechtsruck kriegert i heutzutag net den Weisel, sondern den Hosenbandorden der Zivilgesellschaft.

Kern: Na ja, da war aber scho no ein bissl mehr. Faymann: Und zwar?

Kern: Du bist zum Beispiel net dorthin gangen, wo unser linker Flügel lebt. Faymann: In den Gemeindebau?

Kern: Auf Facebook und Instagram. Faymann: Oft braucht’s halt net viel zum Messias. Aber weniger als bei dir war’s nur no beim Brian von de Monty Python. Da hat scho a Schuh greicht.

Kern: Es war halt a gewisse Sehnsucht da nach einem Erlöser. Faymann: Und jetzt macht genau dieser Erlöser a Politik, gegen de i rückblickend Che Guevara war.

Kern: Glaubst, is des in der Sektion Twitter scho wem aufg’fallen? Faymann: Lass mi amoi schauen: Obergrenze, Widerstand gegen Relocation, Burkaverbot, Mindestsicherung, rot-blaue Annäherung, die ich Rechtsabweichler immer kategorisch ausgschlossen hab – du na, i glaub eigentlich net.

Kern: Und warum hauen s’ mi dann no net wie an Tanzbären? Faymann: Weil sie die meiste Zeit damit beschäftigt san, in ihrer Gated Community im Sesselkreis zu sitzen und „Ich bin okay, du bist okay“ zu posten?

Kern: Spüre ich da eine zarte Bitterkeit? Faymann: Also gut: Weil sie nach dir doch mit ana gewissen Wahrscheinlichkeit eher den Doskozil kriegen täten als den Andi Babler oder die Julia Herr?

Kern: Du meinst also, bei denen hat si so was wie Realismus breitgmacht? Faymann: So weit würd i a wieder net gehen.

Kern: Siechst, und drum fürcht i mi a bissl vorm 1. Mai. Was is, wenn s’ mi a auspfeifen? Faymann: Heast, du bringst mi auf a Idee. Vielleicht schau i an Sprung vorbei, bevor i essen geh.

I lehn mi zruck und schau mir ab Herbst völlig entspannt an, wie der Kurz des dann macht.

Kern: Im Ernst jetzt. Faymann: Also guat: Wenn s’ schiach zu dir san, dann machst, was i gmacht hab.

Kern: Zrucktreten? Faymann: No net glei. Für’n Anfang versteckst di amoi hinterm Häupl Michl und singst dann aus Protest bei der Internationalen falsch mit.

Kern: Des klingt ma eher net nach ana nachhaltigen Lösung. Faymann: Wenn i ane gwusst hätt, dann hättst du heute immer no Fotos von coolen Stellwerken und neuen Railjet-Snacks auf dein Instagram-Dings. Für drei Follower. Und außerdem, selbst wenn i ane wissert: Warum sollt i ausgrechnet dir Tipps geben? Du hast mi schließlich abgsagelt.

Kern: Des is gemein. Nur, weil i mi in einer schwierigen Situation dem Ruf der Partei net verschlossen hab? Faymann: Einiges an dem Ruf war ja dei eigenes Echo. Aber egal, i bin drüber weg. I lehn mi zruck und schau mir ab Herbst völlig entspannt an, wie der Kurz des dann macht. Weil: I bin dann nimmer schuld.

Kern: Dazu muss mi der Kurz erst einmal schlagen. Faymann: Der war guat.

Kern: Kann i im Wahlkampf wenigstens auf dei Unterstützung zählen? Faymann: Was soll i denn machen?

Kern: In der Öffentlichkeit weiterhin so eisern die Goschen halten. Faymann: An sich gern. Außer, irgendwer will, dass i was Negatives über di sag.

Kern: I hätt’s besser wissen sollen. Aber guat, ab jetzt wird mei Harmoniebedürftigkeit nimmermehr mit mir durchgehen. Auf Wiederschauen. Faymann: Freundschaft! Kern: Du mi a.

Dieser Artikel stammt aus dem profil Nr. 16 vom 13.4.2017. Das aktuelle profil können Sie im Handel oder als E-Paper erwerben.

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