Rainer Nikowitz: Der Rechthaber

Rainer Nikowitz: Der Rechthaber

Innenminister Kickl hätte also gern, dass ihm das Recht folgt. Obwohl es bei FPÖ-Politikern ja meist besser funktioniert, wenn es sie verfolgt.

profil: Herr Minister, wann haben Sie denn zum ersten Mal gespürt, dass es eigentlich viel gescheiter wäre, wenn das Recht Ihnen folgen würde – und nicht umgekehrt?
Kickl: Schon sehr früh. Ich war bei allen diesen Sachen ein Frühreifer.
profil: Das hab ich mir gedacht. Die Auserwählten merken ja eigentlich immer gleich, dass sie es sind.
Kickl: Mein Turm wäre damals von Rechts wegen im Kindergarten der höchste gewesen. Meiner! Aber was is passiert? Die Tante war eine Linke und hat darauf bestanden, sie hätt gsagt, dass die Steine alle rot sein müssen.
profil: Es tut immer noch weh, oder?
Kickl: Ich war doch nur ein unschuldiges Kind, das gewinnen wollte! Aber was einen nicht umbringt, macht einen noch härter. Und je öfter man mir in der Folge auf meinem an sich unaufhaltsamen Weg nach oben Prügel vor die Füße geworfen hat, desto klarer ist mir eines geworden: Ich werde eines Tages der sein, der die Regeln macht. Und nicht mehr der, der sie befolgt.

profil: Ich könnte mir vorstellen, dass man beim Kickerl nach der Schule sehr gern in ihrer Mannschaft gewesen ist – bei Ihrer Einstellung!
Kickl: Dort hat es keinen Schiedsrichter gegeben. Nur einen Ehrenkodex. Und das war natürlich eine gmahte Wiesen für mich. Beim Tennis war das ja leider bald anders. Wenn die Linienrichter eine vernünftigere Sicht der Dinge gehabt hätten, wären die Top Ten für mich drin gewesen. Aber ich hab das nicht vergessen. Irgendwann werden wir auch dort noch aufräumen …
profil: Jedenfalls werden die Prügel ja bis zum heutigen Tag nicht weniger. Jetzt fährt die linkslinke Jagdgesellschaft sogar schon die Menschenrechtskonvention auf, um Sie von der Arbeit abzuhalten.


Habe ich mich auf meinem Weg nach oben davon aufhalten lassen, dass es Schulnoten gibt?

Kickl: Habe ich mich auf meinem Weg nach oben davon aufhalten lassen, dass es Schulnoten gibt? Nein. Hätte ich sie für meine Klasse abgeschafft, wenn ich damals schon die Macht gehabt hätte? Na klar.
profil: Die Menschenrechtskonvention ist aber ein bissl ein anderes Kaliber als ein Vierer in Mathematik.
Kickl: … und meine Triathlon-Zeit wird auch schlagartig besser werden, wenn mir dann endlich das Triathlon-Recht folgt. Und ich mir dann endlich selbst erlauben kann, manchmal eine Abkürzung zu nehmen …
profil: Aber jetzt müssen Sie …
Kickl: Und … mit dem Studium werde ich dann übrigens auch bald fertig sein! So eine verstaubte Prüfungsordnung ist ja schnell geändert.
profil: Äh … ja. Wir schweifen ein wenig ab.
Kickl: Ja, aber das ist ein wichtiges Thema für mich!
profil: Das merkt man …

Kickl: Eigentlich das Allerwichtigste: Wieso krieg ich nicht einfach immer, was ich will? Ich sag’s Ihnen: Weil immer irgendwelche sinnlosen Regeln gegen mich sind!
profil: Und die meisten sind wahrscheinlich auch noch uralt. Aus den Fünfzigerjahren oder so.
Kickl: Genau. Wenn sie wenigstens aus den Dreißigern wären.
profil: Na ja, dann wär’s wiederum komplizierter. Wenn die noch gelten würden, dann würden Sie sie ja befolgen wollen. Dann bräuchten Sie ja keine neuen.
Kickl: Das wird mir jetzt zu philosophisch.
profil: Ich dachte, Sie sind einer.
Kickl: Das glauben maximal meine Parteikollegen. Aber unter denen sind sich auch nach wie vor manche nicht sicher, ob die Erde nicht doch eine Scheibe ist.
profil: Nicht zuletzt deshalb sind Sie ja in dieser Partei. Da sind Sie wer, und man lässt Sie schon lang die Regeln machen.

Kickl: Jetzt bin ich aber im Land auch endlich wer! Da schau her, Tante Frieda! Der kleine Herbert aus der Fliegenpilzgruppe ist jetzt wer!! Und mein Turm war höher. So.
profil: Und jetzt, wo Sie sich endlich auf dem Gipfel der Macht befinden, kommen Ihnen die mit so etwas Lächerlichem wie der Menschenrechtskonvention. Wobei: Abschaffen werden Sie die ja wirklich nicht können.
Kickl: Wer sagt denn des?
profil: Verfassungsrechtler. Das wäre eine Totaländerung der Bundesverfassung, und damit bräuchte es eine Volksabstimmung.
Kickl: Volksabstimmungen sind unsere Spezialität! Wollen Sie sich da einen Wahlkampf vorstellen, den ich gemeinsam mit der „Krone“-Demokratie-Redaktion konzipier?
profil: Uh. Lieber nicht. Aber der Bundeskanzler ist ja auch dagegen. Und das hat er Ihnen deutlich gsagt.
Kickl: Sagt wer?
profil: Na, er.
Kickl: Da sagt’s a scho wer.


Ihnen wird dos Lachen schon noch vergehen.

profil: Wollen Sie damit andeuten, er hätte die FPÖ nicht im Griff?
Kickl: Kann man eine Naturgewalt denn jemals im Griff haben?
profil: Bisher hat sich auch eher herausgestellt, dass es gerade bei einem FPÖ-Politiker besser funktioniert, wenn ihm das Recht nicht folgt, sondern ihn gleich verfolgt.
Kickl: Jaja. Sehr lustig. Aber Ihnen wird dos Lachen schon noch vergehen.
Spätestens, wenn i es dann endgültig gschafft hab und Ankläger, Richter und Henker in ana Person bin.
profil: Ja. Dann wird unter Garantie
alles besser.
Kickl: Für die Richtigen schon.
profil: Und für die anderen?
Kickl: Wären s’ halt net anders worden.

rainer.nikowitz@profil.at