© Udo Titz

Meinung
01/16/2021

Rainer Nikowitz: Schuld und Sühne

Das an sich Undenkbare ist eingetreten: Die Umfragewerte von Sebastian Kurz befinden sich im Sinkflug. Aber an Abhilfe wird schon gearbeitet.

von Rainer Nikowitz

Das tut weh: Minus sieben Punkte bei der aktuellen Umfrage für den APA/OGM-Index, der den Grad des Vertrauens der Bevölkerung in einzelne Politiker abbildet. Mit einem Saldo von plus 20 ist Sebastian Kurz denn auch nur auf Platz zwei der Rangliste hinter Bundespräsident Alexander Van der Bellen – der schmachvollerweise mehr als doppelt so viele Punkte aufweist.

Doch auch der Blick nach hinten hält für den Kanzler nur wenig Erfreuliches bereit. Hinter ihm folgt nämlich mit knappem Rückstand eine Ministerin, die derzeit gar nicht mitregiert (die in der Babypause befindliche Justizministerin Alma Zadić) – und dann kommt schon Arbeitsminister Martin Kocher, dem gleich sein allererster, in seiner Fulminanz von allen Kommentatoren offenbar völlig unterschätzter Tag in der Politik gereicht hat, um auf Anhieb dem Godfather himself gefährlich nahe zu kommen. Und natürlich vor allem: beleidigend nahe zu kommen. Aber noch zu kurz dabei zu sein, um etwas verbocken zu können, ist heutzutage eben nicht nichts. 

Karrieretechnisch – und wie man vermuten darf, darob durchaus auch in puncto Gemütszustand – weiß sich also Sebastian Kurz derzeit mit vielen anderen in besonders krisengebeutelten Branchen arbeitenden Österreichern eins: Er hat schon bessere Zeiten gesehen. Und der bislang ausschließlich siegeserprobte Kanzler vermisst diese scheinbar auch schon so heftig, dass seit geraumer Zeit Gerüchte die Runde machen, er liebäugle damit, seine Universallösung für Probleme, für die er sonst keine weiß, einzusetzen – und also schon wieder einmal eine Koalition vorzeitig zu beenden.

Diesmal aber nicht mit darauffolgenden Neuwahlen – die wären ja im Moment ebenso schwer zu erklären wie zu bewerkstelligen –, sondern praktischerweise gleich mit einem fliegenden Wechsel zur SPÖ. Selbstredend unter wortreicher Abladung und Hinterlassung jeglicher Verantwortung für jegliches Missmanagement in der Bekämpfung der Pandemie beim Lieblingsfeind, dem leider Gottes heillos überforderten Rudolf Anschober (Sebastian Kurz wird sich übrigens mit Sicherheit in all dem Elend zumindest über eines beinahe wild freuen: Sein grüner Lieblingsfeind hat in besagtem Vertrauensindex noch mehr verloren und ist jetzt nur mehr Achter).

Nachdem aber doch noch als kleine Restunsicherheit einkalkuliert werden muss, dass Pamela Rendi-Wagner in ihrer politischen Karriere auch ausgerechnet diesen einen Fehler nicht machen könnte, muss es in einer taktikaffinen Partei wie der ÖVP natürlich auch einen Plan B geben. Und der sieht so aus.

1. Den Briten die Schuld geben. Nach den isländischen Virenschleudern in Ischgl haben wir jetzt in Jochberg die nächsten verseuchten Ausländer, die unser unschuldiges Tirol ansandeln. Diesmal sogar mit einer Mutation, die nicht nur den Skibetrieb ernsthaft gefährdet (und das geht, wie mittlerweile wohl auch das flache Österreich hinreichend begriffen hat, gar nicht), sondern vor allem im Verein mit unserer rasant dahinrollenden Impfkampagne …, die jetzt dann gleich so richtig losgeht …, also demnächst halt …, bald … jedenfalls heuer sicher noch!, die also zusammen damit ein echtes Problem werden könnte. Zum Glück ist das Losgehen auf die Briten nach dem Brexit viel leichter geworden, da man ja jetzt in Brüssel nicht mehr dauernd neben der anstrengendsten Blondine seit Maria Fekter sitzen muss, die auch genauso viel zurückredet. Auf Englisch noch dazu.

2. Den Journalisten die Schuld geben, vor allem dem ORF. Wenn Wrabetz wirklich wiedergewählt werden möchte, dann muss er einfach dafür sorgen, dass der große Schulterschluss gelingt. Und das tut er am besten dadurch, dass ab sofort sämtliche Wetterkameras im Westen senkrecht nach oben blicken! Und nicht etwa in die Gegend der nächsten Liftstation! Ja, es geht manchmal nicht ohne hässliche Bilder, niemand, der das besser weiß als der Kanzler. Aber diese sind nun wirklich nicht hilfreich, da muss man schon fragen, wo da die journalistische Verantwortung bleibt. Diese Bilder locken nur noch mehr Briten an. Und noch mehr Journalisten. Und da weiß man ja auf die Schnelle gar nicht, was schlimmer ist.

3. Wien die Schuld geben. Egal woran. Egal warum. Hat in der Vergangenheit schon gut funktioniert und ja auch das Publikum keineswegs ermüdet. Anm.: Falls der Koalitionswechsel zu Pamela Rendi-Wagner doch noch gelingen sollte – dann umso mehr! Außerdem dann selbstverständlich auch: von Beginn an ihr die Schuld geben. Wozu hat man denn dann eine Ärztin? Sebastian wird rollen und tun es.

 

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