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profil-Morgenpost
07/29/2022

„Ich habe Angst, dass ich für immer in Russland bleiben muss“

Die US-Basketballerin Brittney Griner sitzt seit Monaten in Russland in Haft. Nun soll ein Gefangenenaustausch stattfinden.

von Lena Leibetseder

Guten Morgen!

Sie trägt die Nummer 42 am Rücken, wenn sie am Court steht. Auch zu ihrem sechsten Prozesstag trägt Brittney Griner ein Shirt ihres Teams Phoenix Mercury. Dort ist die zweifache Olympia-Siegerin seit 2013 unter Vertrag, und wenn die US-Liga in Saisonpausen geht, dann spielt sie für den russischen Klub UGMK Jekaterinburg, zwei Flugstunden östlich der Hauptstadt. Jetzt steht sie in Moskau vor Gericht.

Griner wurde am 17. Februar am Flughafen Scheremetjewo in Moskau festgenommen. In ihrem Gepäck: Vape-Kartuschen mit Cannabis-Öl. In den USA ist das Öl legal, es wurde Griner ärztlich verschrieben. Sie habe die Vape-Patronen wohl unabsichtlich und im Stress eingepackt, sagte sie am Mittwoch vor Gericht aus. Ihr drohen jetzt bis zu zehn Jahre Haft – wegen weniger als einem Gramm Cannabis. „Ich hatte nicht die Absicht, das russische Gesetz zu verletzten,“ so wird Griner zitiert.

Die US-Regierung sprach schon im Mai von einer unrechtmäßigen Verhaftung. Vergangene Woche legte Joe Biden nach und kündigte ein Dekret an, das es US-Behörden ermöglichen soll, durch beispielsweise finanzielle Sanktionen effektiver gegen unrechtmäßige Inhaftierungen vorzugehen. Außerdem soll der Informationsaustausch zwischen den Familien von Betroffenen und den US-amerikanischen Behörden erleichtert werden.

Anfang Juli hatte Griner dem US-Präsidenten einen Brief geschrieben, in dem sie ihn eindringlich um Hilfe bat: „Ich habe Angst, dass ich für immer hierbleiben muss. Mir ist klar, dass Sie viel zu tun haben, aber vergessen Sie mich und die anderen amerikanischen Häftlinge nicht. Bitte tun Sie alles, was Sie können, um uns nach Hause zu bringen.“

Aus Moskau heißt es, dass es sich keineswegs um einen politischen Prozess handle, und außerdem sollen die US-Behörden das russische Recht respektieren. Dennoch gibt es wiederholt Spekulationen, dass Moskau den Fall Griner ausspielen will, um in den USA inhaftierte russische Gefangene auszulösen. Immer wieder fällt der Name Wiktor But, ein in den USA in Haft sitzender russischer Waffenhändler.

US-Außenminister Antony Blinken plant in den kommenden Tagen erstmals seit Beginn des Ukraine-Krieges mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow zu sprechen, es soll dabei auch um die Freilassung von Griner und ihrem Landsmann Paul Whelan gehen, dem Spionage vorgeworfen wird. Ein dementsprechender Vorschlag sei schon vor Wochen auf den Tisch gelegt worden, sagte Blinken bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Griner ist schon längst zur Schachfigur der verhärteten Fronten zwischen dem Westen und Russland geworden – auch wenn es sich laut Russland dezidiert nicht um ein Politikum handle. Nur: Gerade in Zeiten des Ukraine-Krieges ist es eher kurios, das Agieren Moskaus gegenüber den USA als rein unpolitisch interpretieren zu wollen.

Ein schönes Wochenende wünscht

Lena Leibetseder