profil - Morgenpost

Wie wir durch Krisen kommen

Im aktuellen Krisen-Marathon ist ein gesundes Selbstvertrauen Gold wert. Nur: Woher kommt es? Und was brauchen Kinder, um es aufzubauen?

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In den frühen Nullerjahren gibt es auf der New Yorker Musikuniversität eine junge Frau namens Stefani, die es alles andere als leicht hat. In der Klasse wird sie gemobbt, ihre Kolleginnen und Kollegen gründen sogar eine Facebook-Gruppe mit dem Titel „Stefani, you will never be famous“. Doch die junge Frau lässt sich von den Abwertungen und Niederlagen nicht beirren – und wird am Ende recht behalten: Stefani Germanotta, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen „Lady Gaga“ ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Musikerinnen aller Zeiten.

In der aktuellen profil-Titelgeschichte beschreibt Angelika Hager anhand von Erfolgsgeschichten wie diesen, wie Niederlagen unser Selbstvertrauen stärken können. Die Strecke ist Teil der neuen profil-Serie „Ladestation“, in der psychische Themen wie Angststörungen, Überlastung und Sucht aufgearbeitet werden. In Analysen und Gesprächen mit Expertinnen und Experten schafft Angelika Hager eine Art Therapie zum Lesen – äußerst lesenswert!

Beim Thema Selbstvertrauen gibt es vorweg eine gute Nachricht: Es ist keine fixe Größe die, einmal in der Kindheit erworben, nicht mehr verändert werden kann. Die weniger gute: Die Zuversicht, Herausforderungen zu meistern, kann man sich nicht etwa durch die Lektüre von Lebensratgebern aneignen. Für ein gesundes Selbstvertrauen braucht es schon mehr.

Mit Wundverband im Rennauto

Es gibt Menschen, die es von sich aus schaffen, ihr Selbstbewusstsein nach einem Rückschlag wieder aufzubauen. Zu ihnen gehört Niki Lauda. Der 2019 verstorbene Rennfahrer stieg nur 42 Tage, nachdem er einen Unfall knapp überlebt hatte, wieder in seinen Ferrari. Lauda hatte schwere Brandverletzungen erlitten, im Rennauto begann seine transplantierte Kopfhaut zu bluten, ihn quälten Todesvisionen und Panikattacken, doch Lauda gab nicht auf – und näherte sich dem Rennfahren langsam wieder an. „Ich habe mich gezwungen so zu tun, als ob gar kein Grand Prix auf dem Plan stünde“, erinnerte sich Lauda später. Am Ende war er „schneller als die vielen Depperten, die die nicht Wochen im Spital hinter sich hatten“ – und erreichte den vierten Platz.

Wie schafft man so etwas?

Ein einfaches Rezept für mehr Selbstvertrauen gibt es nicht. Seine Höhe hängt offenbar maßgeblich davon ab, wie gut einschneidende Erlebnisse verarbeitet werden. Auch soziale Beziehungen und Bindungen spielen eine Rolle.

„Wenn du es nicht hast, fake es!“

Für Eltern stellt sich die Frage: Wie schaffe ich es, mein Kind zu einem selbstbewussten Menschen zu erziehen, der mit Kränkungen umgehen kann und an Niederlagen wächst? Auch hier gibt es keine einfache Anleitung, verraten werden soll hier in aller Kürze nur so viel: Extreme Erziehungsstile wie Überbehütung oder eine Idealisierung des Kindes sind auf dem Weg zum selbstbestimmten Erwachsenen eher hinderlich.

Bei Niederlagen sind Trost und Ermutigung geboten. „Eine sichere Bindung ist eine wichtige Basis und beeinflusst einen lebenslang“, sagt der Entwicklungspsychologe Peter Zimmermann im profil-Interview. Das Vertrauen in Bezugspersonen ist demnach die Voraussetzung für ein gesundes Selbstvertrauen.

„Vertrauen in dich ist der Schlüssel zu allem“, sagt auch Stefani Germanotta, die gemobbte Kunststudentin von damals. „Wenn du es nicht hast, fake es!“

Bei Lady Gaga hat es funktioniert. Sie hat mittlerweile mehr als 170 Millionen Tonträger verkauft.

Siobhàn Geets

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort.