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profil-Morgenpost
08/02/2022

Ablösegespenster und andere schräge Vögel

Business as usual: Der Kanzler wackelt, die Spatzen pfeifen von den Dächern und illegale Palmkakadus reisen im Privatjet.

von Sebastian Hofer

Die Nachrichtenlage wirkt erstaunlich stabil dieser Tage: In Odessa wurde gestern der erste Getreidefrachter in Richtung Libanon ausgeschifft, auf der Hohen Warte prognostiziert man die nächste Hitzewelle, Corona wurde per Ministerratsbeschluss zu einer Art Schnupfen degradiert und über der ÖVP-Zentrale kreist wieder einmal das Ablösegespenst. Es hat, wieder einmal, den regierenden Bundeskanzler im Visier, der diesmal Karl Nehammer heißt. Der hat zwar erst vor Kurzem von seiner Partei 100 Prozent Zustimmung zugesagt bekommen, aber weil dieselbe Partei halt gerade rasant in Richtung U20 (Prozent) tendiert, jetzt eben doch den Schwarzen Peter auf der Hand, weshalb jederzeit mit einer „persönlichen Erklärung“ zu rechnen ist.

Als möglicher Nachfolger, also, wenn wir richtig zählen, Viertkanzler, wurde zuletzt Finanzminister Magnus Brunner gehandelt, der im neuen profil allerdings jeden Karrieresprung in Abrede stellt, womit wir auch schon beim Thema wären, nämlich beim neuen profil. In diesem steckt nämlich eine Geschichte, die so ganz jenseits des üblichen Tagesgeschäfts steht und zugleich so dermaßen voll ist mit von den Socken reißenden Details, dass wir Sie an dieser Stelle um 20 Minuten Ihrer Zeit bitten wollen.

Sie werden es nicht bereuen, diese Geschichte gelesen zu haben. Sie handelt von dem litauisch-ukrainischen Veterinärmediziner Stanislavas Huzhiavichus, der am Nachmittag des 26. April 2018 beim Einkaufszentrum „Neustadt Nord“ in Wiener Neustadt mit zwölf illegal ins Land gebrachten Paradiesvögeln sowie zwei ebenfalls nicht gerade gesetzeskonform gereisten Palmkakadus erwischt wurde. Die heimischen Behörden hatten mit dem Fang freilich nur an der Spitze eines Eisbergs gekratzt: Huzhiavichus war Teil einer weltweit operierenden Bande, die zigtausende seltene Vögel an europäische „Vogelliebhaber“ vermittelte – per Businessjet und Diplomatenpass und mit Gewinnmargen, bei denen jedes Drogenkartell mit den Ohren schlackert. „Wenn du skrupellos bist, fährst du nach Indonesien, kaufst einen Palmkakadu für 500 Dollar und verkaufst ihn in Europa für 16.000 Euro. Und wenn du zehn davon lieferst, dann ist das ein ziemlich guter Weg, um schnell sehr viel Geld zu machen“, erzählte Huzhiavichus unserer Reporterin Denise Hruby – und nicht nur das. Heiliger Paradiesvogel!

Einen bunten Dienstag wünscht Ihnen

Sebastian Hofer