Alexander Christian: Das andere Leben

Im BVT-Untersuchungsausschuss ging es heute unter anderem um die rechtsextreme Liedermacherin Isabella K., zu der das BVT ermittelt hat. Die SPÖ-Abgeordnete Sabine Schatz legte ein Foto vor, auf dem Isabelle K. mit einem FPÖ-Mitglied zu sehen ist. Es handelt sich hierbei um den ehemaligen Generalsekretär der Rechtsanwaltskammer.

Der Artikel erschien erstmals in profil 39/2010 vom 27.09.2010.

Das andere Leben

Die Fotos waren schon vor längerer Zeit ins Netz gestellt worden. Sie dokumentieren, dass bei den Protesten gegen den EU-Verfassungsvertrag im März 2008 auch Rechtsradikale in einem eigenen Block mitmarschiert waren. Jenen Mann, der auf der Wiener Ringstraße hinter dem einschlägig bekannten Franz Radl und dem notorischen Neonazi Gottfried Küssel ein Transparent trägt, erkannte niemand. Zu abwegig erschien die Vorstellung, dass er in seinem anderen Leben als Generalsekretär der Österreichischen Rechtsanwaltskammer fungiert. "Eine frappante Ähnlichkeit", dachte Albert Steinhauser, Justizsprecher der Grünen, als er vor einem Dreivierteljahr darauf aufmerksam gemacht wurde.

Doch gab es Gerüchte, dass sich der honorige Jurist - in einschlägigem Outfit - gern im Horr-Stadion aufhielt, mit den Hooligans von "Unsterblich Wien", einem Fanclub von Austria Wien, der seit geraumer Zeit von der neonazistischen "Blood & Honour"-Gruppe unterwandert ist und schon mehrmals für gewalttätige Randale sorgte.

Doch dann tauchten neue Hinweise auf. Alexander Christian ist auch beim Protest gegen ein islamisches Kulturzentrum in Wien-Brigittenau im September 2007 zu sehen. Ein Foto zeigt ihn, gemeinsam mit einem jungen Mann, der ein T-Shirt mit der Aufschrift "Sturmwehr", nach dem Namen einer Neonazi-Band, trägt. Christian selbst hatte sich an diesem Tag für ein Leiberl von "alpha-industries" entschieden, eine Marke, die von Rechtsradikalen geschätzt wird, weil ihr Logo jenem der SA ähnelt. In einer Videosequenz, die damals im Sommer 2007 von Puls 4 ausgestrahlt wurde, sieht man den Juristen in einem Pulk von Skinheads, die mit ausgestreckten Armen "Nationaler Widerstand" skandieren. Man sieht auch, wie er Gegendemonstranten anpöbelt, inmitten des Pulks der Rechtsradikalen mitgrölend.

Ballermann. Vor Kurzem wurde Steinhauser auch noch auf Facebook fündig. Dort posiert Alexander Christian unter dem Nickname "Alexander Ballermann". In einem T-Shirt der im Milieu beliebten "Thor Steinar"-Marke mit der Aufschrift "Kontaktfreudig", was im Szenejargon bedeutet, dass man Raufhändeln nicht abgeneigt ist, führt er seine Tätowierungen vor. Auf einem Foto auf MySpace sieht man Christians Tätowierung deutlicher, ein gezacktes Rad, in der Szene gilt es als NS-Symbol, das in Deutschland - in Verbindung mit bestimmten Aufschriften - verboten ist. Auch Christians Facebook-Freunde sind einschlägiger Natur: darunter Sebastian Ploner, jener ehemalige Mitarbeiter des freiheitlichen Nationalratspräsidenten Martin Graf, der einschlägige DVDs und andere Utensilien beim "Aufruhrversand" bestellt hatte und nach wie vor im rechtsradikalen Umfeld aktiv ist, weiters ein Küssel-Vertrauter, Straches Chefsekretärin, ein Rechtsradikaler, der vor Kurzem erst mit Hitlergruß und im Ordnertrupp bei FPÖ-Veranstaltungen auffiel.

"Ich nehme an, dass die Rechtsanwaltskammer und ihr Präsident Gerhard Ben Ibler nichts von dem Treiben ihres Generalsekretärs wussten und jetzt schleunigst personelle Konsequenzen ziehen. Das Outfit, die Tätowierung, das gemeinsame Demonstrieren mit Küssel & Co sind kein Zufall. Christian ist eindeutig dem rechtsradikalen Lager zuzuordnen", sagt Albert Steinhauser.

Als Alexander Christian am vergangenen Donnerstag von profil mit seinem Doppelleben konfrontiert wurde, leugnete er den Sachverhalt erst gar nicht. "Ja, das bin ich. Dass ich EU-kritisch bin, ist bekannt, und dass ich gegen die Moschee bin, ist auch bekannt", sagt er. Der Junge mit dem "Sturmwehr"-Leiberl sei ein alter Bekannter von ihm, den er vom Fußball her kenne. Und welche Kleidermarken er in seiner Freizeit trage, sei seine "Privatsache", meint Christian. Den Neonazi Gottfried Küssel kenne er vom Namen her: "Es kann auch sein, dass ich auch einmal zu Küssel gesagt habe, Grüß Gott' und so weiter." Sebastian Ploner kenne er ebenfalls, aus der FPÖ. Er sei auch mit jenem "Gregor T.", der vor Kurzem in profil als Neonazi-Ordner bei FPÖ-Veranstaltungen aufgefallen war, bekannt. Er habe sich "keiner strafbaren Handlung schuldig" gemacht, und für seinen Bekanntenkreis müsse er sich "nicht rechtfertigen", meint der Jurist.

In der Rechtsanwaltskammer ist Generalsekretär Christian unter anderem für internationale Kontakte und die EU-Agenden zuständig.

2006 kandidierte der Kammerangestellte bei der Nationalratswahl für die FPÖ. Für die Wienwahlen steht er nicht mehr auf ihrer Liste, ist nach eigenen Angaben jedoch in Wien-Alsergrund aktiv. Bei Straches Wahlveranstaltung in der Lugner-City vor einigen Tagen war er im "Thor Steinar"-T-Shirt" anzutreffen, umgeben von seinesgleichen. Seinen Facebook-Zugang hat Christian seit einigen Tagen für einen breiteren Kreis gesperrt.