Franz Vranitzky
Franz Vranitzky

© Gemeinfrei

#profil50
09/09/2020

Beschlagnahmungen, Klagen, Sanktionen: Die größten-Clashes der profil-Geschichte

profil feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. Wir blicken in das Jahr 2010 zurück, als Eva Linsinger und Christa Zöchling das 40-jährige Jubiläum mit folgendem Text würdigten.

von Eva Linsinger , Christa Zöchling

Anmerkung: Dieser Text erschien ursprünglich im profil Nr. 36/2010 vom 06.09.2010.

„Wiens Slavik“, eine profil-Titelgeschichte vom Februar 1971, war binnen Stunden ausverkauft.

Die Abonnenten konnten sich glücklich schätzen. Wer das Heft allerdings in der Kolportage erwarb, konnte es wie zu Metternichs Zeiten nur mit geschwärzten Textblöcken lesen. Der Wiener Bürgermeister Felix Slavik hatte per Richterbeschluss eine Beschlagnahme erwirkt.

Im Grunde waren die siebziger Jahre eine gemütliche Zeit für Politiker: Journalisten begegneten ihnen nur selten, und wenn, dann mit Fragen, die vorher schriftlich eingereicht worden waren. Pressekonferenzen verliefen andachtsvoll wie eine Audienz. In dieser Atmosphäre war Peter Michael Lingens bei seinem damaligen Arbeitgeber „Kurier“ mit kritischem Material über Grundstücksgeschäfte des Wiener Bürgermeisters Felix Slavik abgeblitzt. „Schau, unsere Sekretärin kriegt auch einmal eine Gemeindewohnung, und wenn einmal einer von euch eine braucht, kriegt er auch eine. Wir wollen uns doch mit denen nicht überwerfen.“ Mit diesem Argument wurde nach Lingens’ Erinnerung die Geschichte über Slavik damals abgelehnt.

Sie erschien stattdessen in dem jungen, damals noch monatlich erscheinenden Nachrichtenmagazin. In aller Ausführlichkeit wurde beschrieben, wie Slaviks Schwager mit untrüglichem Gespür jeweils das Grundstück kaufte, das die Gemeinde wenig später für wichtige Bauvorhaben dringend benötigen sollte. Der Wiener Bürgermeister tobte: „Die, die das geschrieben haben, sind entweder sexuell unterentwickelt oder haben zahlt kriegt dafür.“

Der Ruch des Verbotenen brachte zwar Publizität und Abonnenten, aber auch enorme Kosten. Auf „mehr als 300.000 Schilling“ schätzte profil-Herausgeber Oscar Bronner den Schaden und schrieb in seinem Herausgeberbrief: „Normalerweise könnte diese Größenordnung ausreichen, um eine so junge Zeitschrift wie profil, die keinen Geldgeber hinter sich hat, an den Rand des Ruins und damit zumindest zur Räson zu bringen.“

"Dokumente"-Dossiers

Damals entstand die Idee, dem Risiko einer Beschlagnahmung künftig zu entgehen, indem brisante Geschichten in beigelegten „profil Dokumenten“ veröffentlicht wurden. Im Oktober 1971 erschien das erste „Dokumente“-Dossier über „Geschäfte mit der Gemeinde“, gestützt auch auf Informationen eines peniblen Wiener Bauingenieurs namens Alfred Worm, der später als investigativer Journalist bei profil Karriere machen sollte.

profil förderte Malversationen, Misswirtschaft und krude Geschäfte zutage und brachte Slavik immer mehr in die Bredouille. Slaviks Schwager wurde zum Synonym für die Verfilzung städtischer und privater Interessen, ein Phänomen, das im Allmacht-System der Wiener SPÖ prächtig gedieh. Das damalige Parteiorgan der SPÖ, die „Arbeiter Zeitung“, konterte mit einem Schriftstück, in dem profil-Herausgeber Oscar Bronner den Erhalt von drei Millionen Schilling von der Bundeswirtschaftskammer für eine Anti-Slavik-Kampagne bestätigte. Slavik jubilierte. Der Brief erwies sich als Fälschung.

Im Juni 1973 trat der durch die profil-Recherchen schwer angeschlagene Slavik zurück.

Leopold Gratz, Slaviks Nachfolger als Wiener Bürgermeister, war es gewohnt, von profil nicht mit Samthandschuhen angefasst zu werden. 1975 fand er sich auf dem profil-Cover, in einer schwipsseligen Karikatur mit der Unterzeile: „Was tut Leopold Gratz (außer Whisky trinken“) . Immer wieder erschienen äußerst kritische Geschichten über die rote Hochburg Wien. Unvermeidlich tauchte die Frage auf, ob profil eher rechts oder links anzusiedeln sei. Doch das war eigentlich schon durch das Gründungsdokument des neuen Magazins beantwortet worden. Im ersten Herausgeberbrief hatte sich Oscar Bronner zu einer grundsätzlich kritischen, unabhängigen Linie verpflichtet und erklärt, dass vorerst die SPÖ wohl kritischer beleuchtet werde, „und zwar nicht, weil wir der ÖVP positiver gegenüberstehen, sondern weil sich jeweils die Partei, die die Regierungsverantwortung trägt, automatisch stärker der Kritik aussetzt“.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, setzte Chefredakteur Peter Michael Lingens sogar eine Prämie von 1000 Schilling für Redakteure aus, die imstande waren, eine ÖVP-kritische Geschichte auf den Boden zu bringen.

Clashes mit Siegfried Ludwig und Kreisky

Das erübrigte sich mit der Zeit. profil rieb sich mit Leidenschaft an Siegfried Ludwig, unter anderem, weil er neben der Funktion des niederösterreichischen Landeshauptmann-Stellvertreters mindestens 15 weitere Pöstchen bekleidete. Es folgten Geschichten über abenteuerliche Zustände in der niederösterreichischen Hypo-Bank, die eigenartige Beteiligung eines steirischen ÖVP-Politikers an einer Tierkörperverwertungsgesellschaft und seltsame Geschäfte der Tiroler Wasserkraft-Werke AG Tiwag, eine Auseinandersetzung über die Verflechtung der Tiwag mit der Landespolitik und Drangsalierung der Kraftwerkskritiker, woran sich im Übrigen bis heute nichts geändert hat.

Simon Wiesenthal, der unermüdliche Rechercheur bei der Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern, hatte in Peter Michael Lingens, seinem ehemaligen persönlichen Sekretär, einen gewichtigen Fürsprecher in der Redaktion. Im Konflikt Wiesenthal-Kreisky stand Lingens jedoch nicht allein. Sämtliche Redakteure wandten sich geschlossen gegen den sonst weithin verehrten Bundeskanzler. Der Holocaust-Überlebende Wiesenthal war im September 1975 auf eine Liste gestoßen, die den damaligen FPÖ-Chef Friedrich Peter, der 1970 Kreiskys Minderheitsregierung gestützt hatte, als Teilnehmer eines SS-Offizierslehrgangs auswies. Kurz nach dem Wahlsonntag im Jahr 1975 veröffentlichte Wiesenthal ein Dossier, aus dem hervorging, dass Peter einer SS-Mordbrigade an der Ostfront angehört hatte, die laut Kriegstagebuch Tausende Juden, darunter Frauen und Kinder, massakriert hatte. Peter erklärte, er habe weder an Erschießungen teilgenommen noch davon gewusst. Er sei häufig auf Urlaub gewesen und habe nur seine „Pflicht getan“.

Kreisky stellte sich hinter Peter und verstieg sich zu der Behauptung, Wiesenthal selbst sei der Kollaboration mit der Gestapo verdächtig und habe nur deshalb die NS-Zeit überlebt. Derartige Dokumente aus Geheimdienstkreisen des Ostblocks waren damals tatsächlich in Umlauf und lagerten in einem Tresor des SPÖ-geführten Innenministeriums. profil bewies die Fälschung und verfolgte die Spur der angeblichen Zeugen, durchwegs alte Nazis, darunter gesuchte Kriegsverbrecher. In derselben Ausgabe warf Lingens dem Kanzler in einem Leitartikel „übelsten Opportunismus, würdeloses und unmoralisches“ Verhalten vor. Er wurde geklagt und verlor den Prozess, bekam allerdings zehn Jahre später vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg Recht.

Nach dem Freispruch von Lingens sagte Kreisky in einem profil-Interview, er habe „Peter nie für den Inbegriff der höchsten moralischen Autorität gehalten“. Den Vorwurf der Kollaboration hätte er jedoch vor Gericht beweisen können, doch habe er „keine Lust gehabt, mit ehemaligen Nazis vor Gericht aufzukreuzen“. Im Jahr 2005 konnte profil jenen angeblichen Kronzeugen outen, auf den sich Kreisky bis ins hohe Alter halsstarrig bezogen hatte: einen Nazi der ersten Stunde, der später bei der CDU untergetaucht und nach seiner Verurteilung wegen Kriegsverbrechen in Polen aus dem Kabinett Adenauer entlassen worden war.

Bruno Kreisky als Kanzler und profil hatten 1970 fast zeitgleich die öffentliche Bühne betreten. 37 Cover-Geschichten und Aberdutzende Artikel widmete profil im Laufe der Jahre dem roten Bundeskanzler. Manchmal ironisch-hymnisch („Lieber Gott Kreisky“ oder „Die Elixiere des Dr. Kreisky“), dann wieder analytisch-kritisch („Kreiskys Israel-Beschimpfung“) oder bissig-distanziert („Abgewirtschaftet“), bisweilen schicksalsergeben („Kreisky, wer sonst“).

Klagsdrohung des Kanzlers

Das Verhältnis war schwankend, mit einem Grundton der Bewunderung. Wenn der Kanzler zornig war, rief er eine Eiszeit aus, stornierte bereits ausgemachte Interviewtermine, um dann quasi privat bei Redakteuren seines wechselnden Vertrauens anzurufen. Als Kreisky im Kärntner Ortstafelkonflikt vor den nationalen Kreisen in die Knie ging und eine „Minderheitenfeststellung“ verfügte, rückte profil eine Karikatur ins Blatt, die den Kanzler als Boxer zeigte, der gemeinsam mit den Parteichefs von ÖVP und FPÖ einen Slowenen niederstreckte. Eine Klagsdrohung folgte postwendend.

Bisweilen nützte Kreisky profil als Plattform, um bitterböse Botschaften an die eigene Partei auszurichten: „Androsch hat mich nicht überzeugt“, distanzierte er sich im August 1980 energisch von seinem Finanzminister. Im Jänner 1987 gab er seinen gesammelten Ärger darüber zu Protokoll, dass die SPÖ das Außenministerium der ÖVP überließ.

Im Konflikt mit Hannes Androsch ergriff profil für Kreisky Partei. „Jeder anständige Mensch, gleichgültig, aus welchem Lager er kommt, hat in diesen Tagen die Pflicht, voll und ganz hinter Bruno Kreisky zu stehen“, kommentierte Peter Michael Lingens 1980.

Gemischt beurteilte profil die Arbeit von Justizminister Christian Broda: zustimmend dessen Reformen von der Entkriminalisierung der Abtreibung und Homosexualität bis zum modernen Familienrecht, vernichtend seine Gängelung der Justiz und seine „Einstellungsstaatsanwälte“. Etliche Skandale der Kreisky-Ära konnten erst nach Brodas Abgang aufgearbeitet werden. In den achtziger Jahren wühlte sich profil durch die Aktenberge der Affären Noricum und Lucona und befand: „Das politische und moralische Scheitern von Karl Blecha als Politiker ist total.“

Jörg Haider und das Geheimnis seines Erfolgs wurden früh erkannt, auch wenn profil seiner mutmaßlichen Unbesiegbarkeit ebenso ratlos gegenüberstand wie viele andere. Auf die Dialektik der „nützlichen Gleichzeitigkeit, sowohl verharmlost als auch dämonisiert zu werden“, verwies Reinhard Tramontana schon wenige Wochen nach Haiders Machtergreifung. Sigrid Löffler prägte den Begriff von der „Verhaiderung“ Österreichs, der über Haiders Tod hinaus gültig ist.

In den siebziger Jahren war der Jungpolitiker bereits gern gesehener Gast in den Redaktionen des Landes. Auch im profil räsonierte Haider über das Deutschtum in seinem Herzen, hingefläzt auf eine Couch, eine Pfeife im Mund, sein Requisit der „politischen Imagebildung“, wie er meinte. Zum Coverboy brachte er es 1983. Frech lugte er in einer Fotomontage hinter dem damaligen FPÖ-Obmann Nobert Steger hervor, dessen Ablöse er mit aller Leidenschaft betrieb.

Denkwürdiges Haider-Interview

Aus dem Februar 1985 stammt jenes denkwürdige profil-Interview, das wie kein anderes das Bild von Haider prägen sollte. Erst auf mehrmaliges Nachfragen des damaligen Chefredakteurs Helmut Voska, wie er die Verbrechen des Nationalsozialismus bewerte, rang sich Haider zu den Worten durch: „Wenn Sie wollen, dann war es halt Massenmord.“ Auf die Frage, warum seiner Meinung nach die Nationalsozialisten Millionen Menschen ermordet hatten, antwortete der Kärntner Parteichef: „Weil sie nicht mit dem politischen System übereinstimmten.“

Nach Haiders Putsch am Innsbrucker Parteitag 1986 musste profil wieder einmal eingestampft werden. Haiders Konterfei war mit dem Schatten eines Hitlerbärtchens geziert worden. In profil konnte man kurz danach lesen, dass Haiders Erbe, sein Bärental, einst jüdischer Besitz gewesen und „arisiert“ worden war. profil recherchierte das nationalsozialistische Biotop, dem Haider entstammte, in dem man Codes verwendete, die dem alten Geist entsprachen, aber gerade noch erlaubt waren. Man ahnte jetzt, woher Haiders Lob für SS-Veteranen, Hitlers „Beschäftigungspolitik“, die Rede von „Straflagern“ und „Überfremdung“ herrührten.

Während Haider die Erneuerung des Systems propagierte, beschrieb profil, wie Haider – zur Zeit der kleinen Koalition – keine Gelegenheit ausließ, um seine Parteifreunde in staatliche Unternehmen und Institutionen hineinzupressen. Ein erster Artikel über geheime Haider-Konten erschien 1988.

„Unser Gegner ist das Menschenverachtende seiner Politik“ formulierte Hubertus Czernin 1992 in einem Leitartikel, was zu jahrelanger Interviewsperre und Dutzenden Klagsdrohungen führte. Im Umgang mit profil-Journalisten verhielt sich Haider stets schmeichlerisch bis bösartig. Gegeneinander ausspielen konnte er uns nicht.

Sexuelle Belästigungen im Parlament

Männer aus der Politik standen im Laufe des Jahres 1993 ganz generell mit profil auf Kriegsfuß. Der ÖVP-Abgeordnete Paul Burgstaller musste zurücktreten, nachdem profil von einer Ausschusssitzung berichtet hatte, in der Burgstaller eine Abgeordnete, die vor das Mikrofon trat, mit dem Zwischenruf „in den Mund und fest dran lutschen“ aus dem Konzept bringen wollte. Unter dem Titel „Hasenjagd im Parlament“ folgte ein Report über sexuelle Belästigungen, anzügliche Witze und Pöbeleien, denen weibliche Abgeordnete, vor allem zu später Stunde, ausgesetzt waren. profil beschrieb die Machtlosigkeit im Umgang mit solchen Vorfällen, das Verschweigen aus Parteiräson und Scham. Ein länger zurückliegender Vorfall, bei dem einer SPÖ-Abgeordneten vom damaligen Sozialminister Josef Hesoun auf den Busen gegriffen worden war, hatte in der SPÖ erregte Debatten zwischen Männern und Frauen zur Folge. Hesoun verlangte von der Abgeordneten, den Vorfall zu dementieren, was diese jedoch ablehnte. Frauenministerin Johanna Dohnal forderte Hesoun auf, zu klagen oder zurückzutreten. Hesoun konterte, Dohnal sei „ja nur verärgert, weil sie nicht selbst begrapscht wurde“.

profil wurde vor den Presserat zitiert. Der Cover-Cartoon von Gerhard Haderer – eine Frau, die durch ein Spalier von halblustigen, nackten Männern, die nur rote Pappnasen tragen, zum Rednerpult eilt – wurde wegen „pauschaler Verunglimpfung männlicher Abgeordneter“ verurteilt.

Franz Vranitzky erwirkte ebenfalls eine Verurteilung durch den Presserat. Doch das hatte weiter reichende Folgen. Im Jahr 1995 hatte Wolfgang Schüssel, eben erst zum ÖVP-Obmann gewählt, vorzeitige Neuwahlen vom Zaun gebrochen. Das Ergebnis war für die ÖVP enttäuschend, doch eine Koalition mit den Freiheitlichen stand im Raum, was der SPÖ in den Koalitionsverhandlungen wenig Spielraum gab. Ein Schlüsselloch-Report über die Verhandlungsnacht, in der die SPÖ bei Posten und Einfluss „um Hemd und Hosen“ gebracht worden war und die ÖVP-Verhandler in einer Sitzungspause Spottgesänge auf den Kanzler angestimmt hatten, wurde mit einer Fotomontage auf dem Cover angekündigt. Man sah das Kanzlerhaupt auf den Schultern eines Männerkörpers mit Bauchansatz, die Hände schützend auf seine Blöße gelegt. Darunter stand, frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen: „Des Kanzlers neue Kleider“.

Dies verletze „die Würde der Person und sei nicht ausreichend als Fotomontage deklariert“ worden, urteilte der Presserat und verschärfte seinen Ehrenkodex für Fotomontagen. profil-Herausgeber Hubertus Czernin wurde vier Wochen später gegen den Protest der Redaktion gekündigt.

"Die Schande Europas“

Wolfgang Schüssel schmollt heute noch: „Das profil war schlicht untergriffig“, geißelt er die „wütende Ablehnung“, die Schwarz-Blau entgegenschlug. In seinem Buch „Offengelegt“, einer Hagiografie der schwarz-blauen Ära, outet er profil als Speerspitze einer scharfen Medienkampagne, die „gewalttätige Demonstrationen orchestriert“ habe.

„Die Schande Europas“ hatte profil nach den Reaktionen in den anderen EU-Staaten getitelt, und Herausgeber Christian Rainer hatte der ÖVP empfohlen, „als Ausweg aus dieser Scheiße“ ihren Parteichef Wolfgang Schüssel davonzujagen. Der blaue Teil der Regierungsmannschaft stellte profil sofort unter Quarantäne. Kein Freiheitlicher sollte mit profil reden, selbst läppische Informationen wie Zeit und Ort einer Veranstaltung sollten anderen Journalisten nur erzählt werden, wenn kein profil-Kollege anwesend war. Schüssel verweigerte ein Jahr lang jedes Gespräch.

Bei anderen Regierungsmitgliedern bröckelten diese Sanktionen allerdings schneller als jene der EU gegen die Regierung: Finanzminister Karl-Heinz Grasser gab profil schon knapp zwei Wochen nach der Angelobung von Schwarz-Blau sein erstes Interview, in dem er das Parlament als „Theater“ verunglimpfte. Fataler waren die Folgen einer Begegnung für Justizminister Michael Krüger, der von seinem Jugendfreund Dieter Chmelar für profil befragt wurde. Die beiden amüsierten sich über ihre erschwindelte Matura und schwelgten in Erinnerungen an das „Schnackseln“ einer Miss Austria. Das allzu offenherzige Gespräch beschleunigte den Abgang des labilen Anwalts. Kaum war er angelobt, war er auch schon wieder weg. Nach 25 Tagen.

Die moralische Entrüstung über die schwarz-blaue Wende und das Erstaunen über die Unfähigkeit mancher Regierungsmitglieder wich bald einer harten Aufarbeitung des Systems der FPÖ: Postenschacher unter Freunden, Millionenprovisionen, Beraterverträge. Von der Buwog-Affäre bis zu den Machenschaften rund um die Hypo Alpe-Adria werden bis heute im Wochentakt schier unglaubliche Vorgänge zutage gefördert.

Die Lernkurve der Attackierten ist erstaunlich flach: „Stürmer-Qualität“ attestiert etwa das BZÖ den Enthüllungen über Haiders geheime Geldgeschäfte.

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