Causa Casinos: Glatz-Kremsner bei FPÖ-Novomatic-Treffen in London

Bettina Glatz-Kremsner

Bettina Glatz-Kremsner

Laut anonymer Anzeige soll der angebliche FPÖ-Novomatic-Deal auf einer Londoner Glücksspielmesse fixiert worden sein. Kalendereinträge zeigen nun: Die ÖVP-nahe Casinos-Vorständin Bettina Glatz-Kremsner war damals auch vor Ort.

„Bettina Glatz Kremsner ist auf unserer Seite“ , schrieb Novomatic-Chef Harald Neumann am Morgen des 16. Jänner 2019 in einer Textnachricht an den damaligen Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Noch am Nachmittag desselben Tages berichtete Strache an einen hochrangigen FPÖ-Vertrauensmann: „Neumann und Glatz-Kremsner haben Unterstützung zugesagt.“

Hintergrund dieser Nachrichten war das Ziel, den FPÖ-Mann Peter Sidlo in den Vorstand der Casinos Austria AG (Casag) zu hieven. Das lässt sich aus den Chatprotokollen nachvollziehen. profil vorliegende Kalendereinträge und Chatnachrichten zeigen nun erstmals: Auch Casinos-Austria-Vorstandsvorsitzende Bettina Glatz-Kremsner – damals bereits im Casag-Vorstand, aber auch Vize-Bundesparteiobfrau der ÖVP und somit Stellvertreterin von Sebastian Kurz – war bei einem Treffen zwischen FPÖ und Novomatic dabei.

Zwei Kalendereinträge als Belege

Laut einer anonymen Anzeige (sie brachte die Ermittlungen ins Rollen) soll der FPÖ-Novomatic-Deal in London fixiert worden sein: Demnach sei der damalige FPÖ-Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs nach London gereist, „um dort den Deal ‚Sidlo gegen Glückspiellizenzen’ persönlich“ mit Novomatic-Eigentümer Johann Graf „zu akkordieren“ . Durch die Auswertung der sichergestellten Daten konnte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) feststellen, dass es tatsächlich ein Treffen zwischen Fuchs, Graf und Neumann in London gab. Und: Auch die ÖVP-nahe Vorständin Glatz-Kremsner war damals dabei, wie die WKStA in einem Aktenvermerk ausführt: „Die bisher geführten Ermittlungen konnten (...) die anonyme Anzeige in weiten Bereichen bestätigten: So konnte etwa ermittelt werden, dass Mag. DDr. Hubert Fuchs und Johann Graf - im Übrigen gleichzeitig mit dem nach der Verdachtslage in den Deal intensiv involvierten Mag. Harald Neumann - im Februar 2019 tatsächlich in London waren und es dort zu einem Treffen zwischen den Genannten, Mag. Harald Neumann und der Vorstandsvorsitzenden der Casag, Mag. Bettina Glatz-Kremsner, kam.“

Als Belege dafür dienen den Ermittler gleich zwei Kalendereinträge: Für den 6. Februar 2019 ist im Kalender von Harald Neumann ein Termin unter dem Titel „Fuchs, Glatz“ eingetragen. Für denselben Tag um 12 Uhr findet sich auch im Kalender von Novomatic-Gründer Johann Graf ein Termin mit „Fuchs“ , „Glatz Kremsner“ und „HN“ (was wohl für Harald Neumann steht, Anm.), darüber der Vermerk: „Messe London“ .

Kalendereintrag von Novomatic-Eigentümer Johann Graf

Kalendereintrag von Novomatic-Eigentümer Johann Graf

Zwischen 5. und 7. Februar 2019 fand in London die 29. Ausgabe der „ICE Totally Gaming“ statt, eine der größten Glücksspielmessen der Welt. Die gesicherten Chatprotokolle legen nahe, dass Glatz-Kremsner und Neumann das Zusammentreffen mit Graf und Fuchs in London eingefädelt haben. „Hallo Bettina. PG (das Kürzel steht wohl für „Professor Graf“, gemeint ist Novomatic-Eigentümer Johann Graf, Anm.) ist nur am Mittwoch auf der Messe! Wann würdest du kommen? Ig Harald.“ , schrieb Neumann am 17. Jänner 2019 an Glatz-Kremsner. Diese replizierte: „Lieber Harald, dann werde ich überprüfen, wann Dr. Fuchs am Mittwoch retour fliegt und gebe Dir asap Bescheid. Liebe Grüße Bettina.“

Glatz-Kremsner bestätigt das Treffen

Gegenüber profil nimmt Glatz-Kremsner erstmals ausführlich Stellung: Es sei „kein Geheimnis, dass die damalige Vorstandsbesetzung unter der Führung von Alexander Labak zu einer gewissen Unruhe und Unsicherheit im Unternehmen geführt hat“, erklärt die Casag-Chefin in einer schriftlichen Stellungnahme. Die „vom Aufsichtsrat geplanten Änderungen im Vorstand der Casag“ habe sie daher „grundsätzlich begrüßt“. In diesem Zusammenhang verstehe sie auch die oben erwähnte Textnachricht von Harald Neumann an Strache.

Glatz-Kremsner bestätigt das Treffen in London: „Es ist richtig, dass ich dem für das Thema Glücksspiel zuständigen Staatssekretär (Hubert Fuchs, Anm.) empfohlen habe, eine der größten Glücksspielmessen der Welt zu besuchen“, erklärt Glatz-Kremsner. Ihr Büro habe in der Folge auch einige Termine mit Fuchs vorbereitet, unter anderem „ein Treffen mit Vertretern unserer tschechischen Eigentümer und auch den Besuch eines Messestandes, wo u.a. die genannten Personen anwesend waren.“ Über andere Gespräche in der genannten Zusammensetzung wisse sie nichts, schreibt Glatz-Kremsner: „Schon gar nichts über deren möglichen Inhalte. Offensichtlich war ich nicht bei allen Terminen von Herrn Fuchs dabei. In meiner Anwesenheit wurde über die Personalie Peter Sidlo jedenfalls nicht gesprochen.“