Die Demonstration am Wiener Ballhausplatz.

© APA - Austria Presse Agentur

Österreich
11/29/2021

Corona in Heimen: Hunderte Fälle beim Pflegepersonal

Aktuell sind in Österreich rund 1300 Personen mit Pflegeheim-Bezug infiziert – über 500 allein in Oberösterreich.

von Thomas Hoisl, Clemens Neuhold, Jakob Winter

Es ist ein trauriges Faktum nach eineinhalb Jahren Pandemie: Besonders für Alten- und Pflegeheime ist das Coronavirus gefährlich und mitunter tödlich. Schon nach der ersten Welle war die Bilanz verheerend: Bis Juni 2020 infizierten sich in Pflegheimen 923 Bewohnerinnen und Bewohner; 260 davon starben. Noch schlimmer fiel die zweite Corona-Welle aus: Bis Ende Jänner 2021 gab es in Österreichs Pflegeheimen 3245 Todesfälle – was damals 43 Prozent aller Covid-Toten ausmachte. 

Die Mitarbeiterwelle in Pflegeheimen

In der derzeitigen vierten Welle scheint die Lage in den Alten- und Pflegeeinrichtungen bislang besser unter Kontrolle zu sein – immerhin gibt es nun den Impfstoff. Dennoch zeigt eine profil-Auswertung der Daten aus dem nationalen Krisenstab (SKKM) einige, beunruhigende Fakten. Seit Anfang November kam es in Zusammenhang mit Alten- und Pflegeheimen zu rund 2300 Fällen. Auffällig ist, dass mit 1499 Fällen vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind. Gleichzeitig fällt vor allem ein Bundesland ins Gewicht: Oberösterreich. 

So stammen von den 1499 betroffenen Pflegeheim-Mitarbeitern 672 aus Oberösterreich, also weit mehr als ein Drittel. Aktuell sind dort mit Stand vergangenen Mittwoch 330 Personen aktiv infiziert. (siehe Grafik) Von insgesamt 132 oberösterreichischen Alten- und Pflegeheime waren zuletzt 98 von Covid-Fällen betroffen, heißt es aus der Landespressestelle. 

Ein Zusammenhang mit der vergleichsweise geringen Durchimpfungsrate drängt sich auf. Aus der Pressestelle des Landes erklärt man gegenüber profil, dass bis Ende September nur rund 63 Prozent der Pflegeheimpersonal das Impfangebot in den Heimen angenommen haben. Demgegenüber seien 82 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner bereits auch drittgeimpft.  

"Ungeimpftes Pflegepersonal ist im falschen Beruf"

Wenig Verständnis für ungeimpftes Pflegepersonal zeigt Patientenanwalt Gerald Bachinger: "Pfleger haben eine Schutzpflicht gegenüber Pflegebefohlenen“, sagt er. Ohne Covid-19-Impfung sieht er diese Schutzpflicht eindeutig verletzt. „Wenn es im Gesundheitspersonal Personen gibt, die andere mutwillig gefährden, sind die eh falsch im Beruf. Wenn wir die loswerden, ist das kein großer Schaden.“ 

Auch wenn die vierte Welle in den Pflegeheimen derzeit noch glimpflicher verläuft als vor einem Jahr, zeigen die profil vorliegenden Zahlen weiterhin die Gefährlichkeit für die Heime: Seit Anfang November infizierten sich österreichweit 799 Bewohnerinnen und Bewohner, gleichzeitig kam es in den Einrichtungen immerhin 111 Covid-Todesfällen. Die relative Mehrheit davon – insgesamt 43 Fälle – betraf Oberösterreich. 

 

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