Probebohrungen

Erdgas in Molln und am Attersee: O’zapft is!

Gegen alle Widerstände erfolgte im oberösterreichischen Molln der Anstich eines potenziellen Mega-Gasfeldes. profil war live dabei. Eine weitere Bohrung in der Nähe des Attersees ist bewilligt. Wie passt die Gasgräberstimmung mit der grünen Energiewende zusammen?

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Die Luft ist kalt, der Himmel blau, der Boden schneebedeckt. Das Bächlein, die Krumme Steyrling, plätschert dahin, die Handys sind ohne Netz und schweigen. Das Jaidhaustal in der oberösterreichischen Gemeinde Molln gaukelt am Morgen des 24. Februars die Winteridylle nur vor.

„Glück auf!“, durchbricht um 9.04 Uhr der Ruf eines Arbeiters die Stille. Am Ende eines Schotterwegs ragt ein 25 Meter hoher Turm in die Höhe. Drei bewegliche Räder eines Bohrmeißels beginnen sich zu drehen. Drei Männer hatten den Bohrmeißel mit dem Bohrstrang verschraubt. Er wird sich nun 24 Stunden am Tag drehen, sieben Tage die Woche. Bis zum 31. März. Da läuft die Genehmigung für die Probebohrung ab. Dann wird feststehen, ob Molln und die Firma ADX Energy tatsächlich auf einem Gasschatz sitzen.

Die australische Börsenfirma mit personellen Verflechtungen nach Österreich baut seit Jahren darauf: ADX ist neben der OMV das einzige Unternehmen, das von der Bundesregierung die Lizenz für Probebohrungen in Österreich hat. In der Mollner Erde vermutet ADX eines der größten Erdgasreservoirs Mitteleuropas. Wegen der unmittelbaren Nähe zum Nationalpark Kalkalpen und zu einem Naturschutzgebiet sorgt das Bohrprojekt seit über einem Jahr für feurige Proteste lokaler Umweltschützer und Bürgerinitiativen. Auch Greenpeace, Umweltdachverband, Alpenverein und Naturschutzbund kampagnisierten von Beginn an dagegen. Sie alle fürchten um die Biodiversität im Tal und lehnen neue Erdgasbohrungen in Zeiten des Klimawandels ab. Doch Politik und ADX haben in Molln Fakten geschaffen. Und nach Molln soll die Suche nach rot-weiß-rotem Gas in anderen Orten weitergehen. Zum Beispiel bei St. Georgen im Attergau, wo ADX bereits eine Bohrgenehmigung hat.

Die Gasgräberstimmung wirkt anachronistisch. Soll Österreich nicht bis 2040 komplett aus fossiler Energie aussteigen? Ist die Initiative „Raus aus Gas“ samt Thermentausch in ganz Österreich nicht Schlüsselprojekt von Umweltministerin Leonore Gewessler? Und hinkt Österreich den Pariser Klimazielen nicht hinterher?

Moritz Ablinger

Moritz Ablinger

war bis April 2024 Redakteur im Österreich-Ressort. Schreibt gerne über Abgründe, spielt gerne Schach und schaut gerne Fußball. Davor beim ballesterer.

Clemens   Neuhold

Clemens Neuhold

Seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor Wiener Zeitung, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.