profil-Morgenpost

Führen mehr Intensivbetten zu mehr Toten?

ÖVP-Abgeordneter blamiert sich mit Verwechslung von Korrelation und Kausalität. Warum Shitstorms wie „Pinkygate“ aber nicht zuträglich sind.

Drucken

Schriftgröße

Gestern hat der ÖVP-Nationalratsabgeordnete Laurenz Pöttinger im Nationalrat eine Forderung nach mehr Intensivbetten zurückgewiesen, weil diese zu einer „Erhöhung der Toten“ führen würden.

Diese Schlussfolgerung - unser Chefredakteur hat es mir vorweggenommen – ist ehrlich gesagt ein wenig „deppat“. Von einem Abgeordneten darf man erwarten, dass er den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität kennt; andernfalls würde unser Land von Menschen gesteuert, die auch glauben, dass wir die Scheidungsrate durch geringeren Butterkonsum verringern können (mehr absurde Korrelationen finden Sie hier).

Und noch ein „deppater“ Fall

Ähnlich „deppat“ war die Produktidee von zwei jungen Herren aus Deutschland. Sie werden bereits davon gehört haben: Natürlich meine ich die „Pinky Gloves”. Es ist schon unglaublich genug, dass zwei Männer für die Erfindung von pinkfarbenen Handschuhen, mit denen Frauen ihre Menstruationsprodukte „hygienisch“ entsorgen können, 30.000 Euro Investment erhalten hätten sollen. Was mir aber fast noch mehr zu denken gibt, ist das Statement, das die zwei jungen Gründer nach einem heftigen Shitstorm zur Einstellung ihres Produkts abgegeben haben:

Dass die Entwicklung eines – zugegebenermaßen äußerst unüberlegten – Produktes zu Morddrohungen führen kann, sollte man sich auf einer rationalen Ebene durch den Kopf gehen lassen. Es ist wichtig, dass Fehler aufgezeigt und Konsequenzen daraus gezogen werden. Dabei sollte aber doch nie auf die nötige Portion Empathie verzichtet werden.

Einen empathischen Wochenausklang wünscht Ihnen

Isabel Russ

PS: Hat Ihnen die „Morgenpost“ gefallen? Dann melden Sie sich jetzt an, um Ihren Werktag mit aktuellen Themen und Hintergründen aus der profil-Redaktion zu starten!

Isabel Russ

Isabel Russ

Leitet seit 2021 die Online-Aktivitäten bei profil. Zuvor in der Startup-Szene tätig, u.a. beim Venture Capital Fonds Speedinvest und als selbstständige Beraterin im Bereich Startup-Investments und Digitalisierung. VWL und Finance Studium. Durch Studium und Beruf umzugserfahren: vom Bodensee nach Freiburg, Warwick, St. Gallen und Zürich, Shanghai, Wien, San Francisco, Berlin und nach über 10 Jahren wieder zurück an den Bodensee.