© Christa Zöchling

#WienWahl2020
10/11/2020

Heinz-Christian Strache: Ein patschertes Leben

Heinz-Christian Strache wollte der „Dorn im Auge der politischen Nomenklatura“ sein und fiel selbst auf seine Machtphantasien herein.

von Christa Zöchling

Heinz Christian Straches Botschaft in diesem Wahlkampf war – neben der üblichen, im freiheitlichen Milieu obligatorischen Ausländerhetze - seine ganz persönliche Heldenstory: die Geschichte von Aufstieg, Fall und Verrat - und dem Wiederauferstehen. Daraus wird nun vermutlich nichts.

Vor fünfzehn Jahren habe er die FPÖ aus schwerster Krise geführt, von drei auf 31 Prozent hochgebracht, sein Leben der Partei geopfert, um am Ende auf die schäbigste Weise zu Fall gebracht, verraten und aus der Partei gedrängt zu werden. „Das war ein aus dem Ausland gesteuerter Anschlag, um eine Regierung wegzukriegen -  um mich wegzukriegen - weil ich gewissen mächtigen Kreisen im Wege gestanden bin“, sagte Strache bei Wahlveranstaltungen in trostlosen Hinterzimmern und Vorstadtbeisln.

Erhitzt, ungeduldig, gekränkt, verbittert, angeberisch und prahlend  stand er vor wenigen Anhängern, immer die Hoffnung im Herzen, die Prognosen zeichneten ein schlechteres Bild, als sich am Wahlabend herausstellen würde. Und mit der Wut im Bauch, von seinen ehemaligen Parteifreunden verraten worden zu sein. Strache nannte es „Anpatzungen“.  Am  Ende wurde es freilich genau das, was alle im Team Strache befürchtet hatten: eine krachende Niederlage. Nun hofft man auf einige Bezirksräte, um mit Hilfe öffentlicher Gelder die Kredite bedienen zu können, die man für den Wahlkampf aufnehmen hatte müssen.

Ein politisches Leben ist damit vermutlich zu Ende gegangen, das Österreich in den vergangenen 15 Jahren massiv verändert hat. Strache war mit seinem Zynismus gegenüber Migranten und Flüchtlingen nicht zu überbieten. Er hatte Nazi-Gedankengut in den eigenen Reihen zur Bierzelt-Gaudi verharmlost.   

Erinnern wir uns an den Abend der Wien-Wahl vor fünf Jahren: ein Sturm zog auf, ein Trupp zog ein, vorneweg Heinz-Christian Strache, dicht an seiner Seite Johann Gudenus, beide umstellt von Leibwächtern, vielleicht sogar jenem Leibwächter, der damals schon Ranküne gegen Strache im Sinn hatte. Der Pulk schob sich langsam durch den Festsaal des Wiener Rathauses, und  die Enttäuschung stand ihnen in Gesicht geschrieben. Trotz der 31 Prozent, die sie erreicht hatten, denn sie hatten gehofft, stärkste Kraft zu werden.

Dabei hatten sie bis zuletzt die angespannte Flüchtlingssituation im Sommer 2015 ausgereizt. Jede kleine Meldung war gut genug: Flüchtlinge, die sich prügelten, die angeblich Essen wegwarfen, die an Ruhr erkrankten. Faustdicke Lügen über Asylwerber, die Supermärkte ausraubten, und Lügen über das, was sie angeblich alles vom Staat bekommen, wurden auf Straches Website verbreitet. Gewissenlos.

Alles dem politischen Erfolg und der erhofften Machtübernahme untergeordnet, wie zwei Jahre später  in dem heimlich aufgenommen Video auf Ibiza zu sehen war.  Neben rhetorischen  Versicherungen, es müsse alles rechtens sein, äußerte Strache Idee,  wie Staatsaufträge umgeleitet, Journalisten gekauft und Medien übernommen werden könnten – im Glauben,  er sitze einer russischen Oligarchen-Nichte gegenüber, die das nötige Kleingeld und Sympathie für die FPÖ besäße.

Strache  wurde in den Kreisen der FPÖ oft hochmütig als ein etwas schlichtes Gemüt geschildert, doch als grandioser Wahlkämpfer. Nun könnte man mit dem Stimmenbringer fast etwas Mitleid haben, da er nicht einmal mehr in der Lage ist, Stimmen zu bringen.

Strache war schon in jungen Jahren politisiert worden. Er kommt aus dem äußersten rechten Spektrum, aus dem Umkreis von Neonazis. Darüber hat er die Öffentlichkeit, solange es ging, belogen, immer nur peu à peu zugegeben, was man ihm nachweisen konnte. In der Schule war es nicht so gut gelaufen, der Vater, ein Lebemann, der die Familie bald verließ, hatte noch am Wiener Lycée maturiert. Der Junior lernte das Handwerk des Zahntechnikers und holte die Matura in einer Abendschule nach. Während seiner Lehrjahre war Strache Stammgast auf der Bude der Pennälerverbindung „Vandalia" (wie auch Johann Gudenus), die einen so radikalen Ruf hatte, dass andere Burschenschaften nichts mit ihr zu tun haben wollten. Man focht dort mit Gesichtsschutz. So blieb Strache von hässlichen Narben verschont, doch nicht von der Welt des Rechtsradikalismus. In diesen Kreisen lernte er den notorischen Neonazi Gottfried Küssel kennen und andere Alt- und Jung-Nazis. Strache nahm auch an einer der berüchtigten Wehrsportübungen von Küssel teil.

„Entsetzlich" sei das gewesen, und er sei früher heimgefahren, sagte Strache später einmal.  Seiner Karriere in der FPÖ tat das keinen Abbruch. Als Bezirksrat der FPÖ in Wien-Landstraße kämpfte Strache für ein Verbot des Schächtens. Im Gemeinderat sprach er gegen die drohende „Überfremdung".  

Die einstigen Neonazi-Gedanken verblassten und machten mit der Zeit anderen irrationalen Welterklärungsmustern Platz, einer wilden Mischung aus antikapitalistischen, teils antisemitischen und rechten Verschwörungstheorien. Strache verbreitete in den vergangenen Jahren auf seiner Facebook-Seite dubiose Mitteilungen über Chemtrails, Kornkreise und Schauergeschichten über die „Bilderberger", jener handverlesenen Elite aus Politik und Wirtschaft, die sich einmal im Jahr zum Gedankenaustausch trifft und George Soros. Das hinderte Strache nicht daran, alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, politisch rechts stehende israelische Politiker zu finden, die bereit waren, mit ihm aufzutreten.

Parallel dazu geriet er in denselben Sog und Rausch, in den auch Jörg Haider geraten war. Im Jahr 2004, als Gerüchte über horrende Parteispesen in der FPÖ die Runde machten, erklärte Strache, damals eben zum neuen FPÖ-Wien-Chef gekürt: „Niemals wieder dürfen Glücksritter, die nur an sich und nicht an die Gemeinschaft denken, in der FPÖ nach oben kommen.“ Die Streitereien zogen sich dann noch über ein Jahr hin und mündeten nach der Abspaltung Jörg Haiders  und der Gründung des BZÖ  im Jahr 2005 in eine öffentliche Schlammschlacht.  Es war ähnlich wie heute, nur dass damals aus Straches Umfeld brisante Buchhaltungsunterlagen der Presse zugespielt wurden, sowie es heute aus Dominik Nepps Umfeld geschieht. Horrende Spesenrechnungen von FPÖ-Politikern tauchten auf, Unsummen an Reisekosten. Spesenkaiser war unangefochten Haider, der mit  einem vertraglich von der Partei zugesicherten, recht luxuriösem Lebenswandel Aufsehen erregte. Als Strache als neu gewählter FPÖ-Obmann  diese Spesen für die FPÖ einklagen wollte, verlor er den Prozess. Alles war von den Gremien der Partei genehmigt worden. Nun hofft Strache wohl auf einen ähnlichen Ausgang in eigener Sache. Die letzte Hoffnung, die ihm bleibt, wenn es mit dem Einzug im Gemeinderat nichts wird.

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