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Steiermark

Impfgegner Rutter wirbt in Graz weiter mit Niederösterreich-Förderung

Impfgegner Martin Rutter lässt sich Veranstaltungen voller Falschinformationen über Impfungen vom Land Niederösterreich fördern. Auch in Graz wirbt er damit.

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An Bauzäunen unter blauem Himmel hängen am Grazer Hauptplatz schreckliche Geschichten: Zahlreiche Todesanzeigen erinnern an Menschen, die kurz nach ihrer Corona-Impfung verstorben sein sollen. Das Misstrauen an der Impfung soll durch ausgedruckte Meldungen diverser Online-Medien verstärkt werden: 80 jährige Frau stirbt nach Impfung, steht da etwa. Für Besucher der „Galerie des Grauens“ allerdings bleiben viele Details offen, wie auf dem Ausdruck steht: Der Artikel über den Todesfall aus dem Jahr 2021 steht hinter einer Bezahlschranke, der Verein für Impfopfer“ war an der Auflösung des Rätsels offenbar nicht genug interessiert, um sie zu überwinden.

Hinter dem Verein steht der Verschwörungstheoretiker Martin Rutter. Seine mobile „Impfopfer-Galerie“ schürte schon während der Pandemie Angst und Unsicherheit rund um die Schutzimpfung gegen das Corona-Virus. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Neben großteils ungeprüften Horrorgeschichten über Impfschäden finden sich Auflistungen diverser Politiker und öffentlicher Prominenten, die „mitgemacht“ hätten. Über dem Gesicht von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) steht: „Wir vergessen nicht!!!!“

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Werbematerial

Zwischen der „Galerie des Grauens“, Verschwörungstheorien und „Bargeld ist Freiheit-Taschen findet sich am Stand des Rutter-Vereins in Graz ein Werbeschild für Niederösterreichs Corona-Hilfsfonds. Kein Zufall.

Umso mehr überrascht das Logo des Landes Niederösterreich am Info-Stand. Der Impfgegner-Verein wirbt für den NÖ COVID-Hilfsfonds für Corona-Folgen. Aus dem 31,3 Millionen Euro schweren Geldtopf zahlt die schwarz-blaue Landesregierung Corona-Strafen zurück und zahlt Pauschalbeträge für „Impfbeeinträchtigungen“ aus. Der Großteil des Geldes fließt bisher aber nicht an Corona-Maßnahmen-Gegner, sondern wurde für Psychotherapie, Nachhilfe und Long-Covid-Therapien ausgegeben. Ein Teil floss aber an Vereinsprojekte, die sich für Menschen einsetzen, „die Schäden oder Beeinträchtigungen durch COVID-19-Impfungen oder COVID-19- Erkrankungen aufweisen.“ Darunter gehörten auch Vereine von Rutter. 

Unterstützt vom Land Niederösterreich

Der Verschwörungstheoretiker hatte zumindest 24 beinahe gleichnamige Vereine in Niederösterreich gegründet und fünf Förderanträge gestellt. Bis zu 25.000 Euro könnten so für Veranstaltungen fließen, in denen wilde Verschwörungstheorien und Falschinformationen über die Covid-Impfung verbreitet werden, wie profil und das Ö1-Mittagsjournal aufzeigten. Ein Mediziner behauptete etwa unwidersprochen, in der Impfung seien „Nanorotober“ und dass Angehörigen von Verstorbenen Geld oder kostenlose Begräbnisse angeboten worden wären, wenn sie fälschlicherweise einer Covid-Diagnose als Todesursache zustimmen würden.

Reichen alle 24 Vereine erfolgreich ein, könnte Rutter 360.000 Euro an Steuergeld erhalten.

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) forderte eine Rücknahme der Förderzusage, Landeshauptfrau Mikl-Leitner ebenso. Der zuständige Landesrat Christoph Luisser (FPÖ) kündigte aufgrund der medialen Berichte eine Überprüfung an.

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Am Grazer Hauptplatz sieht man davon nichts. Das Logo des Landes Niederösterreich prangt weiterhin auf dem Stand der Impfgegner. Ein Flyer kündigt bereits das nächste Event an an. Im Eck steht: „Unsere Veranstaltung wird unterstützt vom Land Niederösterreich.“

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Redakteurin im Österreich-Ressort bei profil. War davor bei der "Kleinen Zeitung".

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und chattet für den Newsletter Ballhausplatz. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.