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09/17/2021

Kinderfragen: Armin Laschet in Bedrängnis

Die härtesten Fragen im Wahlkampf in Deutschland stellen Kinder.

von Lena Leibetseder

Nach wie vielen Purzelbäumen wird Armin Laschet schwindlig? Eine ungewöhnliche Frage an den CDU-Kanzlerkandidaten, gestellt von Pauline und Romeo, im Format „Kinder fragen Kanzler:innen“ der „ProSieben“-Sendung „Late Night Berlin“.

Kinder interviewen Politikerinnen und Politiker – ein nettes Konzept, da kann eigentlich für die Befragten nicht viel schieflaufen. Sympathiepunkte sammeln und die eigene Agenda kindgerecht präsentieren, das ist doch was.

Der Vorteil einer solchen Situation liegt aber eigentlich bei den Kindern. Sie können (vermeintlich) naive Fragen stellen und sehr direkt sein. Währenddessen müssen die Kandidatinnen und Kandidaten versuchen, eine Balance zwischen oberlehrerhaftem Erklären und einem taktvollen, einfühlsamen und vor allem respektvollen Gespräch finden.

Laschet tut sich schwer

Das fällt Laschet nun wirklich nicht leicht. Die erste Frage, warum er denn eigentlich Bundeskanzler werden wolle, ist noch einfach. Die zweite jedoch, warum er Zigarillos rauche, obwohl das ja ungesund sei, nicht mehr ganz so. Und da laufen sich Romeo und Pauline erst warm, für ein wahres Verhör.

Spätestens als die beiden beim Thema Hans-Georg Maaßen nicht lockerlassen und Laschet fragen, ob der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz ein Nazi sei, wird es dem Kanzlerkandidaten wohl auch etwas ungemütlich auf dem viel zu kleinen Kinderstuhl. Laschet windet sich, fragt: „Kennst du den?“ Romeo bejaht, Laschet fragt weiter: „Warum ist das ein Rechter?“ Romeo: „Frag ich Sie.“

Armin Laschet ahnt, dass er hier auf einen Coup hereinfällt, und dass Romeo und Pauline vielleicht über einen Knopf im Ohr Fragen eingeflüstert bekommen – er reagiert recht brüsk. Als Romeo fragt, ob Laschet etwas dagegen habe, dass zwei Männer heiraten dürfen, will dieser wissen, woher denn die Information stamme: „Wer kommt denn auf so komische Ideen?“ „Du hast Interviews gegeben, wo du gesagt hast, du willst das nicht. Im Spiegel,“ antwortet Romeo. Darauf Laschet: „Du hast schon den Spiegel vor so langer Zeit gelesen, das ist aber toll, dass du das kannst.” Etwas verzögert kontert Romeo, er hätte gegoogelt.

Auch Scholz und Baerbock im Interview

Klar ist: Hinter dem Interview steckt viel Vorbereitung, der aktuell diskutierte Knopf im Ohr spielt vielleicht auch eine Rolle. Dass Pauline und Romeo spontan wissen, wer Hans-Georg Maaßen ist, und dann nonchalant fragen, ob Maaßen ein Nazi ist, ist vielleicht unwahrscheinlich – aber tut das überhaupt etwas zur Sache? Dass Laschet derart ins Straucheln kommt, ist sowohl der Redaktion als auch Pauline und Romeo anzurechnen.

Denn die Kinder-Interviews sind ein Renner im Netz und harte Wahlkampf-Währung. Auch SPD-Kandidat Olaf Scholz stellte sich den Fragen von Pauline und Romeo, er kam dabei nach Mehrheitsmeinung auf Social Media besser weg als Laschet. Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) wurde ebenfalls interviewt, das Video soll nächste Woche ausgestrahlt werden.

Bis dahin können Sie ja die Fragen der beiden Jüngstjournalist:innen selbst beantworten: Wären Sie lieber ein Schlumpf oder ein Pokémon? Olaf Scholz tendiert zu Schlumpf.

Lena Leibetseder

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